Wahlprüfsteine von "Fachverband Deutscher Heilpraktiker (FDH)"

Fragen:

1. Status des Heilpraktikerberufs Heilpraktiker üben ihren Beruf selbständig, eigenverantwortlich und zumeist freiberuflich aus. Wir fragen an, ob lhre Partei sich für die Erhaltung des Heilpraktikers in der jetzigen Form als freien und selbständigen Heilberuf neben dem Arzt einsetzt, um den Bürgerinnen und Bürgern neben der ärztlich-medizinischen Bedarfsdeckung den Heilpraktiker als eigenständigen Ansprechpartner für seine subjektiven gesundheitlichen Bedürfnisse in Bezug auf natürliche und nebenwirkungsarme Heilmethoden zu ermöglichen?

Grundsätzlich setzen wir Freie Demokraten uns für den Erhalt des Heilpraktikers in der jetzigen Form als freien und selbständigen Heilberuf neben dem Arzt ein. Die Freiberuflichkeit der Heilberufe ist aus liberaler Sicht Grundvoraussetzung für ein leistungsfähiges Gesundheitswesen. Wir sehen heilpraktische Behandlungen als ein wichtiges Ergänzungsangebot für Patientinnen und Patienten, das jedoch nicht als Alternative zur Schulmedizin verstanden werden darf.

2. Regelung der Ausbildung Die Zulassung zur Berufsausübung wird einer bundeseinheitlich geregelten Überprüfungsordnung unterstellt. Vorgaben zu Ausbildungs- und Prüfungsstandard sind jedoch nicht staatlich geregelt. Das ist zum einen historisch bedingt, zum anderen auch der Tatsache geschuldet, dass es für den Großteil naturheilkundlicher und unkonventioneller Therapieverfahren keine (wissenschaftlich) anerkannten Standards gibt. Aus- und Fortbildung werden berufsständisch angeboten und geregelt, die Qualitätsanforderungen orientieren sich an den Vorgaben zum Patientenschutz und sind transparent dargelegt. Wir plädieren für eine standardisierte Ausbildung in berufsständischer Verantwortung, die unsere Kompetenzen bewahrt und der dem Heilpraktikerwesen konstitutiv innewohnenden Methodenvielfalt gerecht wird. Wie ist die Haltung lhrer Partei dazu?

Es müssen verbindliche Pflichten zur Qualitätskontrolle und Weiterbildung für Heilpraktiker eingeführt werden und eine Neuregelung des Heilpraktikergesetzes verabschiedet werden, die durch den Abschluss eines Studiums oder einer Ausbildung in einem Gesundheitsberuf nachgewiesene medizinische Kenntnisse voraussetzt. 

3. Therapiefreiheit Wie der ärztliche Beruf verfügt auch der Beruf des Heilpraktikers über Therapiefreiheit. Gesetze und laufende Rechtsprechung regeln deren Umfang - unserer Ansicht nach ausreichend - um einen umfänglichen Patientenschutz zu gewährleisten. Das belegen auch die Zahlen der für Heilpraktiker vorgeschriebenen Berufshaftpflichtversicherung, hier werden seit Jahrzehnten keine nennenswerten Schadensfälle registriert. Trotzdem wird aufgrund von Einzelfällen, bei denen ein Heilpraktiker durch Gesetzesverstöße Patienten zu Schaden gebracht hat, von verschiedenen Gruppierungen Einschränkungen unseres Therapieumfangs (z. B. invasive Maßnahmen) generell für den gesamten Berufsstand gefordert. Unterstützt lhre Partei solche Forderung? Wie steht lhre Partei generell zu Beschränkungen unserer Therapiefreiheit?

Als Freie Demokraten stehen wir grundsätzlich zur Therapiefreiheit. Invasive Eingriffe sollten aus unserer Sicht jedoch approbierten Ärztinnen und Ärzten vorbehalten bleiben. Ebenso wollen wir den Therapieumfang insbesondere bei besonders schweren Erkrankungen auf den Prüfstand stellen.

4. Ausweitung eines Behandlungsverbots bestimmter Erkrankungen Eine Reihe von Gesetzen regelt den sogenannten Aztvorbehalt bei der Behandlung bestimmter Erkrankungen (2.8. das lnfektionsschutzgesetz, das Zahnheilkundegesetz u.a.) sowie Tätigkeitsbereiche, die nur Ärzten oder weiteren Gesundheitsberufen vorbehalten sind (z. B. Transfusionsgesetz, Hebammengesetz etc. ) Aus den Reihen anderer Berufe im Gesundheitswesen und auch von einigen Gesundheitspolitikern wird jedoch immer wieder die Forderung laut, Heilpraktikern vor allem die Behandlung sog. schwerer Erkrankungen insbesondere Krebserkrankungen, zu verbieten und damit auch den betroffenen Patienten die Wahlfreiheit ihrer Behandlung zu nehmen. Wie steht lhre Partei zu derartigen Behandlungsverboten?

Selbstverständlich werden wir das Recht des Patientinnen und Patienten nicht antasten, die Behandlungsentscheidung selbstständig zu treffen. Ebenso selbstverständlich muss den Krankenkassen das Recht vorbehalten sein, Leistungen nicht zu erstatten, deren medizinischer Nutzen nicht erwiesen ist, sodass der Patient eine Heilpraktikerbehandlung in diesem Fall selbst bezahlen muss. Dieses Recht des selbstzahlenden Patientinnen und Patienten soll unangetastet bleiben. Die Anforderungen an die Erlaubniserteilung für Heilpraktiker müssen jedoch erhöht werden. Den Arztvorbehalt bei besonders schweren Erkrankungen werden wir in Absprache mit den beteiligten Akteuren prüfen.

5. Zukunft naturheilkundlicher Arzneimittel Die Arzneimittel der besonderen Therapierichtungen, also Phytopharmaka, Homöopathika und Anthroposophika, bilden eine traditionelle und zugleich aktuelle wie bedeutende Säule der Arzneimittelversorgung. Sie werden von der Bevölkerung in Deutschland als deutlich besser verträglich, aber gleich wirksam gegenüber chemisch-synthetischen Arzneimitteln bewertet und erfreuen sich einer großen Nachfrage. Derzeit werden aus politischen Kreisen Forderungen laut, insbesondere Homöopathika aus der Einstufung als Arzneimittel zu entfernen. Damit würden diese Mittel den strengen Qualitätsanforderungen des Azneimittelgesetzes entzogen (Patientenschutz?) sowie die Vielfalt in der Patientenversorgung empfindlich geschmälert. Sprechen Sie sich für die Erhaltung dieser Mittel als Arzneimittel aus? Und würden Sie sich ggf. auch dafür einsetzten?

Grundsätzlich stehen wir Freie Demokraten dem Erhalt dieser Mittel als Arzneimittel offen gegenüber. Auch hier gilt: Selbstverständlich werden wir das Recht des Patienten nicht antasten, die Behandlungsentscheidung und hierbei auch die Entscheidung, welches verschriebene Medikament er nehmen möchte, selbstständig zu treffen. Ebenso selbstverständlich muss den Krankenkassen das Recht vorbehalten sein, Leistungen nicht zu erstatten, deren medizinischer Nutzen nicht erwiesen ist, sodass der Patient entsprechende Medikamente in diesem Fall gegebenenfalls selbst bezahlen muss.

 

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