Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe e.V.

In fast jedem zweiten Haushalt in Deutschland leben Menschen mit Heimtieren. Viele Studien weisen die positiven Wirkungen von Tieren auf Menschen nach. Was wird Ihre Partei unternehmen, um das Leben mit Heimtieren in Deutschland zu fördern und zu erhalten?

Uns Freien Demokraten ist bewusst, wie wichtig die tierische Begleitung in unterschiedlichen Lebenssituationen für viele Menschen ist. Auch in unseren Reihen gibt es zahlreiche Tierhalter. Tiergestützte Pädagogik, Tierbesuchsdienste in Seniorenheimen oder tierische Unterstützung bei Kranken und Menschen mit Behinderungen: Die positiven Effekte von Heimtieren sind vielfältig. Wir Freie Demokraten begrüßen Initiativen der Wirtschaft und Gesellschaft, die diesen Nutzen herausstellen und fördern. Wir sind der Ansicht, dass das Leben gemeinsam mit Heimtieren in Deutschland auch weiterhin unbürokratisch und ohne pauschale Einschränkungen möglich sein muss.

Um über Belange des Tier- und Artenschutzes wissenschaftlich präzise sprechen zu können, hält der ZZF einen differenzierten Umgang mit den Begriffen Haustier - Heimtier - Wildtier - Exot – Wildfang für erforderlich. Welche Tiere zählen für Sie unter den Begriff „Heimtier“?

Wir Freie Demokraten fordern einen differenzierten Umgang mit den genannten Begriffen und treten für eine rechtlich klare Definition ein.

Einige Organisationen plädieren für die Einführung einer Liste mit Tieren, deren Privathaltung erlaubt sein soll (Positivliste). Andere plädieren für Negativlisten, die die Erfahrung in der Haltung berücksichtigen. Plant Ihre Partei eine Einschränkung der Heimtierhaltung in Form einer Positivliste?

Wir Freie Demokraten lehnen starre artenbezogene Haltungsverbote im Wege von Positiv- und Negativlisten ab, weil wir der Überzeugung sind, dass sie unverhältnismäßig sind und allenfalls zu einem schwer zu kontrollierenden grauen Markt führen. Dem Tier- und Artenschutz wäre damit nicht geholfen.

Halten Sie bestehende tierschutzrechtliche Regelungen zur Haltung von Heimtieren für geeignet oder steht Ihre Partei einer Einführung verbindlichen Sachkundeprüfungen (Tierhalterführerschein, theoretisch/praktisch) für Tierhalter positiv gegenüber?

Eine allgemeine Pflicht für sämtliche Tierhalterinnen und Tierhalter zum Nachweis der eigenen Sachkunde im Sinne eines „Führerscheins“ etwa für Katzen und Hamster lehnen wir Freie Demokraten aus Gründen der Verhältnismäßigkeit ab. Praktikablen Stufenmodellen, die für ausgewählte Tierarten je nach Höhe von Haltungsansprüchen und Haltungsrisiken zusätzliche Informationspflichten für Tierhändler sowie Tierhalter bis hin zu verpflichtenden Sachkundenachweisen und Fortbildungen bei zertifizierten Anbietern oder Amtstierärzten vorsehen, stehen wir indessen offen gegenüber. In jedem Fall sind solche Lösungsansätze einer ideologischen Verbotsgesetzgebung in Form von Positiv- und Negativlisten vorzuziehen.

Das Internet ist zu einem beliebten Medium zur Vermittlung von Heimtieren durch Privatpersonen, Gelegenheitszüchter, gewerbliche Züchter und Tierschutzorganisationen geworden. Werden Sie den Internethandel mit Tieren und den Versandhandel mit Tieren für private Käufer regulieren?

Viele Tierbörsen sind, wie auch zunehmend das Internet, durchaus ein Schauplatz für problematische Angebote, sowohl mit Blick auf illegale Wildfänge als auch mit Blick auf Qualzuchten. Eine sinnvolle Herangehensweise im Sinne des Tier- und Artenschutzes muss in der verstärkten Kontrolle von Tierbörsen liegen und nicht darin, Tierbörsen gänzlich zu verbieten und entsprechende Handels- und Tauschvorgänge in die undurchsichtigen Strukturen eines grauen Marktes abgleiten zu lassen. Wir Freie Demokraten wollen deshalb im Bund die „Leitlinien zur Ausrichtung von Tierbörsen unter Tierschutzgesichtspunkten“ aktualisieren und setzen uns in den für den Vollzug des Tierschutzrechts zuständigen Ländern für eine verstärkte Kontrolle von Tierbörsen ein. Darüber hinaus halten wir ein europäisches Regelwerk nach Vorbild der deutschen „Leitlinien zur Ausrichtung von Tierbörsen unter Tierschutzgesichtspunkten“ für sinnvoll.

Eine wichtige Voraussetzung für die Heimtierhaltung ist der Handel mit im In- oder Ausland nachgezüchteten Wildtieren. Wird Ihre Partei den tiergerechten und kontrollierten Import und Verkauf von exotischen Heimtieren über den sachkundigen Fachhandel unterstützen?

Ja. Wir Freie Demokraten setzen uns für eine wirksame Einfuhrkontrolle und einen rechtsstaatlich kontrollierten Handel mit Tieren ein. Die Anhänge I - III des Washingtoner Artenschutzabkommens (CITES) sowie innerhalb der Europäischen Union die Anhänge A bis D zur europarechtlichen Umsetzung der Beschlüsse der CITES-Vertragsstaatenkonferenz bieten grundsätzlich einen geeigneten Rahmen, um zwischen nachhaltigem Handel und artengefährdendem Handel zu differenzieren. 

Auf welche Weise gedenken Sie, die Position des tierführenden Zoofachhandels als öffentlichen, behördlich kontrollierten Treffpunkt von Tierkäufern und sachkundigem Beraterteam in Zukunft zu stärken?

Der tierführende Zoofachhandel gewährleistet mithilfe von kompetentem Personal die sachkundige Beratung der Tierhalterinnen und Tierhalter. Auf diese Weise trägt er zu einer tierschutzgerechten Heimtierhaltung bei. Wir Freie Demokraten wollen den organisierten Zoofachhandel stärken, damit er seine wichtige Rolle noch besser ausüben kann. Wir lehnen daher eine unverhältnismäßige Regulierung des legalen Fachhandels ab. Arten- und Tierschutz wollen wir nicht durch starre Auflagen und Einschränken erreichen, sondern gemeinsam mit dem organisierten Zoofachhandel Konzepte und Lösungswege entwickeln, die auch in der Praxis umsetzbar sind.

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