Eine Riesen-Chance gerade für die berufliche Bildung

Nicola Beer
Nicola Beer
12.03.2018

Die designierte Staatsministerin für Digitales, Dorothee Bär, hat für Programmieren als Lerninhalt in der Grundschule geworben und damit eine kontroverse Debatte ausgelöst. FDP-Generalsekretärin Nicola Beer nimmt das mit Verwunderung zur Kenntnis: Momentan sei viel Angstmacherei im Spiel. Die Kinder würden nach ihrem Schulabschluss in Berufen arbeiten, die man heute noch gar nicht kenne - und dafür müsse man sie fitmachen. Man könne das eine tun - seine Finger und Hände benutzen - ohne das andere zu lassen, so Beer im Deutschlandfunk.

"Wir müssen die Menschen in diesem Land fit machen und das werden wir nur, wenn sie die Zusammenhänge hinter diesen neuen Technologien verstehen." Momentan sei sehr viel Angstmacherei unterwegs mit dem, "was Menschen glauben, was Digitalisierung sei, was sie mit ihnen machen würde, und ich möchte, dass Menschen wissen, es ist nicht die Digitalisierung, die etwas mit ihnen macht, sondern sie können diese Technik selbst gestalten und dementsprechend auch selbst entscheiden, wo sie sie einsetzen."

Das habe nichts damit zu tun, dass Kinder die anderen Fächer nicht mehr lernen sollen. "Aber sie müssen auch wissen, wie sich diese Welt durch diese neuen Technologien verändert. Ihr Credo lautet: "Das eine tun und das andere nicht lassen." Deutschland hinke insgesamt hinterher in der Digitalisierung, bei Ausstattung, bei der neuen rechtlichen Rahmensetzung, aber leider auch in der Bildung. "Die Kinder, die wir heute ausbilden, die werden nach ihrem Schulabschluss in Berufen arbeiten, die wir heute noch gar nicht kennen. Dafür müssen wir sie stark machen."

Beer möchte, dass die Schulen international wettbewerbsfähig sind "in Ausstattung, in den Lerninhalten, in den Lehrmaterialien." Sie weiß, dass die neuen digitalen Möglichkeiten die jetzigen Möglichkeiten ergänzen können: "Und zwar so, dass Lehrkräfte es einfacher haben, Kinder individuell ganz genau auf ihre Bedürfnisse hin zu fördern, aber auch zu fordern, weil es über selbstlernende Lernprogramme Möglichkeiten gibt, dass jeder seine Geschwindigkeit gehen kann und damit seinen persönlichen Lernerfolg erzielt."

Beer meint, es ist Aufgabe der Politik, die Lehrer bei der Bewältigung der Herausforderungen zu unterstützen und die Eigenverantwortung der Schulen zu stärken. Dazu müssten Lerninhalte, die Ausstattungen der Schulen, Aus- und Fortbildung von Lehrkräften sowie das föderale Bildungssystem modernisiert werden. "Nur so können wir die Herausforderungen der Zukunft meistern."

Dafür müsse auch den Lehrern und Schulleitern mehr Eigenverantwortung gegeben werden. Denn: "Nur sie wissen, was unsere Schüler in den jeweiligen Einrichtungen brauchen. Weder Berlin noch die Landeshauptstädte können besser beurteilen als die Fachkräfte vor Ort, was konkret benötigt wird." Zentral müsse aber "endlich sichergestellt" werden, dass die Schulen bundesweit überprüfbar weltbeste Bildung vermitteln. "Dafür müssen bundesweit einheitliche Bildungsstandards nicht nur wie aktuell von der Kultusministerkonferenz vereinbart, sondern endlich auch bundesweit kontrolliert und durchgesetzt werden", so Beer im Gastbeitrag für den Focus. (ph)

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