Wahlprüfsteine von "Deutsche Gesellschaft für Beratung e.V. (DGfB)"

Fragen:

Bundesteilhabegesetz: 1) In welchen Schritten und welcher Vernetzung bereits bestehender Institutionen soll das Gesetz im gesellschaftlichen Alltag umgesetzt werden? 2) Welche Form der professionellen Beratung könnte diesen Prozess unterstützen? 3) Wie unterstützen Sie die Vermittlung von Beratungskompetenzen für die BeraterInnen in den Beratungsstellen? 4) Was werden Sie unternehmen, um im Bereich der Qualitätssicherung in der Beratung und Weiterbildung die Entwicklung und Sicherstellung von Qualitätsstandards zu gewährleisten?

1. Für uns gilt es hier, bei allen Schritten nicht das Ziel aus den Augen zu verlieren: Wahlfreiheit für die individuelle Gestaltung des eigenen Lebens verbunden mit größtmöglicher Selbstorganisation. Wir fordern ein Wunsch- und Wahlrecht auf Leistungen zur Teilhabe, zum Beispiel freie Wahl von Wohnort und Wohnform kostenneutral innerhalb eines vorgegebenen Budgets. Die ambulante Leistungserbringung soll Vorrang gegenüber allen Formen stationärer Betreuung haben. Wir treten für eine echte Teilhabe- und Wahlmöglichkeit im Arbeitsleben ein, statt einer ausschließlichen Reduzierung auf die Werkstatt und wollen den Übergang in den ersten Arbeitsmarkt verbessern. Damit jeder selbst über seine Angebote bestimmen kann, wollen wir das Persönliche Budget einfach und unbürokratisch nutzbar machen. Bei Sozialleistungen sollen Einkommen und Vermögen in Zukunft nur noch teilweise herangezogen werden. Leistungen, die die Nachteile einer Behinderung ausgleichen (Nachteilsausgleich), sollen einkommensunabhängig gewährt werden. Leistungen zum Lebensunterhalt hingegen werden, wie bei jedem anderen Leistungsempfänger auch, nach Bedürftigkeit gezahlt. Menschen mit Behinderung haben unabhängig von der Wohnform Anspruch auf alle Leistungen aus der Sozialversicherung. Dies muss auch für die Pflegeversicherung gelten. Das bedeutet für uns, dass sich grundsätzlich all diese Bereiche angemessen vernetzen sollten um, wenn es gilt einen individuellen Fall zu lösen, dies mit den richtigen Ansprechpartnern möglichst zeitnah zu schaffen.


2. Da eine große Vielzahl von Stellen betroffen ist, könnte aus unserer Sicht eine professionelle Beratung sowohl bei der Suche nach Ansprechpartnern, als auch bei der jeweiligen Problemlösung hilfreich sein.


3. Neben der Schaffung bzw. dem Ausbau von Fortbildungsangeboten ist zu prüfen, ob eine direkte Förderung möglich ist.


4. Hier gilt es - gemeinsam mit den Beraterinnen und Beratern bzw. deren Verbänden - , Standards (weiter) zu entwickeln und diese dann in angemessener Form umzusetzen.

Mediationsgesetz 5) Wie stehen Sie zu einem mit Beratungsgutscheinen oder der Prozesskostenhilfe vergleichbaren System zur finanziellen Förderung der Mediation?

Aus unserer Sicht ist die Mediation ein wirksames Instrument um nicht nur die Gerichte zu entlasten, sondern auch den sozialen Frieden zu fördern. Wie stehen daher Beratungsgutscheinen oder der Prozesskostenhilfe vergleichbaren System zur finanziellen Förderung der Mediation aufgeschlossen gegenüber und werden uns, sofern nicht die wissenschaftliche Evaluation zu einem anderen Ergebnis kommen sollte, für deren Einführung einsetzen.

Mediationsgesetz 6) Wie stehen Sie zur Einrichtung einer unabhängigen Institution, welche die Einhaltung der Ausbildungsvoraussetzungen für "zertifizierte Mediatoren" überprüft, evaluiert und damit die notwendige Qualität der Mediation sicherstellt?

Auch wir sind der Auffassung, dass die Qualität der Mediation sicherzustellen ist. Die Einrichtung einer solchen Stelle sollte daher geprüft werden, da sie dieses Ziel erreichen kann

Beratung von Flüchtlingen 7) Unterstützen Sie die Forderung nach einer stärkeren auch fachlichen Unterstützung von freiwilligen Helferinnen und Helfern, die mit Flüchtlingen arbeiten? 8) Was werden Sie zur weiteren fachlichen Qualifizierung, zur Stabilisierung und zum psychologischen Schutz der freiwilligen Helfer_innen unternehmen? 9) Was genau werden Sie in der nächsten Wahlperiode tun, um das umzusetzen?

Die Fragen 7 bis 9 werden im Zusammenhang beantwortet.

Ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer wäre die Flüchtlingskrise der Jahre 2015 und 2016 nicht zu bewältigen gewesen. Auch heute leisten sie unverzichtbare Arbeit für die Integration von Flüchtlingen, gerade auch als Vorbild und erste Orientierungshilfe für das Leben in Deutschland. Ihnen gelten unser Dank und unsere besondere Anerkennung. Wir wollen die ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit deutlich besser unterstützen und wertschätzen als in der Vergangenheit. Wir setzen uns dafür ein, vor Ort in den Kommunen verstärkt hauptamtliches Personal für die Koordination, Fortbildung und Supervision von ehrenamtlichen Helfern einzusetzen. Da die Arbeit mit Flüchtlingen auch Helfer an die Grenzen ihrer psychischen Belastbarkeit bringen kann, sind auch Angebote der Krisenintervention notwendig. Zudem wollen wir bestehende Ehrenamtsprogramme nach Möglichkeit zu einem finanzstarken Fördertopf zusammenfassen und Antragstellung und Abrechnung vereinfachen und entbürokratisieren.

Dazu kommt eine von uns geforderte allgemeine Aufwertung des Ehrenamts. Denn für uns Freie Demokraten lebt die liberale Demokratie von engagierten Bürgerinnen und Bürger, die mitbestimmen können. Unsere Republik braucht engagierte und mutige Bürgerinnen und Bürger, die jenseits der Teilnahme an Wahlen Verantwortung übernehmen. Wir stärken die liberale Demokratie als Lebensform, indem wir ehrenamtliches und bürgerschaftliches Engagement unterstützen.

Gesundheitskompetenz und Patientenberatung: 10) Welche Veränderungen stellen Sie sich vor, um diese Situation zu verbessern? 11) Wie stehen Sie zur Ergebnis offenen und unabhängigen Patientenberatung? 12) Mit welchen Konzepten sollte Ihrer Meinung nach die Misere behoben werden?

Die Fragen 10 bis 12 werden im Zusammenhang beantwortet.

Leitbild unserer Gesundheitspolitik sind mündige Patientinnen und Patienten. Deshalb wollen wir die Gesundheitskompetenz von Versicherten und Patienten durch besser verständliche Informationen und Aufklärungsmaßnahmen stärken. Zudem treten wir für mehr Forschung auf dem Gebiet der digitalen Gesundheitsdienstleistungen ein: Patienten können dadurch leichter an Informationen gelangen und Ärzte sich auf ihre wichtigste Aufgabe – das Erkennen und Heilen von Krankheiten – konzentrieren. Überdies wollen wir sicherstellen, dass jede Bürgerin und jeder Bürger Zugang zu Präventions- und Impfprogrammen hat. Wir setzen uns dafür ein, dass die Versorgung der Menschen mit Impfstoffen und anderen wichtigen Arzneimitteln sichergestellt wird.

Jede Patientenberatung sollte unabhängig und damit frei von Interessen sein. Wir sehen es daher als problematisch an, dass die Krankenkassen darüber mitentscheiden, wer als Berater für die Unabhängige Patientenberatung (UPD) tätig ist. Das Vergabeverfahren muss deshalb künftig transparenter ablaufen und es muss ausgeschlossen sein, dass es auch nur den geringsten Interessenkonflikt zu Lasten der Patienten gibt. Nicht zuletzt darf aus unserer Sicht die Wahl des Leistungserbringers durch den Patienten nicht eingeschränkt werden. 

Beratung von Patienten im Gesundheitswesen: 13) Welche Veränderungen stellen Sie sich vor, um diese Situation zu verbessern? 14) Wie kann die Beratungs- und Kommunikationskompetenz der Dienstleister im Gesundheitswesen verbessert werden?

Die Fragen 13 bis 14 werden im Zusammenhang beantwortet.

Vor allem in vermehrter Forschung auf dem Gebiet der digitalen Gesundheitsdienstleistungen sehen wir eine echte Chance, von der auch auch die Dienstleister im Gesundheitswesen profitieren. Damit bleibt für die Ärzte mehr Zeit für die Fokussierung auf den Patienten selbst. Gerade auch mit Blick auf dementielle Erkrankungen fordern wir eine verstärkt interdisziplinäre Versorgung sowie ein enges Zusammenspiel aller in Heilberufen Tätigen. 

Psychosoziale Prozessbegleitung in Strafverfahren 15) Wie wollen Sie die Beratungs- und Kommunikationskompetenz der Psychosozialen Prozessbegleiter_innen sicherstellen? 16) Nach welchen Auswahlkriterien werden bislang die Prozessbegleiter berufen und eingesetzt?

Die Fragen 15 bis 16 werden im Zusammenhang beantwortet.

Die Anerkennung als psychosoziale Prozessbegleiterin bzw. psychosozialer Prozessbegleiter bestimmt sich nach Landesrecht und erfolgt durch die jeweiligen Justizverwaltungen der Länder. Grundsätzlich ist für die Anerkennung der Abschluss einer von einem Bundesland anerkannten spezialisierten Aus- oder Weiterbildung in psychosozialer Prozessbegleitung erforderlich. Auch hier richten sich die jeweils erforderlichen Inhalte nach Landesrecht, wobei in allen Ländern die angesprochene Beratungs- und Kommunikationskompetenz zentraler Bestandteil der Aus- oder Weiterbildung ist.

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