Freier Verband Deutscher Zahnärzte e.V. (FVDZ)

Die Freien Berufe sind ein Eckpfeiler unserer Gesellschaft, bedeutender Wirtschaftsfaktor und Arbeitsplatzgarant. Ihre Leistungsfähigkeit ist eine wichtige Säule des Gesundheitssystems. Wie möchte Ihre Partei freiberufliche zahnärztliche Strukturen für die Zukunft stärken und erhalten?

Wir Freie Demokraten setzen uns dafür ein, dass auch weiterhin die Freien Berufe im Gesundheitswesen gestärkt werden. Niedergelassene Ärztinnen und Ärzte, Zahnärztinnen und Zahnärzte, Tierärztinnen und Tierärzte, Apothekerinnen und Apotheker, Heilmittelerbringerinnen und Heilmittelerbringer sowie Hebammen und Geburtshelfer müssen in medizinischen Fragen autonom und frei von Weisungen Dritter entscheiden können. Denn die Therapiefreiheit der Behandlung ohne Budgetierungszwang kommt den Patientinnen und Patienten zugute. Freiheit und Verantwortung sind die Basis der Vertrauensbeziehung zwischen Arzt und Patient. 

Die Tendenz zu direkter staatlicher Einflussnahme im Gesundheitswesen hat sich in den vergangenen Jahren weiter verstärkt (Beispiel: Mehrheits-Beteiligung des BMG an der gematik). Welche Bedeutung misst Ihre Partei der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen zu und wie gedenken Sie diese zu sichern?

Als Freie Demokraten bekennen wir uns zum Prinzip der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen. Die (zahn-)ärztliche Selbstverwaltung sollte auch weiterhin die Lebenswirklichkeit der in diesem Bereich Tätigen widerspiegeln. 

Die Dualität zwischen GVK und PKV (Voll- und Zusatzversicherungen) ist Garant für ein leistungsfähiges, innovatives und stabiles Gesundheitswesen in Deutschland. Wie beurteilt Ihre Partei das „duale Versicherungssystem“ aus GKV und PKV und wie stehen Sie zur Einführung einer Bürgerversicherung?

Wir stehen für ein solidarisches und duales Gesundheitssystem, in dem die Wahlfreiheit der Versicherten durch Krankenkassen- und Krankenversicherungsvielfalt gewährleistet ist. Dazu gehört neben einer starken privaten auch eine freiheitliche gesetzliche Krankenversicherung. Diese soll Versicherten- und Patienteninteressen in den Mittelpunkt rücken und Möglichkeiten bieten, aus verschiedenen Modellen zu wählen. Eine Bürgerversicherung lehnen wir ab. 

Die Zahl der versorgungsfremden Finanzinvestoren im Gesundheitswesen ist besonders im zahnärztlichen Bereich rasant gestiegen. Gründungen von MVZ sind quasi unbeschränkt. Wie will Ihre Partei die freiberuflichen Strukturen davor schützen, weiter vergewerblicht und zum Spekulationsobjekt zu werden?

Generell setzen wir Freie Demokraten uns für eine qualitativ hochwertige und wohnortnahe medizinische Versorgung ein. Diese wird von den freiberuflich tätigen Ärztinnen und Ärzten sowie Zahnärztinnen und Zahnärzten deshalb besonders patientenorientiert erbracht, weil sie die Therapieentscheidungen allein auf medizinischer Grundlage treffen. An diesem Prinzip wollen wir auch in Zukunft festhalten. Medizinische Versorgungszentren (MVZ) können zur Verbesserung der Versorgung beitragen. Es bedarf jedoch klarer Regeln, die sicherstellen, dass die dort tätigen (Zahn-)Ärzte in medizinischen Fragen weisungsfrei handeln dürfen. Auch müssen die Wettbewerbsbedingungen zwischen niedergelassenen (Zahn-)Ärzten und MVZ fair gestaltet sein.

Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse und flächendeckende medizinische Versorgung stehen in einem engen Zusammenhang. Welche Anstrengungen unternimmt Ihre Partei, um die notwendigen Rahmenbedingungen für eine flächendeckende, wohnortnahe Versorgung aller Patienten auch in Zukunft zu ermöglichen?

Wir Freie Demokraten sehen die niedergelassene Haus- und Zahnärzteschaft als Garanten an für eine langfristige wohnortnahe Versorgung im Vertrauensverhältnis. Damit auch in Zukunft ausreichend Haus- und Zahnärzte für die Patienten erreichbar sind, müssen die Rahmenbedingungen verbessert werden. Wir benötigen motivierten und gut ausgebildeten medizinischen Nachwuchs sowie Entbürokratisierung, leistungsgerechte Vergütung und flexible Niederlassungsmöglichkeiten in der ambulanten Versorgung.

Zahnarztpraxen werden immer stärker mit Dokumentations-, Informations- und Nachweispflichten belastet. Die Digitalisierung bringt meist keine Erleichterung, sondern führt im Gegenteil zur Bedienung von Doppelstrukturen. Was wird Ihre Partei konkret zum Abbau von Bürokratie tun?

Wir Freie Demokraten wollen die Entbürokratisierung des Gesundheitswesens vorantreiben. Dazu fordern wir eine „Bepreisung“ der Bürokratie- und Berichtspflichten. Das schärft den Fokus auf die Behandlung und Pflege von Patientinnen sowie Patienten und verhindert kleinteilige Gesetze und Verordnungen. Seit Jahren klagen sämtliche Akteure im Gesundheitswesen über zunehmende bürokratische Auflagen, die nicht zu einer Verbesserung der Versorgung führen. Im Gegenteil: Es bleibt weniger Zeit für die Patienten.

Wir Freie Demokraten sind der Überzeugung, dass der Einsatz digitaler Informations- und Kommunikationstechnologien im Gesundheitswesen einen entscheidenden Beitrag zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung leisten kann. Hierfür wollen wir beste Rahmenbedingungen schaffen (s. Antwort auf Frage 8).

Nachhaltiges Wirtschaften ist ein großes Thema in den Praxen. Verschärfte Hygieneanforderungen machen oftmals den Einsatz von Einmalmaterialien und -instrumenten notwendig. Wie wird Ihre Partei die Bemühungen der Zahnärzteschaft um Nachhaltigkeit und Umweltschutz im Gesundheitswesen unterstützen?

Wir Freie Demokraten setzen uns auch im Gesundheitswesen für Nachhaltigkeit und Umweltschutz ein. Umweltschutz und Hygienestandards dürfen jedoch nicht gegeneinander ausgespielt werden, sondern müssen in Einklang gebracht werden. Daher plädieren wir für innovative Lösungsansätze. Wir wollen Medizintechnikunternehmen Anreize geben, neue Technologien zu nutzen und zum Beispiel den Einsatz von Biokunststoffen in der Verarbeitung zu Medizinprodukten zu verwenden. Förderprogramme für Digitalisierung und die Förderung der Nachhaltigkeit im medizinischen Sektor wollen wir daher ausbauen. Wo medizinisch und hygienisch möglich, soll Verpackungsmüll reduziert werden, zum Beispiel durch die Verwendung von Großgebinden für regelmäßig benötigte Materialien sowie das Weglassen von Umverpackungen.

Die Digitalisierung des Gesundheitswesens ist in der vergangenen Legislaturperiode weiter vorangetrieben worden. Wie steht Ihre Partei zum weiteren Ausbau der digitalen Möglichkeiten und wie sollen Datenschutz und Datensparsamkeit im sensiblen Bereich der Gesundheitsdaten gewährleistet werden?

Wir Freie Demokraten wollen die Digitalisierung im Gesundheitswesen durch klare und transparente Rahmenbedingungen voranbringen. Dazu benötigen wir offene Standards, Interoperabilität und Datensicherheit. Die Vernetzung zwischen allen Gesundheitsakteuren sowie Patientinnen und Patienten muss digital ausgestaltet sein. Nur so ist eine schnelle Verfügbarkeit der Patientinnen- und Patientendaten sicherzustellen. Die Digitalisierung ist kein Wert an sich, sondern sie hat das Potential den Arbeitsalltag von allen Gesundheitsakteuren zu erleichtern. 

Die digitale Transformation der Medizin führt auch zu einer Veränderung des Berufsbildes von Versorgenden. Wir Freie Demokraten wollen den (Zahn-)Ärztinnen sowie (Zahn-)Ärzten und dem medizinischen Personal alle Kompetenzen und Qualifikationen an die Hand geben, um moderne Kommunikations- und Kooperationsformen sowie digitale Tools in ihren Versorgungsalltag einzubinden. Ein Schlüssel zum Erfolg liegt aus unserer Sicht in der Qualifizierung durch eine entsprechend veränderte Aus-, Weiter- und Fortbildung.

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