Drohnenalarm in Europa: Wie ernst ist die Gefahr?

Geheimdienste warnen vor russischen Drohnenangriffen auf EU-Staaten. Während Europas Verteidigungsminister in Brüssel beraten, erklärt Marie-Agnes Strack-Zimmermann, wie ernst die Gefahr ist und was jetzt zu tun ist.

Strack-Zimmermann vor der Bundespressekonferenz
Strack-Zimmermann warnt: „Wenn die Ukraine fällt, dann kann ich Ihnen sagen, Litauen und Polen machen sich schon bereit, sich zu schützen. Wir sollten das in ganz Europa tun.“

Die EU-Verteidigungsminister beraten in Brüssel über Europas Verteidigungsfähigkeit. Die Sicherheitslage bereitet FDP-Präsidiumsmitglied Marie-Agnes Strack-Zimmermann Sorgen. Aktuelle Warnungen von Geheimdiensten, darunter der CIA, vor möglichen Drohnenangriffen nehme sie sehr ernst. 

Wie konkret die Gefahr ist, zeigt für sie ein Vorfall im Schwarzen Meer: Nur knapp sei vor kurzem verhindert worden, dass eine rumänische Gasplattform in die Luft fliegt. Eine mit Sprengstoff bestückte Seedrohne wurde rechtzeitig entdeckt und zerstört. Das rumänische Projekt soll ab 2027 günstiges Gas fördern; auch Lieferungen nach Deutschland sind vereinbart.

Europas Sicherheit braucht Tempo und Zusammenarbeit

Auf solche hybriden Bedrohungen müsse Europa gemeinsam reagieren, betont die Vorsitzende des Europäischen Verteidigungsausschusses im ZDF-Morgenmagazin. Im Verteidigungsausschuss arbeite man deshalb an einer engeren Zusammenarbeit: „Wir versuchen gerade massiv, die Regeln zu verändern: schnellere Kooperation, schnellerer Grenzübertritt.“ Technik und Fachwissen müssten schneller ausgetauscht werden. „Es ist eben kein nationales Problem mehr, sondern jedes Land steht unter Druck“, so Strack-Zimmermann.

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Sprengstoffdrohne vor Gasplattform: Europas Drohnengefahr wächst

Die zuletzt besonders heftigen russischen Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur zeigen für Strack-Zimmermann unmissverständlich, welches Ziel Putin verfolgt: Er will die ukrainische Bevölkerung vertreiben. Dafür greift Russland vermehrt Bahnstrecken und Häfen an, um die Versorgung von 30 Millionen Ukrainerinnen und Ukrainern zu unterbrechen. 

Die Folgen reichen über die Ukraine hinaus. Wenn aus der „Kornkammer Europas“ kaum noch Schiffe auslaufen, können fehlende Nahrungsmittel auch andernorts Not und Flucht auslösen. So wolle Putin Europa destabilisieren: „In Odessa können gerade so gut wie keine Schiffe auslaufen, die übrigens auch die Welt ernähren. Das heißt, Flucht und Vertreibungen auszulösen, ist auch eine Methode von Wladimir Putin“ 

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Russisches Geld für die Ukraine nutzen

Damit die Ukraine standhalten kann, brauche sie schnell finanzielle Hilfe. Im europäischen Verteidigungsausschuss werde deshalb diskutiert, die rund 200 Milliarden Euro eingefrorener russischer Vermögenswerte für die Ukraine zu nutzen. „Diese Gelder könnte man der Ukraine zur Verfügung stellen, auch für den Wiederaufbau.“

Moskau will keine ernsthaften Gespräche

Auf ernsthafte Verhandlungen setzt Strack-Zimmermann dagegen derzeit wenig Hoffnung. Nach einem Treffen mit Außenminister Wadephul am Rande der UN-Generaldebatte habe der russische Außenminister Lavrov im Nachhinein erklärt, das Gespräch sei unnötig gewesen; man hätte auch telefonieren können. Für Strack-Zimmermann zeigt das: „Das heißt, nehmen wir zur Kenntnis, dass Vladimir Putin und auch Herr Lavrov an ernsthaften Gesprächen nur dann interessiert sind, wenn sie das, was sie haben wollen, nämlich im ersten Schritt die Ostukraine, auch bekommen.“ 

Ihre Warnung: „Wenn die Ukraine fällt, dann kann ich Ihnen sagen, Litauen und Polen machen sich schon bereit, sich zu schützen. Wir sollten das in ganz Europa tun.“