Deutschland braucht den Euro und Europa: Davon ist FDP-Generalsekretär Christian Lindner überzeugt. Im „Münchner Merkur“ weist er darauf hin, dass sich zur Zeit der Euro-Einführung 80 Prozent der Deutschen dagegen aussprachen. Zehn Jahre später verdankte die Bundesrepublik bereits ein Drittel ihres Wachstums der Währungsunion. Deren Schwachpunkte müssten nun beseitigt werden, damit Deutschland weiter profitiert, so Lindner.
Europa stehe derzeit an einer Weggabelung. „Die Menschen sorgen sich um die Stabilität ihrer Währung und damit auch um die Sicherheit ihrer Arbeitsplätze und Renten“, erklärt Lindner. Neues Vertrauen in den Euro wollen die Liberalen beispielsweise schaffen, indem gefährliche Spekulationen künftig unterbunden werden. „Wir werden Handeln und Haften wieder verbinden, etwa durch mehr Eigenkapital der Banken. Wer Gewinne macht, muss auch für Verluste gerade stehen“, betont der FDP-Generalsekretär im Interview mit dem „Münchner Merkur“.
Zudem müsse unterbunden werden, dass Transaktionen außerhalb offiziell beaufsichtigter Märkte geschlossen werden. „Deshalb spreche ich mich für einen Börsenzwang aus. Nichts mehr unter dem Tisch, zwischen Banken, innerhalb von Banken“, so Lindner.
Kurzfristige Beruhigungspillen lösen keine Probleme
FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle stellt im Interview mit der „Rhein-Zeitung“ klar: „Deutschland wird nur weiter erfolgreich sein, wenn wir mit den Nachbarländern an einem Strang ziehen. Es ist doch falsch zu glauben, dass wir hier in Deutschland allein eine Insel des Wohlstands erhalten können.“ Er ist überzeugt, dass der Euro ein Erfolgsprojekt ist. Zur Stabilisierung bedürfe es langfristiger richtiger Strukturen, und keiner „kurzfristigen Beruhigungspillen“, unterstreicht Brüderle. Bislang sei der Euro stabil. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, dass das so bleibt. Dabei darf es aber kein Weiter so geben.“
Wir wollen keine Transfer- und Schuldenunion
Der Liberale sieht in der derzeitigen Krise die Chance, einen Sprung in der Qualität der Stabilitätsstrukturen zu schaffen. Mit neuen Strukturen meint Brüderle einen neuen Stabilitätspakt. Zu oft und von zu vielen Ländern sei der alte in den vergangenen Jahren ungeahndet „gerissen“ worden. Daher müsse die Ausgestaltung des ESM vorangetrieben werden, sagt der FDP-Fraktionschef. „Er muss mit Automatismen ausgestattet sein. Fehlverhalten darf nicht zum Gegenstand eines europäischen Kuhhandels werden, sondern muss Konsequenzen nach sich ziehen. Länder, die sich nicht daran halten, müssen einen Teil ihrer Kompetenzen an die Europäische Kommission abgeben“, erklärt er im Interview.