Wahlprüfsteine von "Deutsche Vereinigung für Gestalttherapie e.V. (DVG)"

Fragen:

Therapievielfalt in der Psychotherapie Unterstützen Sie die Forderung nach Aufrechterhaltung und Förderung von Vielfalt in der Psychotherapie?

Ja. Die Versorgung durch Psychotherapeuten ist ein elementarer Bestandteil des deutschen Gesundheitswesens.

Sind Sie für die wissenschaftliche Anerkennung von weiteren Psychotherapieverfahren ne-ben den bisher etablierten Verfahren? Was werden Sie tun, um die Zulassung weiterer Verfahren für die psychotherapeutische Behandlung zu fördern?

Wie jeder Berufszweig und jede Wissenschaft entwickelt sich auch die Psychotherapie fort. Sofern die Fachwelt neue Verfahren entwickelt und anerkennt sollten diese auch, ggf. nach einer weiteren wissenschaftlichen Überprüfung, zugelassen werden. Hinsichtlich des Zulassungsverfahrens könnten wir uns vorstellen, Maßnahmen zu einer Beschleunigung - abgesehen von einer Bürokratieentlastung - zu prüfen.

Wie sehen Sie die Zukunft des wissenschaftlichen Beirates für Psychotherapie?

Wir begrüßen die Arbeit des Beirates und sind der Auffassung, dass er auch nach dem Auslaufen der 4. Amtsperiode 2018 tätig sein sollte.

Überarbeitung des Psychotherapeutengesetzes Das Bundesministerium für Gesundheit hat im Oktober 2016 Eckpunkte zur Novellierung der Ausbildung zum psychologischen Psychotherapeuten vorgelegt. Bisher ist dieser Entwurf noch nicht in eine Kabinettsvorlage umgewandelt und an den Bundestag überwiesen worden. Wir plädieren dafür, den Eckpunkteentwurf so zu überarbeiten, dass das Reformvorhaben für den fachlich gebotenen Neuanfang in der akademischen Ausbildung für Psychotherapeuten genutzt werden kann bei gleichzeitiger Einhaltung etablierter Qualitätsstandards. Ein geplanter Studiengang sollte theoretische Einblicke in verschiedene psychotherapeuti-sche Ansätze vermitteln und in die vier Grundorientierungen der Psychotherapie (verhaltenstherapeutisch, psychodynamisch, humanistisch und systemisch) einführen. Auch Selbsterfahrungsanteile sind für eine qualitativ hochwertige Ausbildung unabdingbar. Gleichzeitig muss geklärt werden, wie dieser Teil einer Ausbildung jenseits von Bewertungsprozessen organisiert werden kann, um einen größtmöglichen Freiraum und eine Offenheit für diese personennahen Lernprozesse zu ermöglichen. In welchen Punkten stimmen Sie mit dem vorliegenden Eckpunkten des Gesundheitsministeriums zur Novellierung der Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten überein und wo haben Sie Kritik?

Die grundsätzlichen Eckpunkte, also
• das bisherige hohe Ausbildungsniveau sicherzustellen und weiter zu entwickeln,
• Theorie und Praxis mit evidenzbasierter Forschung zu verbinden,
• Fakten- und Handlungswissen aus dem Psychologiestudium, aus pädagogischen und medizinischen Studiengängen sowie aus den bisherigen verfahrensorientierten Psychotherapeutenausbildungen zu integrieren,
• Behandlungskompetenzen, die zur eigenverantwortlichen Ausübung psychotherapeutischer Heilkunde befähigen, zu vermitteln und so den Patientenschutz zu sichern,
• verfahrensübergreifende Aspekte und Prinzipien wissenschaftlich anerkannter psychotherapeutischer Verfahren und Methoden einzubeziehen und dabei
• die Besonderheiten altersgruppenspezifischer Behandlungen zu berücksichtigen.
begrüßen wir. Ob diese im Detail auch durchgängig sinnvoll und zielführend umgesetzt werden, lässt sich aus unserer Sicht derzeit leider nicht beurteilen - hierfür bedarf es eines konkreten Gesetzentwurfes.

Welche Vorteile und welche Nachteile sehen Sie in einer universitären Direktausbildung?

Wir sind nicht der Auffassung, dass nur Therapeuten mit akademischen Abschluss gute Therapeuten sein können. Aus diesem Grund lehnen wir eine verpflichtende Akademisierung ab. Dennoch ist es, schon aus Gründen der Karriereplanung, sinnvoll, wenn auch Therapeuten akademische Abschlüsse ermöglicht werden.

Wie bewerten Sie die Notwendigkeit einer Altersgrenze nach unten bzw. die Forderung nach beruflicher und menschlicher Erfahrung als Grundlage für eine therapeutische Tätigkeit?

Auch wenn es unbestritten ist, dass Lebenserfahrung die Arbeit von Therapeuten verbessern kann, teilen wir die Forderung nach einer Altersuntergrenze nicht. Die Erfahrung eines Menschen resultiert nicht nur aus dem Lebensalter oder der im konkreten Beruf verbrachten Zeit. Sie setzt sich vielmehr in einem nicht zu unterschätzenden Maße aus den Erfahrungen und Erlebnissen zusammen die ein Mensch - in welchem Zeitrahmen auch immer - hatte. Darüber hinaus sind wir der Auffassung, dass es Qualitätsunterschiede sowohl bei den jungen wie auch bei den älteren Therapeuten gibt. Dies trifft auf jeden Beruf zu. Alter an sich ist für uns kein Anzeichen von Qualität.

Wie soll ein notwendiger Selbsterfahrungsanteil organisiert werden?

Wir teilen die Auffassung, dass hier ein großer Freiraum und eine Offenheit für personennahen Lernprozesse ermöglicht werden sollte.

Reform des Heilpraktikergesetzes Während die Ausbildung zum Gestalt-, Verhaltens- oder systemischen Therapeuten mehrere Jahre in Anspruch nimmt und Theorie, Praxis und Selbsterfahrungsanteile beinhaltet, müssen Personen, die die Erlaubnis der Ausübung für Psychotherapie nach dem Heilpraktikergesetz erwerben wollen, nur eine Überprüfung beim Gesundheitsamt ablegen, in der sie beweisen, dass sie keinen „Schaden für die Volksgesundheit“ darstellen. Diese Ausbildungslücke sollte geschlossen werden. Wir plädieren für Mindeststandards in der Ausbildung zum Heilpraktiker für Psychotherapie. Neben psychotherapeutischem Wissen sollte auch verfahrens-/methodenbasierte Kompetenz, Selbsterfahrung und Supervision gelehrt und überprüft werden. Unterstützen Sie die Forderung nach gesetzlich geregelten Mindeststandards in der Ausbildung zum Heilpraktiker für Psychotherapie?

Ja. Freilich müssen für die vielen guten schon jetzt tätigen Psychotherapeuten entsprechende Regelungen geschaffen werden, damit die neuen Anforderungen diese nicht über die Maßen belasten oder gar aus dem Beruf drängen.

Haben Sie vor, in der nächsten Legislaturperiode in diesem Bereich mit einem Gesetzesantrag tätig zu werden?

Wir können uns durchaus vorstellen, eigene parlamentarische Initiative in diesem Bereich zu starten.

Psychische Gesundheit von Flüchtlingen Momentan kann das Angebot an qualifizierten TherapeutInnen die Nachfrage nach Therapieleistungen nicht decken, was zu monatelangen Wartezeiten oder zur Nicht-Behandlung führt. Negative Folgen sind langwierige Leiden der Betroffenen und hohe Kosten für das gesamte Gesundheitssystem. Unterstützen Sie die Auffassung nach einem schnellen und erhöhten Therapieangebot für Flüchtlinge mit posttraumatischen psychischen Störungen? Was unternehmen Sie, um diesem Missstand entgegen zu wirken?

Wir Freie Demokraten halten grundsätzlich am Asylbewerberleistungsgesetz fest. Unser Asylsystem soll nicht von noch mehr Nicht-Verfolgten zur Einreise genutzt werden, um eine bessere Krankenversorgung zu erhalten als im Herkunftsland. Bei Kindern und Jugendlichen ist dies jedoch mit dem zu schützenden Kindeswohl in Einklang zu bringen. Das Therapieangebot ist für alle Alterstufen in humanitärer Hinsicht, aber auch bezüglich langfristiger Krankheitskosten, nicht ausreichend. Deswegen wollen wir die frühzeitige psychologische und psychotherapeutische Unterstützung von Flüchtlingen verbessern.

Unterstützen Sie die Forderung nach einer stärkeren Unterstützung von freiwilligen Helferinnen und Helfern, die Flüchtlinge beraten? Was genau werden Sie in der nächsten Wahlperiode tun, um das umzusetzen?

Ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer wäre die Flüchtlingskrise der Jahre 2015 und 2016 nicht zu bewältigen gewesen. Auch heute leisten sie unverzichtbare Arbeit für die Integration von Flüchtlingen, gerade auch als Vorbild und erste Orientierungshilfe für das Leben in Deutschland. Ihnen gelten unser Dank und unsere besondere Anerkennung. Wir wollen die ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit deutlich besser unterstützen und wertschätzen als in der Vergangenheit. Wir setzen uns dafür ein, vor Ort in den Kommunen verstärkt hauptamtliches Personal für die Koordination, Fortbildung und Supervision von ehrenamtlichen Helfern einzusetzen.

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