Wirtschaft

FDP wirbt für Fachkräfte

Baustelle - Fachkräftemangel auch im Baugewerbe Das überraschend hohe deutsche Wirtschaftswachstum hat auch seine Kehrseite: Es verschärft den Fachkräftemangel. Fast ein Drittel der Betriebe sieht in diesem Problem inzwischen ein Risiko für die eigene Geschäftsentwicklung. Die FDP startet vor diesem Hintergrund eine neue Initiative für zusätzliche Zuwanderung von Fachkräften nach Deutschland. FDP-Generalsekretär Christian Lindner fordert, zunächst die Zuwanderung von Fachkräften auf der Verwaltungsebene zu vereinfachen.

Negative Folgen der Öffnung für EU-Arbeitnehmer am 1. Mai seien ausgeblieben, sagte Lindner in Berlin. "Wir sind nicht überrannt worden." Deshalb gehöre das Thema Fachkräftemangel nun erneut auf die Tagesordnung.

Konkret forderte er Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) auf, zunächst die Zuwanderung von Fachkräften auf der Verwaltungsebene zu vereinfachen. Zum Beispiel könnte die Suche nach einem qualifizierten inländischen Bewerber nach vier Wochen automatisch für erledigt erklärt oder für einzelne Berufe ganz abgeschafft werden. "Dem sollte Frau von der Leyen sich widmen", mahnte Lindner.

Mittelfristig wolle die FDP die Zuwanderung über ein Punktesystem steuern. Lindner verwies darauf, dass auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag darauf dringe, die Zuwanderung zu erleichtern.

FDP kämpft für Punktesystem

"Wir brauchen ein System, das endlich Zuwanderung nach dem Bedarf auf dem Arbeitsmarkt und der Qualifikation der Bewerber steuert", sagte auch der arbeitsmarktpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Johannes Vogel. In einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur "dpa" plädierte er für ein Punktesystem nach kanadischem Vorbild.

Vogel erklärte, durch den demografischen Wandel würden bis zum Jahr 2025 über sechs Millionen Arbeitskräfte in Deutschland fehlen. Die Regierung werde alles tun, um mehr Frauen, Älteren und Arbeitslosen Jobs zu verschaffen. Doch ohne ausländische Fachkräfte sei diese Lücke nicht zu schließen: "Der Arbeitsmarkt fährt bei den Fachkräften auf Reserve. Volltanken können wir nur mit Zuwanderung."

Rösler nach Treffen mit Spitzenverbänden der Wirtschaft

Nach einem Treffen mit den Spitzenverbänden der Wirtschaft erklärte Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP), eine gesteuerte Zuwanderung sei "keine Bedrohung für unser Land, sondern eine Bereicherung". Er will die gesetzlichen Regeln für die Zuwanderung lockern, damit mehr ausländische Fachkräfte ins Land kommen. Dies sei nötig, um den zunehmenden Fachkräftemangel zu bekämpfen, sagte Rösler.

Der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Dieter Hundt, wies darauf hin, dass bereits 140000 Naturwissenschaftler gesucht werden. Die Hälfte davon seien Ingenieure. Bis 2025 fehlten 6,5 Millionen Arbeitskräfte, wenn nicht gegengesteuert werde.

FDP und Wirtschaft fordern, in einem ersten Schritt die Einkommensgrenze bei der Zuwanderung von 66 000 Euro um etwa ein Drittel zu senken. So viel muss bisher ein ausländischer Experte pro Jahr bei einem deutschen Unternehmen verdienen, um eine dauerhafte Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis zu bekommen. 2009 kamen weniger als 150 Hochqualifizierte ins Land. Rösler will nun innerhalb der Regierung durchsetzen, dass die sogenannte Verdienstgrenze von derzeit 66000 auf etwa 40000 Euro gesenkt wird.

Vogel hofft auf Einsicht der CSU

FDP-Arbeitsmarktexperte Johannes Vogel glaubt mit Blick auf die ablehnende CSU, dass "die Kraft der Fakten dazu führen wird, dass wir uns am Ende einigen." Die CSU könne sich nicht vor den Zahlen drücken. Gerade mit einem Punktesystem, das jeder im Ausland auf Anhieb verstehe, werde Deutschland als Wirtschaftsstandort noch attraktiver: "Wir müssen konkret um die klügsten Köpfe der Welt werben. Bisher nehmen wir an dem Wettbewerb nicht teil."