Mädchen mit Zopf
Viele Eltern wünschen sich nach der Trennung eine gemeinsame Kinderbetreuung - FDP will das möglich machen
Familie Kinderbetreuung

Gemeinsame Kinderbetreuung - auch nach der Trennung

16.03.2018

Einer betreut, der andere zahlt? Die Freien Demokraten wollen, dass Scheidungskinder künftig bei jedem Elternteil ein Zuhause haben. Mit ihrem Wechselmodell setzten sie sich dafür ein, die gleichberechtigte und abwechselnde Betreuung durch beide Elternteile zum Regelfall zu erklären, wenn die Eltern sich nicht einvernehmlich auf ein Betreuungsmodell einigen können. "Wir sagen: Mutter und Vater sind gleichwertig", bekräftigt FDP-Vize Katja Suding diese Haltung. Jetzt wurde dieser Vorstoß, der einem Paradigmenwechsel im Familienrecht gleichkommt, im Bundestag beraten. 

Auf ihrem letzten Bundesparteitag beschloss die FDP, dass Trennungskinder nach dem Wechselmodell betreut werden sollen, wenn sich die Eltern nicht einigen können. Das Wechselmodell bedeutet, dass die Kinder nach der Trennung der Eltern zwei Wohnsitze bekommen, um abwechselnd bei Mutter und Vater zu leben. Katja Suding sagt: "Wir möchten, dass das Gericht in Zukunft im Regelfall die Doppelresidenz annimmt." Denn es sei "althergebracht", dass Kinder nach einer Trennung "automatisch bei der Mutter leben". Damit wolle die FDP die anderen Modelle nicht abwerten. "Wir wollen aber auch nicht, dass der Staat im Streitfall die Rollen in der Familie so festlegt, dass ein Elternteil, in der Regel die Mutter, die hauptsächlich Erziehende ist und der Vater die Rolle des zahlenden Ernährers erhält, der allenfalls noch eine Nebenrolle im Leben der Kinder spielt."

Suding verweist auch auf internationale Studien, die belegen, dass das Wechselmodell förderlich ist für das Wohlbefinden von Trennungskindern. In Skandinavien und in Belgien sei das Modell gang und gäbe. "Eine intensive Bindung zu beiden Elternteilen ist für Kinder gut." Es gehe um einen gesellschaftlichen Paradigmenwechsel, und es werde vermutlich auch eine Weile dauern, bis er sich durchsetzt. "Die Vorstellung, dass die Kinder nach einer Scheidung automatisch bei der Mutter leben, ist althergebracht. Wir setzen auf eine moderne Familienpolitik", so Suding. Das Thema wird in allen Parteien diskutiert – stets kontrovers. Es bleibt abzuwarten, ob die FDP mit ihrer Forderung weiterhin auf einsamem Posten bleibt. Suding sagt: "Der gesellschaftliche Wandel ist in vollem Gange, man kann und darf ihn nicht ignorieren."

Die FDP-Abgeordnete Katrin Helling-Plahr sagte: "In der Logik einer modernen Familienpolitik braucht unser Familienrecht eindeutig ein Update." Das Wechselmodell sei gerechter und in der Regel für die Kinder das Beste. Hintergrund ist ein Beschluss des Bundesgerichtshofs BGH, der 2017 entschieden hatte, dass Mütter und Väter prinzipiell die Möglichkeit haben, das Wechselmodell vor Gericht gegen den Ex-Partner durchzusetzen.