Verband der Restauratoren

Der Schutz des kulturellen Erbes gehört zu den Staatszielen. Es ist die Aufgabe u.a. von Restaurator*innen, dieses Ziel umzusetzen. Werden Sie sich dafür einsetzen, Transparenz darüber herzustellen, wer berechtigt ist, den Titel „Restaurator“ bzw. „Restaurator im Handwerk“ zu führen?

Wir Freie Demokraten treten für die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung ein. Der Beruf des/der Restaurator/ -in bzw. „Restaurator im Handwerk" kann sowohl in einem akademischen Studium als auch in einer handwerklichen Fortbildung erlernt und entsprechende Abschlüsse erworben werden. Da, wo die Nutzung der Berufsbezeichnung geschützt und erworbene Abschlüsse Voraussetzung für eine Tätigkeit in Wissenschaft und Praxis sind, treten wir für entsprechende Transparenz ein.

Der Beruf „Restaurator“ wird als freier Beruf z.B. von den Landesverbänden und dem Bundesverband der freien Berufe anerkannt. Wird sich Ihre Partei dafür einsetzen, den Restauratorenberuf verbindlich zur Liste der katalogisierten Berufe hinzuzufügen?

Die Restauratorinnen und Restauratoren sitzen hier, auch nach dem Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH), noch immer zwischen allen Stühlen. Die ständige Aufteilung zwischen Kunst und Gewerbe bzw. zwischen trennbaren Leistungen und nicht trennbaren, erzeugt nur Bürokratie ohne großen finanzpolitischen Nutzen. Im Sinne des Bürokratieabbaus könnte eine Einordnung in den Katalog der Freien Berufe daher durchaus sinnvoll sein.

Oft arbeiten Restaurator:innen unter materiellen Schwierigkeiten. Auch im Öffentlichen Dienst wird ihnen die der akademischen Ausbildung entsprechende Einstufung häufig versagt. Wird sich Ihre Partei dafür einsetzen, dass Restaurator:innen immer entsprechend ihrer Qualifikation eingestuft werden?

Für die Nöte hinsichtlich einer adäquaten Bezahlung im öffentlichen Dienst haben wir Verständnis. Wir setzen uns für ein modernes und flexibles öffentliches Dienstrecht ein, nachdem z.B. das Vorliegen von Studien- oder Berufsabschlüssen keine statischen Voraussetzungen für eine Einstellung sind , sondern  Bewerberinnen und Bewerber eine fehlende  formelle Ausbildung durch Eigenengagement und Berufserfahrung ausgleichen können (vgl. BT-Drs.-19/13519). Durch eine ausdifferenzierte Vergütungsstruktur sind mehr Aufstiegschancen zu schaffen. Auch projektbezogene Mehr- und Sonderarbeit und Zuschläge für besondere Aufgaben sind verstärkt zu nutzen. In einer Reihe von Tätigkeitsfeldern ist es weniger von Bedeutung, ob man einen entsprechenden Universitätsabschluss vorweisen kann, sondern vielmehr, ob man praktische Berufserfahrung in dem entsprechenden Feld gesammelt hat. Wir setzen uns daher auch für ein differenzierteres öffentliches Dienstrecht ein und sind offen dafür, die spezifischen Probleme des Berufes von Restauratorinnen und Restauratoren stärker zu berücksichtigen. 

Werden Sie sich dafür engagieren, dass der Master unabhängig von der Kategorie der erteilenden Bildungseinrichtung entsprechend den Regelungen der Bolognareform als gleichwertig anerkannt wird, egal ob an einer regulären Hochschule oder an einer Universität erworben?

Im Zuge der Bologna-Reform wurde sichergestellt, dass Bachelor- und Master-Studienabschlüsse europaweit als gleichwertig anerkannt werden. Es ist dabei unerheblich, ob der Bachelor-/Masterabschluss an einer Universität oder an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften bzw. Fachhochschule erworben wurde.

Werden Sie dafür sorgen, dass restauratorische Aufgaben tatsächlich von der öffentlichen Hand auch als solche ausgeschrieben werden, insofern dass auch Freiberufler an entsprechenden Ausschreibungen teilnehmen können?

Das Vergabrecht ist in weiten Teilen Landesrecht, die Verantwortlichen sitzen also in den Landtagen und den dortigen Ministerien bzw. Vergabestellen. Wo es auf spezielle restauratorische Fachkenntnisse im Rahmen musealer Ausstellungstücke bzw. des Denkmalschutzes ankommt, sind sicherlich die Vergaben so zu fassen, dass öffentliche Gelder hierbei nachhaltig eingesetzt werden und Fachexpertise ihre Wirkung entfaltet.

Grundsätzlich wollen wir Freie Demokraten die Freien Berufe stärken und fordern mehr Fairness für Selbstständige. Ob Freie Berufe, Handwerk, Kultur- und Kreativwirtschaft oder Dienstleistungsbranche: Selbstständige sind keine Erwerbstätigen zweiter Klasse. Mit unterschiedlichen Reformansätzen wollen wir die Selbstständigkeit erleichtern, sie als Selbstbestimmung ernst nehmen und für mehr öffentliche Wertschätzung von Selbstständigen sorgen. Ungleichbehandlungen wollen wir abbauen.

Beabsichtigt Ihre Partei, in politischer Verantwortung die Etablierung und den Erhalt von restauratorischen Studiengängen zu fördern?

Um der komplexen Aufgabe eines Restaurators gerecht zu werden, ist ein hohes Maß an fachlicher Expertise und interdisziplinärer Zusammenarbeit notwendig. Die in diesem Fachbereich an den Hochschulen ausgebildeten Restauratoren arbeiten daher eng mit Spezialisten anderer Forschungsrichtungen und Experten aus unterschiedlichen Gewerken des Handwerks zusammen. Nur durch dieses interdisziplinäre Zusammenwirken und die gegenseitige Anerkennung der jeweiligen Aufgabenbereiche im akademischen und handwerklichen Gebiet kann eine dauerhafte Sicherung der authentischen Substanz des materiellen Kulturerbes für nachfolgende Generationen erreicht werden.

Wir bedauern, dass der Bund die Unterstützung und Förderung der akademischen Restaurierung weitestgehend abgeschafft hat und sehen hier Handlungsbedarf, um zu vermeiden, dass wissenschaftliche Spitzenforschung in der Restauration als Voraussetzung zum Erhalt des materiellen Kulturgutes verdrängt wird (vgl. Kleine Anfrage BT-Drs.-19/27690).

Werden Sie sich dafür einsetzen, dass kunst- und kulturnahe Berufe künftig wieder einen bundesweiten Ansprechpartner in Form z.B. eines Kulturministeriums erhalten?

Wichtig ist, dass kunst- und kulturnahe Berufe einen klaren Ansprechpartner haben und die bestmögliche Unterstützung erhalten.

Der Kulturgut-Katastrophenfall kann auch im Inland eintreten, wie beim Stadtarchiv Köln, Hochwasser oder der Anna-Amalia-Bibliothek. Beabsichtigen Sie, Initiativen und Notfallverbünde zur Rettung kultureller Güter im Inland zu gründen und zu unterstützen, ähnlich dem Auswärtigen Amt?

Seit Beginn der Sammlung und Bewahrung von Kulturgütern in Bibliotheken, Museen und Archiven bestand und besteht die Gefahr, dass die oft über Jahrhunderte gesammelten und bewahrten Kunst- und Kulturschätze durch Naturkatastrophen oder durch menschengemachte Unglücke beschädigt oder komplett vernichtet werden. Diese Gefahr droht auch bis in die heutige Zeit hinein. Katastrophen müssen bereits im Vorfeld verhindert und im Schadensfall bestmöglich begegnet werden. Auch in der aktuellen Situation in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz gilt es, schnell zu sichern und zu handeln. Die Zuständigkeit für den Kulturgüterschutz und den Katastrophenschutz liegt aber bei den Ländern.

Die Arbeit der Notfallverbünde schätzen wir sehr und wollen, dass diese so strukturiert und unterstützt werden, dass sie ihren wichtigen Aufgaben bestmöglich nachkommen können.

 

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