Schloss BellevueDer frühere DDR-Bürgerrechtler und Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde, Joachim Gauck, soll neuer Bundespräsident werden. Darauf einigten sich am Sonntag die Spitzen von FDP, SPD, Grünen und Union. Bereits am Sonntagnachmittag hatte sich das FDP-Präsidium einstimmig für Gauck ausgesprochen. FDP-Parteichef Philipp Rösler erklärte, Gauck könne verloren gegangenes Vertrauen in das höchste Staatsamt zurückbringen. Gauck sei eine Persönlichkeit, die die Menschen wieder mehr begeistern könne für die Demokratie.
Vizekanzler Rösler betonte, dass Gauck der Richtige sei, dem Amt wieder die Autorität verleihen, die ihm zustehe. Gauck sei eine Persönlichkeit, "die nicht nur die fünf oder sechs Leute im kleinen Kreis begeistern kann, sondern die Menschen wieder mehr begeistern kann für die Demokratie - durch seine Persönlichkeit eben, durch seine Autorität. Ich freue mich sehr, dass wir uns gemeinsam heute auf die Unterstützung dieser Kandidatur verständigen konnten“, sagte der FDP-Parteichef.
Joachim Gauck betonte nach Bekanntwerden der Nominierung, für ihn sei dies ein ganz besonderer Tag. „Am meisten bewegt es mich, dass ein Mensch, der noch geboren ist im Krieg und in der Diktatur aufgewachsen ist, an die Spitze des Staates gerufen wird“, so der frühere DDR-Bürgerrechtler.
Döring: Joachim Gauck wird ein guter Bundespräsident
Döring: Gauck wird ein guter BundespräsidentIm ''hr-inforadio'' erklärte der designierte FDP-Generalsekretär Patrick Döring, dass bei der Frage, welcher Kandidat den Freidemokraten am nächsten stehe, die FDP zu dem Ergebnis gekommen sei, "dass das Joachim Gauck ist". Es sei ein fairer Diskussionsprozess gewesen, in dem die Liberalen überzeugend darlegen konnten, dass "Joachim Gauck ein guter Bundespräsident sein wird", so Döring.
Zastrow: Gauck war Herzenswunsch der FDP Sachsen
FDP-Parteivize Holger Zastrow erklärte: „Ich bin mir sicher, dass er das Amt des Staatsoberhauptes mit Würde und dem nötigen Respekt ausfüllen wird.“ Er hob hervor, dass Gauck über Parteigrenzen hinweg anerkannt sei. Mit der Kandidatur von Joachim Gauck erfülle sich für die sächsische FDP ein Herzenswunsch. Gauck sei die „überparteiliche Persönlichkeit, die wir in Deutschland jetzt für dieses Amt brauchen.“
Niebel: Bevölkerung vertraut Gauck längst
Niebel: Gauck besitzt das Vertrauen der Bevölkerung bereits.Entwicklungshilfeminister und FDP-Prasidiumsmitglied Dirk Niebel bescheinigte Gauck im „Deutschlandfunk“ ein hohes Ansehen in der Bevölkerung. Dies sei auch einer der Gründe gewesen, warum die Freidemokraten diesen als Kandidaten für das Bundespräsidentenamt eingesetzt haben. Gauck müsse kein Vertrauen in der Bevölkerung zurückgewinnen, sondern besitze es bereits, so Niebel. Die Einigung auf Gauck, bezeichnete er als, "staatstragende und, wie ich finde, kluge Entscheidung". Das Amt der Bundespräsidenten sei zu wichtig, um lange Zeit mit vertrauensbildenden Maßnahmen zu verbringen.
FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle sagte in einem Interview für den ARD-''Bericht aus Berlin'', Gauck sei ohne Frage ein respektabler und anzuerkennender Kandidat.
Fricke: Nominierung war eine Vernunftentscheidung
Otto Fricke, haushaltspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion, erklärte im "SWR 2 Tagesgespräch", dass die Nominierung Gaucks ein "Sieg der Vernunft" gewesen sei. Bei der Entscheidung der Liberalen hätte insbesondere die Frage nach den Präferenzen der Parteimitglieder und Wähler eine zentrale Rolle gespielt.
Bahr: Der Beste für das Amt
Gesundheitsminister Daniel Bahr unterstrich: „Es kommt darauf an, dass das Amt des Bundespräsidenten wieder Respekt und Anerkennung genießt. „Das kann von Allen Joachim Gauck am besten.“
Kubicki: Schwarz-Gelb beweist Handlungsfähigkeit
Kubicki: Schwarz-Gelb ist handlungsfähigChristian Wulff hatte am Freitag seinen Rücktritt vom Amt des Bundespräsidenten bekannt gegeben. Am Wochenende diskutierten die Parteispitzen mögliche Nachfolgekandidaten und einigten sich auf Joachim Gauck. Für die Liberalen ist der Theologe und ehemalige Chef der Stasi-Unterlagenbehörde der Wunschkandidat. Die klare Präferenz hatte ein Beschluss des Bundespräsidiums unterstrichen. Die Bundesversammlung zur Wahl des neuen Bundespräsidenten wird voraussichtlich am 18. März stattfinden.
Der schleswig-holsteinische FDP-Spitzenkandidat Wolfgang Kubicki betonte im „ZDF-Morgenmagazin“, dass sich die Bundesregierung mit ihrer schnellen Einigung auf einen Kandidaten ihre Handlungsfähigkeit als Koalition unterstrichen habe.
FDP nimmt Entscheidung mit Respekt zur Kenntnis
Wikipedia: Infos zu Joachim Gauck
3. Berliner Rede zur Freiheit von Joachim Gauck
Wolfgang Kubicki im "Morgenmagazin"
Patrick Döring im "hr-inforadio"
Dirk Niebel im "Deutschlandfunk"
Otto Fricke im "SWR 2 Tagesgespräch"
Philipp Rösler im "ZDF heute-journal"
Philipp Rösler in den "ARD-Tagesthemen"