Deutsche Physikalische Gesellschaft DPG e.V.

Die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass viele Menschen leicht auf „Verschwörungsmythen“ hereinfallen und isolierte Meinungen zunehmend den öffentlichen Diskurs beeinflussen. Wie wollen Sie die Möglichkeiten der Politik nutzen, den faktenbasierten Dialog zu sichern und auszubauen?

Wir Freie Demokraten stärken die Bedeutung der Wissenschaften für eine sachliche Meinungsbildung in der Öffentlichkeit. Wir bekennen uns zum wichtigen Beitrag der Wissenschaften in demokratischen Beratungsprozessen, um faktenbasierte, redliche und vernünftige Entscheidungen zu ermöglichen. In unserer lernenden Demokratie sind wissenschaftliche Erkenntnisse eine unverzichtbare Grundlage, aber niemals ein Ersatz von politischer Debatte, Entscheidung und politischem Interessenausgleich. Technokratische Vorstellungen von einer Herrschaft der Expertinnen und Experten sind zutiefst undemokratisch. Wir lehnen sie ab. Vielmehr dienen wissenschaftliche Beiträge der demokratischen Aufklärung von Fakten, Optionen und Szenarien. Fortschritt entsteht gerade auch aus Widerspruch, Zweifeln und kritischer Diskussion.  Als Beitrag zur Versachlichung öffentlicher Meinungsbildung schlagen wir vor, Expertinnen- und Experten-Anhörungen in Parlamenten regelmäßig öffentlich zu übertragen. Das gilt auch für Anhörungen von Enquete-Kommissionen. Die Vielfalt der Beiräte in der Bundespolitik wollen wir auf den Prüfstand stellen, um sie neu und sinnvoll an Kriterien der Versachlichung, der Transparenz und der Priorität der Beratung von Parlamenten, nicht von Regierungen, ausrichten zu können. In umstrittenen Fragen sollten verstärkt Verfahren der gemeinsamen Faktenklärung („Joint Fact Finding“) durchgeführt werden.

Wir Freie Demokraten verteidigen die Freiheit von Forschung und Lehre. Wissenschaft lebt von einer offenen Debattenkultur. Gesetzliche Zivilklauseln lehnen wir ab. Das Ausgrenzen anderer Meinungen (Cancel Culture) widerspricht dem Verfassungsgrundsatz der Freiheit von Forschung und Lehre. Innerhalb der Grenzen des Grundgesetzes müssen auch schwer erträgliche Meinungen geäußert werden können. Deshalb wollen wir wissenschaftseigene Mechanismen der ethischen Selbstkontrolle stärken.

Es ist daher entscheidend, Glaubwürdigkeit und Vertrauen in die Wissenschaft zu stärken. Die Aufgabe sowohl für die Wissenschaft als auch für die Politik besteht darin, dieses Vertrauen zu gewinnen, zu halten oder gegebenenfalls zurückzugewinnen. Auch die Wissenschaftskommunikation muss diese Entwicklung erkennen und darauf reagieren. Wie das gelingen kann, hat die Fraktion der Freien Demokraten im Deutschen Bundestag in der Initiative „Echte Wissenschaftskommunikation – Glaubwürdig und beteiligungsstark (BT-Drs.-19/17517)“ festgehalten.

Der MINT-Bereich und die technischen Berufe stehen in Hinblick auf Chancengleichheit und Diversität vor großen Herausforderungen. Welche Maßnahmen planen Sie, um in den MINT-Fächern mehr Diversität beispielsweise bezüglich des Geschlechts, des Alters oder der sozialen Herkunft zu erreichen?

Schulen sollen die mathematisch-naturwissenschaftlichen Talente von Schülerinnen und Schülern besser entdecken können und nachhaltig fördern. Wir fordern daher eine Offensive für die Bildung in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT). Pädagoginnen und Pädagogen müssen für experimentelles und forschendes Lernen in allen Kitas ausgebildet werden. Mit modernen Makerspaces in Schulen ermöglichen wir allen Jugendlichen bessere Zukunftschancen. Auch fordern wir ein gezieltes Maßnahmenpaket für die Förderung von Mädchen und Frauen im MINT-Bereich. Als Teil des Pakets sollen Handlungsempfehlungen formuliert sowie vor dem Hintergrund neuer Erkenntnisse neue Projekte und Aufklärungskampagnen insbesondere für Eltern beauftragt werden. Bis zum 14. Lebensjahr ist die Neugier bei MINT-Themen zwischen Mädchen und Jungen noch recht ausgewogen. Allerdings nimmt das Interesse von Mädchen danach deutlich ab. Eine Studie der Universität Rostock zeigt, dass die eigene Sozialisation insbesondere durch das Elternhaus einen großen Einfluss auf die Wahl eines technikwissenschaftlichen Studiums hat und Modellprojekte sowie eventorientiere Angebote allein wenig zur Motivation und Wahl eines MINT-Studiums beitragen. Insofern müssen alle – Mädchen, Frauen und Eltern – in die Begleitforschung, Aufklärung und in Handlungsprojekte involviert sein.

Die Planung einiger großer privater Firmen, zehntausende Satelliten in der Erdumlaufbahn zu positionieren, gibt Anlass zur Sorge (Stichworte: SpaceDebris, Zugriff aufs Internet, Einschränkungen für die erdgebundene Astronomie). Sollte die Nutzung des Weltraums stärker international reguliert werden?

Wir Freie Demokraten wollen ein wegweisendes Weltraumgesetz, das den Unternehmen die notwendige Sicherheit für ihre Zukunftsinvestitionen gibt und Projekte sowie Vergaben schneller und flexibler realisiert werden können. Des Weiteren können auch zentrale umweltpolitische Fragen, wie die Vermeidung und Beseitigung von Weltraumschrott oder Regelungen und Anreizstrukturen für klimaschonende Technologien im Gesetz implementiert werden. Hierzu hat die Fraktion der Freien Demokraten eine Initiative eingebracht (vgl. „Horizonte erweitern – Tempo für die Raumfahrt“ BT-Drs.-19/15965). Wir brauchen Satellitendaten für unsere vernetzte Gesellschaft und Wirtschaft, für digitale Dienste, Technologien und Zukunftsprojekte. Die Entwicklung bahnbrechender Lösungen durch „New-Space-Unternehmen“ wollen wir fördern. Start-ups sowie kleine und mittelständische Unternehmen wollen wir gezielt einbinden – sowohl durch Beteiligung an großen EU-Vorhaben als auch durch den Staat als Ankerkunden. Ausschreibungen gestalten wir auch für junge Unternehmen passend. Während die privatwirtschaftliche Raumfahrt in anderen Ländern ungehindert wächst, stehen ihr in Deutschland vielerlei Hindernisse im Weg. Es fehlt an Wagniskapital, einem verlässlichen Rechtsrahmen und der Rückendeckung durch die Bundesregierung.

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