Nationales Forum Beratung in Bildung, Beruf und Beschäftigung (nfb)

Corona-Pandemie und die Folgen: Welche zentralen politischen Ziele verfolgen Sie mit welchen konkreten Maßnahmen, damit sich die BBB-Beratung zügig auf die veränderte gesellschaftliche und wirtschaftliche Situation einstellen kann und zukunftsfähig wird?

Die Digitalisierung ist für den Sektor Bildung, Beruf und Beschäftigung ein prägender Faktor. Sie verändert unsere Arbeits-, aber auch Lebenswelt immer schneller. Deshalb wird es in Zukunft immer wichtiger, sich stetig neues Wissen und neue Fertigkeiten anzueignen. Gleichzeitig hat jede und jeder so die Chance, das ganze Leben lang den eigenen Horizont zu erweitern. Hierzu bedarf es eines neuen Bewusstseins für lebensbegleitendes Lernen und Weiterbildung. Vor allem für Menschen mit niedrigem Einkommen scheitert der Zugang zu Weiterbildung jedoch oftmals an finanziellen Fragen. Das wollen wir ändern, indem wir sie vor allen Dingen auch finanziell unterstützen, wenn sie Weiterbildungen nutzen wollen. Die persönliche Bildungsberatung wollen wir fördern und mit digitalen Angeboten verknüpfen. Denn die Corona-Krise zeigt deutlich die Versäumnisse unseres Bildungssystems und wie wichtig digitale Lern- und Weiterbildungsangebote sind.

Halten Sie mit Blick auf die Herausforderungen durch die Corona-Pandemie politische und gesetzgeberische Anpassungen für erforderlich, um die Ziele des Qualifizierungschancengesetzes und der Nationalen Weiterbildungsstrategie weiterhin und nachhaltig umzusetzen? In welchen Bereichen?

Wir Freie Demokraten halten sowohl das Qualifizierungschancengesetz als auch die Nationale Weiterbildungsstrategie für unzureichend. Wir treten ein für ein echtes zweites Bildungssystem für das ganze Leben. Dazu wollen wir ein Midlife-BAföG einführen, das auch Menschen mit geringem Einkommen die Finanzierung von Weiterbildung und Bildungszeiten in jedem Alter ermöglicht. Darüber hinaus soll in einem persönlichen Freiraumkonto allen Menschen unabhängig vom Arbeitgeber das steuer- und abgabenfreie Ansparen für Weiterbildungsangebote und Bildungszeiten ermöglicht werden. Zudem soll die Vielzahl von Bildungsangeboten für das lebenslange Lernen von öffentlichen wie privaten Anbieterinnen und Anbietern transparent und strukturiert auf einer zentralen digitalen Plattform einsehbar sein. Diese digitale Bildungsarena soll den Zugang zu Weiterbildungen erleichtern und gleichzeitig die Anerkennung informell sowie non-formal erworbener Kompetenzen ermöglichen.

Welche Maßnahmen wollen Sie anregen, damit Berater:innen in ungesicherten Beschäftigungsverhältnissen, Solo-Selbständige und Freiberufler:innen zukünftig besser abgesichert sind und ihre wichtige Arbeit fortsetzen können?

Wir Freie Demokraten fordern Fairness für Selbstständige. Ob Freie Berufe, Handwerk, Kultur- und Kreativwirtschaft oder Dienstleistungsbranche: Selbstständige sind keine Erwerbstätigen zweiter Klasse. Mit unterschiedlichen Reformansätzen wollen wir die Selbstständigkeit erleichtern, sie als Selbstbestimmung ernst nehmen und für mehr öffentliche Wertschätzung von Selbstständigen sorgen. Ungleichbehandlungen wollen wir abbauen und zum Beispiel die Beiträge für Selbstständige zur gesetzlichen Krankenversicherung endlich an den tatsächlichen Einnahmen orientieren. Weiterhin wollen wir u.a. das Statusfeststellung für Selbstständige reformieren, eine maximale Wahlfreiheit für Selbstständige bei der Altersvorsorge und eine Kopplung von Mini- und Midijob-Grenzen an den Mindestlohn damit Mini- oder Midijobber nicht mehr von Erhöhungen durch die allgemeine Lohnentwicklung abgeschnitten sind.

Digitale Formate: Was wollen Sie tun, damit Beratende die für den Einsatz digitaler Beratungsformate notwendigen Kompetenzen zügig erwerben, und was können Sie zur Entwicklung einer datenschutzkonformen digitalen Infrastruktur der Organisationen vor Ort beitragen?

Wir Freie Demokraten setzen uns für die Schaffung einer Bundeszentrale für digitale Bildung ein. Diese soll in drei Säulen Aufgaben der Koordination, Qualitätssicherung und Vermittlung digitaler Bildung in Deutschland übernehmen Die erste Säule stellt Informationen, Materialien und Kurse bereit, um bei Menschen aller Altersklassen das Verständnis über die Grundlagen der Digitalisierung, aktuelle technische Entwicklungen und gesellschaftliche Debatten zu fördern, damit sie als aufgeklärte und verantwortungsvolle Bürgerinnen und Bürger in einer digitalisierten Welt agieren können. Die zweite Säule ist die Beurteilung und Zertifizierung von digitalen Lehr- und Lernmitteln hinsichtlich rechtlicher und pädagogischer Mindeststandards. Die Ergebnisse werden in einer Positivliste (Weißliste) für Bildungssoftware zusammengefasst und in einer digitalen Bibliothek bereitgestellt. Bildungsinstitutionen können Anfragen zur Prüfung an die Bundeszentrale richten, die sie zügig bearbeitet. Die dritte Säule befasst sich mit der digitalen Transformation des Bildungswesens und hierbei konkret mit digitaler Didaktik und der Aus- sowie Fortbildung von Lehrenden aller Bildungsinstitutionen zur Implementierung digitaler Lernstrategien. Dabei sollen sowohl konkrete Angebote für Lehrende zur Weiterbildung angeboten als auch Konzepte der Lehre und Schule der Zukunft erarbeitet und in Zusammenarbeit mit den Kultusministerien der Länder umgesetzt werden.
Den Datenschutz wollen wir konsequent weiterentwickeln. Wir werden darauf achten, dass die Auswirkungen auf kleine und mittlere Unternehmen, deren Kerngeschäft nicht der Umgang mit personenbezogenen Daten ist, stärker berücksichtigt werden. Der bürokratische Aufwand der Verpflichtungen muss überprüft werden. Datenschutzrechtlich ebenso wirksame, aber weniger aufwendige technische Lösungen müssen nutzbar gemacht werden. 

Was schlagen Sie vor, um Menschen mit hohem Qualifizierungsbedarf, Flucht- oder Zuwanderungserfahrung eine niedrigschwellige Beratung zu ermöglichen, und wie wollen Sie Zugang zu digitalen Diensten durch digitale Geräte, Internetabdeckung und Entwicklung digitaler Kompetenzen gewährleisten?

Zur Stärkung des lebens- und arbeitsbegleitenden Lernens wollen wir ein zweites Bildungssystem schaffen, das Menschen jeder Herkunft, jeden Alters, jeder beruflichen Ausrichtung und jeder Arbeitserfahrung neue Bildungschancen und -möglichkeiten eröffnet. Wir setzen uns für Initiativen in Form von Aufstiegspatenschaften ein, um Kindern und Jugendlichen aus bildungsfernen Elternhäusern zu helfen, den eigenen Weg zu beruflichen Bildungsabschlüssen oder an die Hochschule zu gehen. Im Bereich der Weiterbildung wollen wir die Vielzahl von Bildungsangeboten von öffentlichen wie privaten Anbieterinnen und Anbietern transparent und strukturiert in einer digitalen Bildungsarena zugänglich machen. Diese bundesweite Onlineplattform soll den Zugang zu Weiterbildungsangeboten erleichtern und den derzeitigen „Weiterbildungsdschungel“ übersichtlicher gestalten. Um den Zugang zu digitalen Diensten zu gewährleisten, fordern wir eine flächendeckende und hochleistungsfähige Mobilfunkabdeckung und Glasfasernetze. Zudem wollen wir eine Bundeszentrale für digitale Bildung schaffen, die die Vermittlung digitaler Bildung in Deutschland unterstützt. 

Durch die zunehmende Digitalisierung im Bereich der BBB- Beratung gibt es neue Forschungsbedarfe, insbesondere bezogen auf Beratungsformate, innovative Ansätze, Zugänge zur Beratung und technische Umsetzung. Was schlagen Sie vor, um diesen Forschungs- und Entwicklungsbedarf zügig zu realisieren?

Moderne Hochschulen und beste Forschungsbedingungen sind die Grundlage für Innovation und Fortschritt in unserem Land und weltweit. Sie öffnen neue Chancen für unsere Gesellschaft und für die Bekämpfung globaler Herausforderungen. Wir wollen für eine moderne Forschungspolitik sorgen, die Chancen in neuen Technologien sieht und mit Gefahren verantwortungsvoll umgeht. Wir Freie Demokraten wollen u.a. Forschungsprojekte in den Bereichen „Educational Data Mining“ und „Learning Analytics“ sowie die Auswirkungen von künstlicher Intelligenz auf Bildung fördern.

Würden Sie sich für ein kontinuierliches, flächendeckendes Beratungsmonitoring als Grundlage für Qualitätsentwicklung und politische Entscheidungen einsetzen? Falls ja: für welche ersten Schritte setzten Sie sich ein?

Maßnahmen zur Qualitätssicherung der Beratung begrüßen wir grundsätzlich. Niedrigschwellige Beratung darf aber nicht an bürokratischen oder finanziellen Hürden scheitern. In die Evaluation der Beratung sollte auch das Nutzerfeedback einfließen.

Die NWS will den Auf- und Ausbau von Beratungsnetzwerken auf lokaler und regionaler Ebene für eine bessere Koordination der verschiedenen Anbieter (Agenturen für Arbeit, kommunale Beratungseinrichtungen etc.) stärken. Wie stellen Sie sich die Umsetzung und deren finanzielle Absicherung vor?

Die Beratungsnetzwerke gilt es in engem Austausch mit der regionalen Wirtschaft, Bildungsanbietern und Beratenden zu stärken. Wir Freie Demokraten setzen uns dafür ein, dass ein breites Angebot an Weiterbildungen gefördert wird.

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