Wahlprüfsteine von "Deutscher Behinderten Sportverband e.V. (DBS)"

Fragen:

1.) Welchen Stellenwert hat der Behindertensport für Ihre Partei im Kontext der Sportpolitik und welche Schwerpunkte wird Ihre Partei in der kommenden Legislaturperiode in diesem Bereich setzen?

Der Behindertensport ist für uns Freie Demokraten wichtiger Teil einer modernen Sportpolitik. Daher hat der Behindertensport auch mehr Aufmerksamkeit verdient - und zwar nicht nur in der öffentlich-rechtlichen Berichterstattung über den Behindertenleistungssport. Wir setzen uns dafür ein, die Vereinbarkeit von Leistungssportlaufbahn und schulischer bzw. beruflicher Karriere auch für Sportler mit Behinderungen zu verbessern. Die sogenannte Duale Karriere soll kein Primat der Nichtbehindertensportler sein. Wir wollen das Ehrenamt stärken, insbesondere Übungsleiter und Betreuer besser auf die Herausforderungen der Inklusion vorbereiten und den Breitensport dadurch stärker für Menschen mit Behinderungen öffnen. Zudem wollen wir die Barrierefreiheit an Sportstätten fördern. Während in Deutschland jeder dritte Einwohner in einem Sportverein organisiert ist, sind es bei den Menschen mit Behinderungen nur knapp ein Prozent. Diese sportliche und soziale Teilhabe wollen wir mehr Menschen mit Behinderungen zuteilwerden lassen.

2.) Welche Bedeutung hat das Thema Teilhabe von Menschen mit Behinderung für Ihre Partei allgemein und insbesondere auch für den Sportbereich?

Gesellschaftliche Teilhabe hat gerade für Menschen mit Behinderungen eine besondere Relevanz, für die im Alltag leider noch immer zu viele Hürden existieren. Der Sport bietet hingegen alle Chancen zur gelingenden Inklusion. Hier benötigen Trainer und Übungsleiter vielfach mehr Unterstützung und Qualifizierung, um behinderte Sportler optimal zu integrieren und zu fördern. Zudem gibt es bei vielen Sportlern ohne Behinderungen nach wie vor Berührungsängste vor dem gemeinsamen Sporttreiben mit Behinderten. Mit gezielten Informationen und Projekten setzen sich die Freien Demokraten für ein neues Klima der Offenheit gegenüber Menschen mit Behinderungen im Sport ein. Leider scheitert Inklusion heute vielfach bereits an baulichen Mängeln: Viele Sportstätten sind in die Jahre gekommen und stammen aus einer Zeit in der Barrierefreiheit nur wenig Beachtung geschenkt wurde. Bei Um- und Neubarten von Sporthallen und Bädern muss stärker als bisher auf barrierefreie Zugänge geachtet werden.

3.) Welche konkreten Maßnahmen wird Ihre Partei zur Schaffung einer umfassenden und flächendeckenden Barrierefreiheit von Sportstätten ergreifen?

Wir Freie Demokraten fordern mehr Barrierefreiheit. Die Möglichkeit, an allen Facetten des Lebens teilzunehmen, ist Grundvoraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben. Notwendige Assistenzleistungen zum Erreichen von Sportstätten sollen Bestandteil von Leistungen zur Sozialen Teilhabe nach dem Bundesteilhabegesetz werden, die auch als Persönliches Budget selbst disponiert werden können. Barrierefreiheit ist bei öffentlich geförderten Sportstätten zügig auszubauen.

4.) Welche konkreten Maßnahmen wird Ihre Partei ergreifen, damit mehr Menschen mit Behinderung Sport treiben können?

Wir wollen Zugangshürden abbauen, die Barrierefreiheit vorantreiben, das Ehrenamt von Bürokratie entlasten und durch die Sportbünde und –verbände besser qualifizieren – ohne die Engagierten dabei zu überfordern. Die dafür notwendigen Mittel sollen insbesondere in den für den Breitensport zuständigen Ländern unter anderem aus einer echten Reform des Glücksspielstaatsvertrages generiert werden. Hierfür haben wir Freie Demokraten in den Ländern bereits Vorschläge gemacht, die beispielsweise in Schleswig-Holstein den Praxistest bestanden haben. Die genannten Maßnahmen sollen durch eine stärkere Professionalisierung der Vereine unterstützt werden. Dazu wird es speziell in größeren Klubs eine Koordinierung des Ehrenamtes durch eine schmale hauptamtliche Basis geben.

5.) Welche gesetzlichen Regelungen bedürfen nach Auffassung Ihrer Partei einer Änderung, um die Rahmenbedingungen und notwendigen Unterstützungsleistungen für die sportliche Betätigung von Menschen mit Behinderung zu verbessern?

Die UNO-Konvention über die Rechte der Menschen mit Behinderung spielt für uns Freie Demokraten eine wichtige Rolle. Zudem halten wir Sport für einen wichtigen Schlüssel, um Menschen mit und ohne körperlicher und geistiger Behinderung zueinander finden zu lassen. Aus diesem Grund fordern wir ein modernes Teilhaberecht, das sich durchgängig an der UN-Behindertenrechtskonvention orientiert und diese umsetzt. Wir wollen, dass Menschen mit psychischen Behinderungen nicht schlechter gestellt werden und Menschen auch mit nur einem Beeinträchtigungsmerkmal angemessene Unterstützung erhalten. Zudem fordern wir eine Abkehr vom Bedürftigkeitsprinzip.

6.) Welche konkreten Maßnahmen im Bereich der Prävention und Rehabilitation, insbesondere im Bereich der Bewegungsförderung für Menschen mit und mit drohender Behinderung sowie chronischer Erkrankung, wird Ihre Partei ergreifen?

Wir Freien Demokraten werden uns dafür einsetzen, dass das im Präventionsgesetz angelegte Instrumentarium genutzt wird, um im nationalen Rahmenprogramm der Nationalen Präventionskonferenz und in den Landesrahmenprogrammen die Grundlagen für die Einbeziehung der Menschen mit drohender oder realer Schwerbehinderung in konkrete Maßnahmen zu verankern. Wir haben in der Zeit unserer Verantwortung für das Gesundheitsressort ein Präventionsgesetz vorgelegt, das leider vom Bundesrat aus damaligen wahltaktischen Erwägungen blockiert wurde. So wurden einige Jahre der Entwicklung verschlafen. Wir unterstützen den grundsätzlichen Ansatz des 2015 in Kraft getretenen Präventionsgesetzes, die Prävention in den Lebenswelten der Menschen zu verankern. Das allerdings muss nun auch ausgeschärft werden und bedarfsgerecht umgesetzt.

7.) Durch welche konkreten Maßnahmen wird Ihre Partei das ehrenamtliche Engagement von Menschen mit Behinderung unterstützen?

Die Vielfalt in Sport und Gesellschaft lebt vom Ehrenamt. Durch eine stärkere Einbindung in die Vereine, zu deren DNA ehrenamtliches Engagement dazu gehört, wird auch die Ehrenamtskultur stärker vermittelt. Trainer und Übungsleiter können ihr Wissen und ihre Erfahrungen im Ehrenamt vor Ort an die aktiven Sportler mit und ohne Behinderungen weitergeben. Ehrenamtliche mit Behinderungen benötigen in den Vereinen organisatorische Unterstützung und Angebote für Seminare und Workshops, die auf ihre individuellen Einschränkungen und Möglichkeiten eingehen und zugeschnitten sind.

8.) Welche konkreten Maßnahmen plant Ihre Partei, damit mehr Kinder und Jugendliche mit Behinderung sportlich aktiv sein können?

Die Vereinbarkeit des Trends zur Ganztagsschule mit den Angeboten der Sportvereine muss künftig besser aufeinander abgestimmt werden. Durch Kooperationen und Netzwerke wird es künftig mehr Ressourcen geben, um noch individuellere Bewegungs- und Sportangebote für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen anbieten zu können. Die für die Bildungspolitik zuständigen Länder dürfen im Ganztagsmodell allerdings nicht auf Kosten der Vereine und der sie tragenden Ehrenamtlichen sparen. Barrierefreiheit und hinreichend qualifizierte Übungsleiter und Sportlehrer sind Voraussetzungen für die Schaffung zusätzlicher Bewegungsangebote für Schüler mit Behinderungen.

9.) Welche konkreten Maßnahmen wird Ihre Partei ergreifen, um den Spitzensport von Menschen mit Behinderung auch in Zukunft angemessen zu fördern?

Wir wollen die Duale Karriere für Menschen mit Behinderungen im Sport ausweiten, fordern einen stärkeren Fokus auf den paralympischen Sport im öffentlich-rechtlichen Rundfunk und eine stärkere Beachtung des Behindertensports bei der überkomplexen Leistungssportreform des Bundes.

10.) Bestehen in Ihrer Partei Überlegungen, die olympischen Sportverbände zur Förderung des Behindertensports zu verpflichten?

Nein, die Sportselbstverwaltung hat sich im Grundsatz bewährt. Allerdings können Auflagen bei der Vergabe von Steuermitteln gemacht werden.

11.) Inwiefern wird sich Ihre Partei dafür einsetzen, die Rolle der NADA weiter zu stärken?

Dafür setzen wir uns bereits seit Jahren ein, so etwa bis 2013 im Deutschen Bundestag mit der Schließung der Finanzierungslücken der NADA. Mittel- und langfristig setzen wir auf ein stärkeres Engagement der Privatwirtschaft sowie auf die Einhaltung der bei ihrer Gründung zugesagten Finanzierungszusagen der Bundesländer für die NADA. Dass einige Länder bis heute überhaupt keine Mittel an die NADA geben, ist nicht akzeptabel. Gleichzeitig wollen wir die Dopingprävention stärken und auch im Breitensport stärkere Aufklärungsarbeit leisten. Der Missbrauch von Schmerzmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln im Breitensport darf bei der Doping-Debatte nicht ignoriert werden.

12.) Inwiefern wird sich Ihre Partei dafür einsetzen, den internationalen Kampf gegen Doping zu unterstützen?

Nur wenn bei Doping-Vergehen international mit gleichem Engagement kontrolliert und sanktioniert wird, herrscht Chancengleichheit der Athleten. Daher muss die Position der WADA gestärkt werden, zu der auch Deutschland seinen Anteil wird leisten müssen. Wir sehen hier allerdings auch IOC und DOSB in der Pflicht zur angemessenen finanziellen Beteiligung, nicht zuletzt aufgrund ihrer Einnahmen durch den Sport. Ferner wollen wir international stärker mit unseren Partnern zusammen arbeiten und beim Aufbau funktionierender Anti-Doping-Systeme helfen - damit der Sport auch auf dem internationalen Parkett wieder sauberer wird.

13.) Inwiefern plant Ihre Partei, das seit Dezember 2015 geltende Anti-Doping-Gesetz auf seine Wirksamkeit hin zu überprüfen?

Wir benötigen eine regelmäßige Evaluation neuer Gesetze. Dies gilt auch und insbesondere für das Anti-Doping-Gesetz, welches wir Freie Demokraten nach wie vor kritisch sehen. Wir hatten und haben eher ein Vollzugs- als ein Gesetzesdefizit im Umgang mit Doping-Vergehen. Schon vor der Einführung des Anti-Doping-Gesetzes durch die Große Koalition bestanden im Arzneimittel- und Strafrecht sowie den Berufsständeordnungen hinreichend Möglichkeiten zum gezielten Vorgehen gegen Doping. Viel zu kurz kamen und kommen uns in der Debatte die zivilrechtlichen Sanktionen, die in den Athleten- und Sponsorenverträgen viel stärker genutzt werden sollten. Anstatt neuer Symbolgesetze fordern wir den Ausbau der Schwerpunktstaatsanwaltschaften gegen Doping, die Stärkung der Ombudsleute bzw. Dopingbeauftragten in den Vereinen und Verbänden und eine Ausweitung der Präventionsarbeit im Leistungs- und im Breitensport, in den Schulen, den Vereinen und nicht zuletzt im Fitnesssektor.

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