Junge Menschen brauchen keinen Staat, der ihnen Geld zusteckt
Nadin Zaya, neues Gesicht im Präsidium, sieht sich als Teil einer Generation, die anpackt und trotzdem spürt: Das Aufstiegsversprechen bröckelt. Sie will den Weg nach oben freiräumen: Junge bräuchten keine Almosen, sondern „einen Staat, der aufhört, ihnen Steine in den Weg zu legen.“
Der neue FDP-Bundesvorstand ist so jung und weiblich wie nie zuvor. Eine der neuen Stimmen ist Nadin Zaya: Die 27-jährige ehemalige Vorsitzende der niedersächsischen Jungen Liberalen aus Hannover setzte sich beim Bundesparteitag gegen zwei Gegenbewerber durch und wurde als Beisitzerin in das Präsidium gewählt.
Zaya weiß, was es heißt, sich etwas aufzubauen. Als Kind kam sie mit ihrer Familie aus dem Irak nach Deutschland. Heute verbindet die Rechtsreferendarin ihre persönliche Geschichte mit einem klaren liberalen Anspruch: Menschen sollen in Deutschland durch eigene Leistung vorankommen können, unabhängig vom Elternhaus. „Mir ist wichtig zu vermitteln: Es ist egal, wo du geboren bist und unter welchen Umständen du nach Deutschland gekommen bist. Wenn du Lust hast, hier mit anzupacken und auf eigenen Beinen zu stehen, dann bist du bei der FDP richtig“, sagt sie im Interview mit WELT.
Jung, fleißig, ausgebremst
Genau dieses Aufstiegsversprechen gelte heute nicht mehr wie vor 20 oder 30 Jahren. Im Gespräch mit der Berliner Zeitung spicht Zaya an, was viele spüren: „Viele Menschen haben das Gefühl, dass sie trotz harter Arbeit nicht mehr das erreichen können, was für frühere Generationen selbstverständlich war.“
Besonders sichtbar werde das beim Thema Wohneigentum. „Ich habe Jura studiert und werde perspektivisch eher nicht zu den Menschen gehören, die wenig verdienen. Trotzdem erscheint mir ein Eigenheim momentan sehr weit weg. Das ist doch verrückt.“
Der Traum vom Eigenheim rückt in weite Ferne
Zaya widerspricht dem bequemen Klischee einer Generation, die angeblich zu anspruchsvoll, zu bequem oder zu wenig leistungsbereit sei. Viele junge Menschen arbeiteten hart, sparten, verzichteten und übernähmen Verantwortung. Sie erzählt von einer Freundin im Controlling, deren Mann bei der Bundeswehr ist. Beide hätten jahrelang gespart, auf Urlaub verzichtet und sich eingeschränkt, um sich eine kleine Wohnung im Speckgürtel von Hannover leisten zu können. „Dieses Bild junger Menschen kommt in der politischen Debatte viel zu selten vor.“
BAföG schwerer als Sozialleistungen?
Junge Menschen bräuchten angesichts all dieser Herausforderungen aber keinen Staat, der ihnen einfach Geld zusteckt, betont Zaya. „Sie brauchen einen Staat, der aufhört, ihnen Steine in den Weg zu legen.“ Wenn Studierende zum Beispiel arbeiten wollen, sollten sie das tun können, ohne durch Zuverdienstgrenzen oder Leistungskürzungen bestraft zu werden. Der Staat müsse Leistung ermöglichen, statt sie auszubremsen.
Dass es oft einfacher sei, Sozialleistungen zu bekommen als BAföG, also einen Studienkredit, ist für Zaya ein Symptom dafür, dass in Deutschland etwas gewaltig schiefläuft. „Es wirkt manchmal so, als glaube die Politik, junge Menschen hätten keine Lust mehr auf Leistung und müssten deshalb permanent unterstützt werden. Das stimmt einfach nicht.“
Wohlstand entsteht nicht durch Umverteilung
Eine klare Absage erteilt Zaya auch politischen Umverteilungsfantasien. „Ich teile nicht die Vorstellung, dass man nachhaltigen Wohlstand durch Umverteilung erreicht.“ Stattdessen fordert sie eine Einkommensteuerreform, niedrigere Sozialabgaben und die Abschaffung der Grunderwerbsteuer für die erste selbst genutzte Immobilie. Wer arbeitet, müsse mehr von seinem Einkommen behalten dürfen. Wer sich etwas aufbauen will, dürfe nicht vom Staat ausgebremst werden.
Gegen den Rechtsruck helfen Lösungen, keine Warnungen
Konkrete Lösungen sind für Zaya auch das beste Rezept gegen den Rechtsruck. „Ich glaube, demokratische Parteien haben den Fehler gemacht, zu sehr darüber zu sprechen, wie schlimm die AfD ist, und zu wenig darüber, wie viel besser es mit den eigenen Ideen werden könnte.“ Die AfD spreche Gefühle an, die viele Menschen hätten: Hilflosigkeit, Frustration, Perspektivlosigkeit. „Das gelingt ihr sehr erfolgreich. Aber sie liefert keine Antworten und keine Lösungen.“
Politik muss im Leben der Menschen ankommen
Vor allem junge Menschen will Zaya wieder für die FDP gewinnen. Dafür brauche es Klarheit und Nähe. „Wir müssen klar, sachlich, aber mit Herz sprechen.“ Und die FDP müsse zeigen, dass liberale Politik nicht abstrakt ist, sondern die Lebensrealität der Menschen konkret verbessern kann: „Es gibt viele Menschen, die sagen: Steuerpolitik ist langweilig. Bis man ihnen erklärt, was auf ihrer Gehaltsabrechnung steht und warum. Dann wird es plötzlich sehr konkret.“
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