Corona-Krise:
Nie war digitale Bildung so wichtig wie jetzt

Zu Hause lernen
  • Die Corona-Krise zeigt deutlich die Versäumnisse unseres Bildungssystems und wie wichtig digitale Lernangebote sind.
  • Das beste Timing für digitale Bildung ist jetzt. Denn die Corona-Krise darf nicht zu einer fundamentalen Chancen-Krise für Kinder und Jugendliche werden.
  • Wir wollen jetzt die Zukunftsfähigkeit Deutschlands mit weltbester Bildung sichern. Bis wir digitale Vorreiter und PISA-Sieger werden, ist es noch ein langer Weg.

Damit aus der Corona-Krise keine Bildungskrise wird: Schülern schnell und unkompliziert Bildungsangebote zur Verfügung stellen.

- Katja Suding

Die Corona-Krise legt offen, wie groß die Lücken in der digitalen Versorgung im Bildungsbereich sind und welche gravierenden Unterschiede zwischen den Schulen bestehen. Die abrupten Schulschließungen waren eine bisher historische Ausnahmesituation. Das ungeplante Lernen von zu Hause ist für die Schulen, Eltern sowie Schülerinnen und Schüler, ein unglaublicher Kraftakt. Engagierte Lehrkräfte haben Schülerinnen und Schüler in der Phase des Improvisierens hervorragend unterstützt. Andere waren hierfür nicht vorbereitet oder ausgebildet. Nun wird Unterricht in Schichtmodellen und digitales Lernen von zu Hause Teil einer neuen Normalität.

Während der ersten Tage waren die digitalen Lernangebote vielerorts überlastet. Damit war zu rechnen. Denn auch wenn die Digitalisierung der Schulen seit Jahren eines der wichtigsten Themen der Bildungspolitik ist, kommt sie in der Praxis nur langsam voran. Beispiel Digitalpakt: Nach jahrelangem Gerangel wurde das 5,5-Milliarden-Euro-Paket letzten Sommer endlich beschlossen. Viel Geld ist allerdings noch nicht geflossen: Die Bundesländer haben von den fünf Milliarden Euro überhaupt erst einen Bruchteil angefordert. Dabei bräuchten wir längst einen Digitalpakt 2.0, der dafür sorgt, dass Tablets auch sinnvoll eingesetzt werden können – nämlich dadurch, dass Lerninhalte auf ihnen verfügbar sind, Lehrkräfte wissen, wie man sie einsetzt und klare Datenschutzstandards erfüllt sind.

Bund und Länder müssen ein digitales Bildungssystem schaffen

Es zeigt sich gerade jetzt, dass wir mehr Tempo bei der digitalen Bildung brauchen: Viele Lehrer sind für den Umgang mit digitalen Lehrmethoden noch nicht geschult, es fehlen technische Geräte und Lehrmaterialien. Unklar ist auch, wie der Schutz sensibler Schülerdaten gewährleistet wird.

Die aktuelle Krise ist ein Anlass, den Digitalpakt besser auszustatten und zu verstetigen. Es geht um mehr als die Ausstattung der Gebäude, es geht um den bestmöglichen Unterricht. Für uns ist entscheidend, diese Qualität bundeseinheitlich sicherzustellen. Denn wir sind überzeugt: Wir brauchen eine umfassende Modernisierung des gesamten Bildungssystems – nicht nur in der Schule, sondern auch in der Kita, bei der Weiterbildung und an unseren Hochschulen und Universitäten.

Wir fordern:

  •     einen unkomplizierten Zugang zu Bildung für alle,
  •     die Digitalisierung für individuelles, effizientes und motivierendes Lernen zu nutzen,
  •     bundesweit einheitliche Bildungsstandards und Abschlüsse,
  •     die Verbesserung der frühkindlichen Bildung in Krippen und Kindergärten,
  •     mehr Durchlässigkeit zwischen dualer Berufsausbildung und akademischer Bildung,
  •     privates Bildungssparen, berufliche Weiterbildung und lebenslanges Lernen zu fördern,
  •     Freiheit und Autonomie für Schulen und Hochschulen.

Wir brauchen einen digitalen Quantensprung für unsere Schulen und Berufsschulen. Dazu gehören Onlinekurse mit guten Inhalten, geschultes Lehrpersonal und Zugang zu mobilen Endgeräten für alle. Wir brauchen jetzt einen Digitalpakt 2.0: Denn die angeschaffte Technik muss dauerhaft Eingang in moderne digitale Lern- und Lehrmethoden finden. Dann können wir auch in hybriden Unterrichtsmodellen Schülerinnen und Schüler individuell bestmöglich und didaktisch anspruchsvoll unterstützen. Digitale Bildung kann so helfen, die soziale Kluft zu schließen, und eine Brücke zum sozialen Aufstieg für alle werden.

Die bisherigen Versäumnisse dürfen nicht dazu führen, dass die Corona-Krise auch noch eine Bildungskrise zulasten der Schüler nach sich zieht.

Not lässt Bildungsinnovationen wagen

Zwar haben bereits einige Schulen digitale Lernplattformen – allerdings gibt es noch nicht viele Notebook-Klassen im Land. Wir Freie Demokraten sehen die vielen Möglichkeiten für den Bildungsbereich: Wir hätten heute schon sogenannte EdTech-Unternehmen wie Moodle und Sofatutor mit teils mehr als einer Millionen Nutzer im Monat. Dort gibt es attraktiv aufbereitete Lernmaterialien in Hülle und Fülle. Das hat bei Mathematik und den naturwissenschaftlichen Fächern begonnen und erreicht längst die volle Fächerbreite. Verena Pausder hat hier eine kleine Übersicht erstellt, die Kindern und Eltern helfen kann, Homeschooling einfacher zu machen. Natürlich erhebt die Liste keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Politik muss jetzt den Turbo anwerfen

Jetzt könnte die Bundesregierung einen Rahmenvertrag mit ausgewählten Anbietern außerschulischer Weiterbildung machen, sodass die Schulen darauf zurückgreifen können. Wir fordern: Politik muss jetzt den Turbo anwerfen. Wenn ein entsprechendes Budget zur Verfügung steht, sollten sich die Kultusminister verpflichten, die digitalen Angebote zu nutzen und auch die Schulen dazu auffordern. Das Geld könnte kurzfristig aus dem Digitalpakt kommen. Denn diese Gelder werden ohnehin nur schleppend abgerufen bzw. haben viele Bundesländer durch unbesetzte Lehrer-Stellen viele Millionen angespart. Diese Töpfe könnte man jetzt verwenden, um aus der Corona-Krise keine Bildungskrise werden zu lassen. 

Wir brauchen eine Öffnung des Digitalpakts

Fest steht: Die Corona-Pandemie verlangt allen auch im Bildungsbereich viel ab. Und auf Dauer können und dürfen wir nicht auf das Improvisationstalent und die Opferbereitschaft der Beteiligten setzen. Viele weitere Wochen oder Monate sind so kaum zu überbrücken. Alle Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler brauchen Zugang zu digitalen Lehr- und Lernmitteln. Als einfache und schnelle Lösung schlagen wir eine Öffnung des Digitalpaktes vor: 5,5 Milliarden Euro stehen dafür bereit. Bislang kann dieses Geld fast ausschließlich in die technische Infrastruktur der Schulen investiert werden, nicht aber in digitale Lernmittel, die in diesen Tagen ganz dringend gebraucht werden.

Der Digitalpakt könnte jetzt viel wirksamer helfen, wenn Bund und Länder ihn ändern würden. Die grundgesetzliche Grundlage dafür ist da: Wir haben bei der letzten Grundgesetzänderung gemeinsam mit den Grünen durchgesetzt, dass der Bund an den Schulen nicht nur in Gebäude, sondern auch in digitale Lernmittel, Fortbildungen von Lehrkräften und Wartung von Servern investieren darf. Diese Möglichkeiten sind im Digitalpakt aber noch nicht berücksichtigt. Bund und Länder sollten diese Option nutzen und den Digitalpakt öffnen. Die Bildungschancen unsere Kinder müssen uns das wert sein!

Investieren Sie in die Zukunft.

  • Europa: Eine Ratspräsidentschaft der richtigen Impulse

    • Am 1. Juli 2020 beginnt Deutschlands sechsmonatige Präsidentschaft im Rat der Europäischen Union. Mit dieser Ratspräsidentschaft kommt große Verantwortung auf uns zu.
    • Die Zukunft des Projekts der Europäischen Union wird maßgeblich davon abhängen, wie Europa durch die Corona-Krise kommt. Deutschland hat die Chance, diese Weichenstellungen entscheidend zu prägen.
    • Wir brauchen eine ambitionierte deutsche Ratspräsidentschaft, die beides ist: Krisen- und Zukunftspräsidentschaft.
  • Konjunkturpaket: Mehr Mut und mehr Zukunftsimpulse

    • Die Große Koalition nimmt 130 Milliarden Euro in die Hand, um die Wirtschaft nach der Coronakrise wieder anzukurbeln.
    • Der jetzige Zeitpunkt und die Dimension des Paketes der Großen Koalition erscheinen angesichts der Herausforderungen angemessen.
    • Wir meinen aber: Für einen echten Neustart für Deutschland brauchen wir einen Dreiklang aus Entlasten, Investieren und Entfesseln.

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