Deutscher Reiseverband DRV

Welchen Wert misst die FDP der Reisewirtschaft zu und wie wollen Sie sicherstellen, dass dieser für Deutschland wichtige Wirtschaftszweig auch künftig ein ökonomischer Wachstumstreiber bleibt und zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beiträgt?

Der Tourismus ist einer der meist unterschätzten Wirtschaftszweige in Deutschland. Dabei lagen die Ausgaben der Deutschen für das Reisen im Jahr 2019 bei fast 70 Milliarden Euro. Gleichzeitig bietet die Tourismuswirtschaft rund drei Millionen Menschen einen Arbeitsplatz. 

Wir Freie Demokraten wollen die Tourismuswirtschaft nachhaltig stärken. Die Coronakrise hat die vorher gesunde Branche schwer getroffen. Zusätzlich stellen der Fachkräftemangel sowie zahlreiche Bürokratiepflichten gerade kleine und mittlere Unternehmen vor große Herausforderungen. Die FDP steht voll hinter der Tourismuswirtschaft und den dort beschäftigten Bürgern. Wir nehmen die dort erbrachten Leistungen nicht als verzichtbares Produkt einer "Schönwetterwirtschaft" auf die leichte Schulter - ganz im Gegenteil. Die Reisewirtschaft braucht, gerade in Folge auf die Härten der Pandemie, einen starken Flankenschutz, damit sie auch künftig hochwertige Dienstleistungen für anspruchsvolle Kundinnen und Kunden erbringen kann.  Wichtig ist, dass die Unternehmen mittelfristig keine weitere Belastung durch Abgaben und Bürokratie erfahren, dass die Versorgung mit öffentlicher Infrastruktur, inklusive Bildung und Qualifizierung von Nachwuchstalenten gewährleistet ist und sich die Politik künftig wieder als verlässlicher Partner darstellt. 

Wie will die FDP, gerade im Zuge der ausklingenden COVID19-Pandemie, einen Beitrag leisten, dass die besonders hart getroffenen Unternehmen der Reisewirtschaft keine zusätzlichen Belastungen (z.B. durch staatliche Restriktionen oder Abgaben) erfahren und sich wieder wirtschaftlich erholen können?

Wir Freie Demokraten sind uns der schwierigen Lage bewusst, in der sich die Reisewirtschaft befindet. Die Unternehmen der Branche werden lange Zeit benötigen, um die Folgen der COVID19-Pandemie vollständig zu überwinden. Auch wenn wir derzeit schon wieder eine gestiegene Reiseaktivität sehen, so darf dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Einbußen gegenüber dem letzten Vorkrisenjahr gewaltig sind. Angesichts der fragilen Situation der betreffenden Unternehmen verbietet es sich, diese mit zusätzlichen Belastungen wie Abgaben und bürokratischen Auflagen zu konfrontieren.

Wir wollen zudem touristische Regionen in Deutschland durch eine Werbeoffensive unterstützen. Dafür soll es ein Budget geben, um das sich Kommunen unkompliziert bewerben können. Gerade nach der Coronakrise muss es unser Ziel sein, Reiseregionen zu stärken. Innerdeutsche Reiseziele sind beliebt wie nie zuvor. Dieser Trend wird anhalten. Wir wollen touristisch attraktiven Regionen die Möglichkeit geben, ihre Besonderheiten gezielt zu vermarkten – mit positiven Effekten für viele weitere Wirtschaftszweige wie den Lebensmittelhandel, den stationären Handel sowie für Kulturschaffende und die Kreativwirtschaft.

Welche Bedeutung misst die FDP der Pauschalreise im Sinne eines umfangreichen Verbraucherschutzes bei und wie soll das Angebot in einem stark umkämpften europäischen Markt konkurrenzfähig gehalten werden?

Die Europäische Pauschalreiserichtline sichert den Verbraucherinnen und Verbrauchern einen hohen Schutz zu. Sowohl im Fall von unvorhergesehenen Krisen im Zielgebiet als auch im Insolvenzfall des Reiseveranstalters ist der Urlauber abgesichert. Dies ist bekanntermaßen bei selbstständig organisierten Reisen oder dem Kauf von Reiseeinzelleistungen nicht üblich. 

Bei der Ausgestaltung des deutschen Reiserechts auf der Grundlage der Europäischen Rahmengesetzgebung ist darauf zu achten, dass deutsche Reiseveranstalter und Reisebüros nicht noch weiter und über Gebühr belastet werden. Denn die Marge auf Urlaubsreisen ist gering und sie stehen mit Unternehmen in unseren europäischen Nachbarstaaten in unmittelbarer Konkurrenz. Zudem sollten sich abgesicherte und verbraucherfreundliche Pauschalreisen gegenüber im Netz erworbenen Reiseeinzelleistungen nicht zu sehr ins preisliche Hintertreffen geraten.    

Welche Bedeutung misst die FDP der Zusammenführung von Ökologie und Reisen/Urlaub bei und können aus Ihrer Sicht die (vermeintlichen) Gegensätze überwunden werden?

Nachhaltiges Reisen ist durch die Pandemie verstärkt in den Fokus gerückt. Das gestärkte Bewusstsein sollte genutzt werden, um den Tourismus nachhaltig weiterzuentwickeln. Gerade im Zusammenhang mit der COVID19-Pandemie wurde eindrucksvoll sichtbar, wie der Naturschutz und eine intakte Umwelt von Urlauberinnen und Urlaubern profitieren. Die Einnahmen aus dem Tourismusgeschäft ermöglichen die Finanzierung und Sicherung von Wildreservaten, beugen dem Raubbau an der Natur vor und gewährleisten eine funktionierende (Entsorgungs-)Infrastruktur. Vielen Berichten zu Folge hat die Wilderei, das Abholzen des natürlichen Lebensraums und die Umweltverschmutzung im vergangenen Jahr in Ländern des globalen Südens deutlich zugenommen. Wir Freie Demokraten setzen auf einen nachhaltigen und verantwortungsvollen Tourismus, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken und die natürlichen Schätze auch für kommende Generationen zu bewahren.   

Wie bewertet die FDP die unmittelbarere Begegnung und Erfahrung im Zuge von Urlaub und Reisen vor einem pädagogischen und völkerverbindenden Hintergrund?

Die FDP bewertet den interkulturellen Austausch und Begegnungen im Kontext von Urlaubsreisen als sehr wichtig an. Die unmittelbare Erfahrung und das Erleben anderer Menschen kann nicht nur für Kinder und Jugendliche ein prägendes Erlebnis darstellen. Auch Erwachsene profitieren durch das Eintauchen in einen anderen kulturellen Kontext und gewinnen neue Einsichten und ein Verständnis für das Denken und Handeln anderer. Deswegen ist das große Interesse der Deutschen an Urlaubsreisen ins Ausland ein sehr positiv zu wertender Faktor - trägt er doch in wesentlicher Weise zur Völkerverständigung und zum Abbau potentieller Konflikte bei.  

Wie schätzt die FDP die Zukunftsfähigkeit der Reisewirtschaft ein und welchen Beitrag wollen Sie leisten, um die von Reiseunternehmen dringend benötigten Nachwuchskräfte zu finden und zu qualifizieren?

Wir Freie Demokraten sind fest davon überzeugt, dass die Tourismus- und Reisewirtschaft ein Industriezweig mit Zukunft ist. Alleine schon der Umstand, dass auch nach der COVID19-Pandemie die Reiselust der Deutschen ungebrochen ist, spricht dafür. Gleichzeitig müssen wir feststellen, dass sich in den vergangenen Monaten eine große Zahl an qualifizierten Kräften für eine Tätigkeit außerhalb des Sektors entschieden hat. Dies dürfte den Fachkräftebedarf in den nächsten Jahren noch weiter erhöhen. Daher sollte möglichst frühzeitig, zum Beispiel im Rahmen von Berufsorientierung an weiterführenden Schulen, auf das äußerst spannende, heterogene und kundenorientierte Tätigkeitsfeld hingewiesen werden.

Wir wollen zudem ausländischen Fachkräften in der Tourismusbranche den Zugang zu Kindergeld- und Krankenkassenanträgen erleichtern. Sie müssen in deutlich mehr Sprachen zur Verfügung stehen. Hotellerie und Gastronomie sind Grundpfeiler des Tourismus. Ausländische Fachkräfte, insbesondere aus angrenzenden Nachbarländern, sichern das Überleben von Hotels und Restaurants. Für sie muss es einfacher werden, in Deutschland zu arbeiten – auch im Hinblick auf den massiven Fachkräftemangel. Mit Anträgen in der Muttersprache und schnellen, unkomplizierten Bearbeitungsvorgängen wollen wir das Arbeiten in der deutschen Tourismusbranche attraktiver machen.  

Welche Bedeutung misst die FDP der Freizügigkeit von Reisenden und Urlaubern innerhalb Deutschlands, der Europäischen Union sowie im Verkehr mit Drittstaaten bei? Sollten bestehende Barrieren und Restriktionen unter Berücksichtigung von Sicherheitserwägungen abgebaut werden?

Wir Freie Demokraten messen dem Recht auf Freizügigkeit eine sehr große Bedeutung bei. Die weiterhin bestehenden Barrieren im Reiseverkehr müssen, sofern im Rahmen der Entwicklung der COVID19-Pandemie verantwortbar, wieder abgebaut werden. Wir müssen alles daran setzen, dass die unmittelbare Begegnung und der Austausch in einem globalen Kontext wieder möglich werden. Die Fraktion der Freien Demokraten im Deutschen Bundestag hat daher gefordert, in Zusammenarbeit mit den EU-Ländern und Drittstaaten sichere Reisekorridore zu schaffen, um grenzüberschreitendes Reisen zu ermöglichen (BT-Drs. 19/27812). Zudem sollten auf EU-Ebene verstärkt Konzepte für grenzüberschreitende Tourismusgebiete entwickelt werden.

Inwiefern sieht die FDP den Tourismus als Schlüsselbranche, die wesentlich dazu beiträgt, Schwellen- und Entwicklungsländer wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich zu stabilisieren? Sollte die Reisewirtschaft bei der Ausgestaltung der Entwicklungszusammenarbeit eingebunden werden?

Der Tourismus ist für viele Schwellen- und Entwicklungsländer von herausragender Bedeutung. Laut einer Studie des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) "Entwicklungsfaktor Tourismus" trägt der deutsche Tourismus 19 Milliarden Euro zum Bruttoinlandsprodukt in Entwicklungs- und Schwellenländern bei. Im Vergleich dazu stehen dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) für das Haushaltsjahr insgesamt 12,4 Milliarden Euro zur Verfügung. Der massive Rückgang des Tourismus im Zuge der COVID19-Pandemie hat zahlreiche Staaten stark belastet, Menschen in die Arbeitslosigkeit getrieben und auch Projekte und Vorhaben im Bereich der öffentlichen Infrastruktur und Naturschutz zum Erliegen gebracht. 

Angesichts der enormen Bedeutung des Tourismus für die sich entwickelnden Ökonomien vieler aufstrebender Staaten, ist eine enge Zusammenarbeit der staatlichen Entwicklungszusammenarbeit und der privaten Reisewirtschaft wünschenswert, um Synergien auszuschöpfen und einen möglichst nachhaltigen Einsatz der zur Verfügung stehenden Mittel zu gewährleisten.  

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