IFAW - Internationaler Tierschutz-Fonds

Der Handel mit exotischen Tieren für die private Haltung birgt zahlreiche Gefahren für den Tier-, Arten- und Naturschutz und die menschliche Gesundheit. Wie dämmen Sie die Artenvielfalt im exotischen Wildtierhandel unter diesen Aspekte auf tatsächlich für private Halter geeignete Tierarten ein?

Beschränkungen beziehungsweise Regulierungen der privaten Tierhaltung sind aus unserer Sicht nur insofern zulässig, als sie zum Schutz der Tiere, zum Artenschutz oder zum Schutz anderer Rechtsgüter erforderlich sind. Pauschale Haltungsverbote lehnen wir in diesem Zusammenhang ab. Stattdessen wollen wir die Sachkunde von Tierhaltern fördern und auch verstärkt einfordern. Wir wollen zudem den Zoll stärken, um den illegalen Handel mit seltenen Arten zu beenden. Durch einheitliche und vereinfachte Regelungen im Wildtierhandel, am besten EU-weit, und einen effektiven Vollzug wollen wir das Ausweichen in den illegalen Handel verhindern.

Das Internet bietet Wildtierhändlern eine enorme Reichweite und macht es schwer zwischen legalen und illegalen Angeboten zu unterscheiden. Wie wollen Sie ein Verkaufsverbot von heimischen und exotischen Wildtierarten im Onlinehandel umsetzen?

Wir Freien Demokraten wollen den legalen Handel einfach und gut kontrollierbar machen, damit der illegale Handel unattraktiv wird. Nur so lässt sich ein praktisch unkontrollierbarer und unregulierbarer Schwarzmarkt vermeiden. Dazu fordern wir eine effektivere und unbürokratische Regulierung des legalen Handels mit Wildtieren durch vereinfachte Dokumentations-/Meldepflichten sowie unkompliziert umsetzbare Mindeststandards. Zugleich muss eine wirksame Vollzugskontrolle ermöglicht sowie die dafür nötigen technischen und personellen Kapazitäten bereitgestellt werden. Es ist wichtig, dass die private Tierhaltung registriert wird und dass private Tierhalter, über tiergerechte Haltung und Tierschutz informiert sind. Ein pauschales Verkaufsverbot von im Onlinehandel lehnen wir ab, da es allein zu einer Verlagerung des Handels in Graubereiche führt. Damit wäre dem Tierschutz nicht geholfen.

Der Wildtierhandel ist eine wesentliche Ursache für Artenverlust und die Ausbreitung von Zoonosen. Wie stehen Sie zu einer nationalen und EU-weiten Gesetzgebung für ein Import- und Handelsverbot von Tierarten, die bisher lediglich in ihren Herkunftsländern außerhalb der EU geschützt sind?

Wir Freien Demokraten respektieren den Artenschutz der Nationalstaaten und befürworten daher ein Verbot von Tierimporten aus Ländern, in denen die Arten geschützt sind. Allerdings lehnen wir ein generelles nationales und EU-Handelsverbot dieser Arten ab, da hierdurch lediglich ein nicht kontrollierbarer und regulierbarer Schwarzhandel entstehen würde. Wir fordern jedoch eine lückenlose Dokumentations- und Meldepflicht gehandelter Wildtiere, die eine Rückverfolgbarkeit von in Deutschland gehaltenen Wildtieren und Exoten sicherstellt.

Wie setzen Sie sich für ein Importverbot von Wildfängen für die private Tierhaltung auf nationaler und europäischer Ebene?

Wir Freie Demokraten lehnen ein generelles Verbot von Wildfängen ab. Kann der Nachweis erbracht werden, dass durch den Wildfang weder Arten noch deren Wildpopulationen akut bedroht werden und erfolgt der Handel legal und transparent durch den qualifizierten Fachhandel, sollen auch Wildfänge legal importiert werden können. Voraussetzung dafür ist eine Dokumentations- und Meldepflicht sowie die Einhaltung von Mindeststandards im Handel und bei der Haltung.

Für manche Arten kann ein nachhaltiger und rechtsstaatlich kontrollierter Handel im Sinne des Prinzips „Schützen durch Nutzen“ auch förderlich sein , da er ihnen und ihren Habitaten in den Ursprungsländern einen wirtschaftlichen Wert gibt. Insofern lehnen wir ein allgemeines Importverbot für Wildfänge ab. Ein akutes Problem sehen wir jedoch weiterhin bei schon heute illegalen Importen. Wir sehen in diesem Zusammenhang in erster Linie ein Vollzugsproblem. Die zuständigen Vollzugsbehörden in Bund und Ländern benötigen neben einer angemessenen Ausstattung auch eine bessere Vernetzung untereinander sowie zusätzliche Fortbildungen und Informationsplattformen, um Zugang zu fehlenden Spezialkenntnissen des rechtsstaatlichen Artenschutzvollzugs zu erlangen.

Wie wollen Sie den Schutz globaler und nationaler Biodiversitäts-Hotspots und die Verknüpfung und Erweiterung von Schutzgebieten (einschließlich Wildtierkorridoren) gewährleisten?

Der Schutz globaler und nationaler Biodiversitäts-Hotspots erfordert einen Ausgleich zwischen den Interessen des Landschaftsschutzes und der Landnutzung. Wir wollen die Erforschung von Bedingungen für und die Bereitstellung von Informationen über eine nachhaltige Balance zwischen Landnutzung und Biodiversitätsleistungen fördern. Es bedarf globaler, überregionaler und bundesländerübergreifender Standards für die Gestaltung von Biotopverbünden. Ein vernetzter Biotopverbund erfordert Anreize für Landeigentümer und -nutzer in die Herstellung und Pflege von Biotoplandschaften zu investieren. Ein wichtiger Baustein hierfür ist die Stärkung des Vertragsnaturschutzes. Zudem wollen wir moderne landwirtschaftliche Verfahren und Technologien fördern und ermöglichen, um dadurch den Nutzungsdruck auf die immer knapper werdende Landfläche zu reduzieren.

Schifffahrt gefährdet die Meeresumwelt durch Treibhausgasausstoß und Unterwasserlärm. Unterstützen Sie eine EU-weite Reduktion der Geschwindigkeit als Sofortmaßnahme und wie planen Sie diese Probleme langfristig zu lösen?

Wir Freien Demokraten lehnen eine pauschale EU-weite Geschwindigkeitsreduktion für die Schifffahrt ab. CO2-Emissionen werden zielsicher und effizient durch eine Einbeziehung der Schifffahrt in den EU-Emissionshandel reduziert. Dort wo Lärmemissionen nachweislich den Artenschutz reduzieren, setzen wir uns für aktive und passive Lärmschutzmaßnahmen ein.

In bestehenden Evakuierungsplänen bei Naturkatastrophen werden Tiere nur in Ausnahmen berücksichtigt. Wie stellen Sie sicher, dass in Zukunft Tiere mit evakuiert und artgerecht versorgt werden?

Die meisten Zoos haben mittlerweile ausgearbeitete Notfallpläne und schulen ihre Mitarbeiter regelmäßig für Naturkatastrophenfälle. Diese jährlich überarbeiteten Management-Pläne sind vielerorts Bestandteil der Genehmigungen, über die die jeweils zuständigen Kommunen bescheiden.

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