Wahlprüfsteine von "nfb (Nationales Forum Beratung in Bildung, Beruf und Beschäftigung)"

Fragen:

1. Bereits 2004 und 2008 hat die Europäische Union in Ratsentschließungen die Lebensbegleitende Beratung als zentrales Element der nationalen und europäischen Strategien zur Förderung des lebenslangen Lernens erklärt. Beratung wird dabei als Angebot verstanden, das Individuen in allen Bildungs-, Berufs- und Beschäftigungsphasen ihres Lebens darin unterstützt, ihre Interessen, Fähigkeiten und Kompetenzen zu erkennen, Handlungsproblematiken zu bearbeiten und Entscheidungen zu treffen, um eigenverantwortlich ihre Bildungs- und Berufsbiografien zu gestalten. In Deutschland sind in den vergangenen Jahren einige Anstrengungen unternommen worden, um Bürgern und Bürgerinnen den Zugang zu kompetenter Beratung zu erleichtern. Bis zu einem flächendeckenden Angebot, das für Ratsuchende der unterschiedlichsten Zielgruppen transparent unabhängige Beratung als Dienstleistung anbietet, ist es allerdings noch ein langer Weg. Dies ist aber, insbesondere vor dem Hintergrund der rasanten Entwicklungen in der Arbeitswelt (Digitalisierung, Arbeit 4.0) dringend geboten. Hierzu bedarf es u.a. auch einer politischen Koordinierung unter den beteiligten Ressorts auf Bundes- und Landesebene. Welche Vorstellungen von einem Ausbau einer berufs- und lebensbegleitenden Bildungsberatung im Sinne des Europäischen Ratsbeschlusses haben Sie?

Bildung ist eines der Kernthemen von uns Freien Demokraten. In diesem Bereich engagieren wir uns nicht nur für eine Stärkung des ersten Bildungswegs, sondern auch für eine Stärkung des zweiten Bildungswegs sowie des lebenslangen Lernens. Wir werden uns daher dafür einsetzen, dass die lebensbegleitende Beratung in Deutschland besser umgesetzt wird. Letztlich darf kein Lebenslauf in eine Sackgasse führen, zu jedem Zeitpunkt des Erwerbslebens muss eine Weiterbildung ermöglicht werden. Verschiedene Zuständigkeiten auf Ebene von Bund, Ländern und Kommunen dürfen den Ausbau der Bildungsberatung nicht verhindern.

Welche Schritte wollen Sie unternehmen, um das Ziel eines flächendeckenden unabhängigen Beratungsangebots zu erreichen? Welche Bedeutung kommt dabei den Online-Beratungsangeboten im Vergleich zur traditionellen „face-to-face“ Beratung zu? Wie wollen Sie eine effiziente Zusammenarbeit und Koordinierung zwischen den Beratungsanbietern bei der Bereitstellung von Beratungsdiensten gewährleisten, um einen breiteren Zugang zu ermöglichen und die Kohärenz des Angebots sicherzustellen?

Die Fragen werden im Zusammenhang beantwortet:

Jeder Mensch spricht auf andere Methoden an und zieht erst aus der Vielfalt von Angeboten das beste Ergebnis für sich. Die Kombination verschiedener Beratungsformen vermittelt und nutzt den Umgang mit verschiedenen Methoden und Lernkanälen. Wir wollen daher qualitativ hochwertige Online-Beratung und klassische Beratung ermöglichen. Auch hier lässt sich wiedererkennen, wie sich die Chancen der Digitalisierung nutzbar machen lassen. Wir Freie Demokraten sind zum Beispiel der Ansicht, dass sich durch eine überregionale Vernetzung von (Online-)Beratungen lokale oder regionale Nachfragespitzen schnell und kompetent auffangen lassen. Insbesondere in der Fläche können Online-Beratungsangebote für viele eine attraktive Alternative zur Fahrt zur Beratungsstelle darstellen. Wir wollen, dass die Digitalisierung auch im Bereich der Beratung ankommt und zu einem festen Bestandteil wird.

Die Nutzbarmachung im Rahmen der Digitalisierung führt über die entstehende Transparenz automatisch zu einem positiven Qualitäts- und Wettbewerbsdruck, der sich wiederum auf die Kohärenz der Angebote auswirken wird.

Welchen Stellenwert messen Sie einer lebensbegleitenden Bildungs- und Berufsberatung für das Lernen im Lebenslauf bei?

Wir Freie Demokraten sprechen uns für die eigene Lebenslaufhoheit aus. Lebenslanges Lernen spielt hierbei eine tragende Rolle. Wir setzen auf das Versprechen, dass alle Bürgerinnen und Bürger durch Weiterbildung beim digitalen Wandel auch mithalten können – auch über die Zeit der aktiven Berufstätigkeit hinaus. Die Digitalisierung verändert unser Leben – und prägt die Arbeitswelt von morgen. Wie bei den großen Umbrüchen in der Vergangenheit wird uns auch diesmal die Arbeit nicht ausgehen. Zahlreiche Jobs werden sich stark verändern, manchen Beruf wird es in Zukunft vielleicht gar nicht mehr geben – genauso werden aber viele neue Jobs entstehen, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können. Die Welle der digitalen Gründungen zeigt uns schon heute, welche großen Jobpotenziale bestehen. Aber im Wandel müssen die Menschen durch gute Rahmenbedingungen und Qualifizierung begleitet werden, denn der Weiterbildungsbedarf ist und wird gewaltig sein. Wir brauchen das Versprechen an alle Bürgerinnen und Bürger, beim digitalen Wandel auch mithalten zu können. Deshalb muss lebenslanges Lernen noch stärker vom Schlagwort in gelebte Realität münden. So können Aufstiegschancen verbessert und das Risiko von Arbeitslosigkeit vermieden werden.

Eine unter vielen Maßnahmen, die lebenslanges Lernen begleiten soll, ist das sogenannte "Bildungssparen". Damit jeder seinen Talenten folgen und seine Träume verwirklichen kann, wollen wir jedem Bürger ein Leben lang die Chance zum Aufstieg geben. Bildung ist der Schlüssel zum Aufstieg, aber die gibt es kaum zum Nulltarif. Daher setzen wir uns für ein Bildungssparen ein. Das heißt: Für jeden Euro, der für Bildung zur Seite gelegt wird, gibt es einen staatlichen Zuschuss. So können Eltern den Bildungsweg ihrer Kinder von klein auf absichern.

Wie kann die Bildungsberatung weiter entwickelt werden zu einem systematischen Beratungsprozess, der sich an dem ständigen Wandel der persönlichen und beruflichen Rahmenbedingungen orientiert?

Der beste Beginn zur Weiterentwicklung des Beratungsprozesses ist die Aufwertung der Weiterbildung und des Lebenslangen Lernens als solche. Wir Freie Demokraten werden Forschung und Engagement mit dem Ziel der Weiterentwicklung von Beratungsangeboten gerne unterstützen, um Bildungsberatung letztlich dynamischer und adressatengerechter zu gestalten.

Welche Verbesserungen der Bildungsberatung für zugewanderte Menschen planen sie, um dem Ziel einer möglichst raschen und nachhaltigen Integration und Eingliederung in den Arbeitsmarkt näher zu kommen?

Wir Freie Demokraten wollen Talente von Zuwanderern fördern, ihre Potenziale für den Arbeitsmarkt nutzbar machen und starke Personen für eine aktive Mitarbeit in Gesellschaft und Ehrenamt gewinnen. Das bisherige System der Integrationskurse als staatliches Mindestangebot für bereits Zugewanderte genügt den Anforderungen unserer modernen Zuwanderungsgesellschaft nicht.

Wir Freie Demokraten fordern die Einrichtung von Beratungsstellen zum Bildungssystem in allen größeren Betreuungseinrichtungen für Flüchtlinge. Denn am einfachsten können Flüchtlinge an unserer Gesellschaft teilhaben, wenn sie Arbeit finden. Die besten Chancen dazu hat man mit einer guten Ausbildung. Ein Teil der Menschen, die zu uns kommen, haben schon eine Ausbildung oder sind ausbildungsfähig und -willig. Dieses Potenzial wollen wir nutzen; dazu müssen diese Qualifikationen frühzeitig, möglichst schon bei der Erstaufnahme, erfasst werden, damit die Beratung passgenau ansetzen kann. Beratungsstellen können dabei eine große Hilfe sein.

2. Bereits 2007 hat der Arbeitskreis Bildungsberatung des Innovationskreis Weiterbildung (IKWB) des BMBF Empfehlungen zur Qualitätsverbesserung der Bildungsberatung gegeben: „Zur Sicherung der Qualität der Bildungsberatung sind vorhandene Qualitätsmanagement-systeme kontinuierlich zu verbessern und auch im Bereich der Bildungsberatung zu verankern und gegebenenfalls entsprechend anzupassen.“ In den Folgejahren wurden in einem vom BMBF geförderten Verbundvorhaben des nfb und der Universität Heidelberg Qualitätsstandards entwickelt. Eine flächendeckende verbindliche Implementierung dieser Standards steht allerdings noch aus. Welche Vorstellungen haben Sie, um die Professionalisierung der BBB-Beratung voranzutreiben und die entwickelten Qualitätsstandards zu implementieren?

Den großen Beratungsbedarf, der bei der Umsetzung des Projekts des Lebenslangen Lernens in gelebte Realität anfällt, nehmen auch wir Freie Demokraten zum Anlass über die Professionalisierung und Qualitätssteigerung von Beratung nachzudenken. In diesem Zusammenhang sind wir für eine Prüfung von bestehenden Studien und Ideen offen, um Verbesserungsprozesse im Qualitätsmanagement anzustoßen und entsprechende Strategien zu entwickeln.

3. Viele Berater und Beraterinnen im Feld der Bildungs- und Berufsberatung arbeiten in prekären Beschäftigungsverhältnissen, insbesondere dort, wo Beratung projektförmig im Rahmen von Sonderprogrammen des Bundes oder der Länder durchgeführt wird. Selbst dort, wo gesetzliche Vorgaben zu Beratung existieren (z.B. Studienberatung) sind befristete Beschäftigungsverhältnisse keineswegs die Ausnahme. Was wollen Sie unternehmen, um Beratungsdienste als nachhaltiges Angebot mit sicheren Arbeitsplätzen zu implementieren?

Bildung hat in Deutschland derzeit keinen sehr hohen Stellenwert, obwohl die Notwendigkeiten der Bildung einschließlich der Weiterbildung größer sind als jemals zuvor. Weltbeste Bildung für jeden ist das „Mondfahrtprojekt“ von uns Freien Demokraten. So wie John F. Kennedy sein Land mit einer gewaltigen Kraftanstrengung auf den Mond führte, wollen wir Deutschland an die Spitze der Bildungsnationen dieser Welt zurückführen. Bildungsberater nehmen in diesem Prozess eine zentrale Stellung ein, da sie die Verbindungen zwischen dem Einzelnen und der großen Bandbreite von Bildungsangeboten herstellen. Entsprechend wollen wir darauf hinwirken, dass sich die Situation der Bildungsberaterinnen und -berater deutlich verbessert. Dafür braucht es mehr Ressourcen im Bildungssystem. Wir Freie Demokraten wollen insgesamt die Ausgaben für Bildung so erhöhen, dass – gemessen am Staatshaushalt – Deutschland zu den führenden fünf Ländern der 35 Staaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zählt. Die umfassende Modernisierung des Bildungssystems würde Länder und Kommunen allein überfordern. Die Finanzierung muss daher eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe werden. Durch die bessere finanzielle Ausstattung des gesamten Bildungssektors werden sich in diesem Zusammenhang auch mehr finanzielle Spielräume ergeben, mit denen Beratung auch entsprechend personell ausgestattet werden kann.

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