Wahlprüfsteine von "BerufsVerband Oecotrophologie e.V. (VDOE) "

Fragen:

Ernährungsberatung und -therapie: Ein Berufsfeld für Profis – mit Zukunft? Welchen Stellenwert räumt Ihre Partei der Ernährungsberatung/Ernährungstherapie durch unsere akademisch ausgebildete Berufsgruppe ein?

Für uns Liberale ist völlig klar, dass wir zur Gesundheitsprävention die Menschen in der Bildung über Ernährungsfragen so früh wie möglich schulen wollen. Dafür brauchen wir dringend augebildetes Fachpersonal. Dasselbe gilt auch im therapeutischen Bereich, wo wir zum Beispiel bei vielen sogenannten Volkskrankheiten vielversprechende Ansätze im Sinne der Patientinnen und Patienten sehen. Ernährungsberatung und Ernährungswissenschaft hat aus unserer Sicht Zukunft.

Wie möchten Sie die strukturelle und eindeutige Verankerung der Ernährungsberatung und -therapie im Gesundheitssystem erreichen?

Wir Freie Demokraten wollen dazu, wie aus anderen Antworten detaillierter hervorgeht, die Selbstverwaltung in ihren Entscheidungen unterstützen, indem wir die Forschung und die Instrumente des Präventionsgesetzes nutzen, um die Zusammenhänge zwischen Gesundheit und Ernährung an den relevanten Schnittstellen hervorzuheben. 

Welche Möglichkeiten sehen Sie, dass Oecotrophologen und Ernährungswissenschaftler, die für die Abrechnung von Ernährungsberatung und -therapie mit den Krankenkassen ein Studium plus eine zusätzliche Qualifikation in Form eines Zertifikates Ernährungsberatung vorweisen müssen, auch adäquat und leistungsgerecht bezahlt werden?

Die Frage der Qualifizierung der Leistungen und der Höhe der Vergütungen ist Sache der Selbstverwaltung. Die Politik kann und sollte aus unserer Sicht hier nur begrenzt im Rahmen des dienstaufsichtlichen Instrumentariums eingreifen. Wir Freie Demokraten setzen uns – wie für andere Gesundheitsberufe auch – dafür ein, dass klare Regelungen für die Abrechnungen bestehen und die Höhe der Vergütungen dem Wert der Leistungen entspricht.

Wie möchten Sie daran mitwirken, dass die Ernährungsberatung und -therapie nur durch qualifizierte Ernährungsexperten wie bspw. Oecotrophologen oder Ernährungswissenschaftler ausgeübt wird?

Aus unserer Sicht tragen zunächst einmal klare und transparente Regelungen zu den Berufsbildern dazu bei, vor unqualifizierten Anbietern zu schützen. Ansonsten sehen wir die Instrumente zur Qualitätssicherung der Versorgung als geeignete Mittel, um die Qualifikation bei der Leistungserbringung in allen Tätigkeitsfeldern zu sichern.

Die Lebensmittelwirtschaft: Ein wichtiger Arbeitgeber für unsere Mitglieder Wie möchten Sie die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Lebensmittelwirtschaft am Standort Deutschland erhalten und ausbauen?

Die deutsche Lebensmittelwirtschaft ist eine vielfältige Branche, sodass viele Teile unseres Wahlprogramms zur Verbesserung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Lebensmittelwirtschaft beitragen können und sollen. Wir werden uns insbesondere für die Verbesserung und Modernisierung der schulischen, außerschulischen und dualen Ausbildung und für eine leistungsfähige Digitalisierung einsetzen. Wir wollen die Gründerkultur in Deutschland voranbringen und einfachere Regeln für kleinere und mittlere Unternehmen schaffen.

Konkret wollen wir zum Beispiel das Sozialversicherungsrecht vereinfachen, die Vorfälligkeit der Sozialversicherungsbeiträge zurückdrehen und eine Mittelstandsklausel auf der Bundesebene einführen. Wir Freien Demokraten wollen eine Außenwirtschaftspolitik für den Mittelstand etablieren, so dass kleine und mittlere Unternehmen schneller und unbürokratisch neue Märkte bedienen können. Und wir wollen uns für eine unternehmerische und selbstbestimmte Landwirtschaft einsetzen. 

Welche Themen aus dem Bereich der Lebensmittelwirtschaft sehen Sie als die wichtigsten für die nächste Legislaturperiode an?

Die Lebensmittelwirtschaft in Deutschland stellt ca. fünf Millionen beziehungsweise zwölf Prozent der Arbeitsplätze in Deutschland zur Verfügung und ist maßgeblich am Bruttoinlandsprodukt beteiligt. Sie hat somit eine große volkswirtschaftliche Bedeutung für Deutschland. Die Lebensmittelwirtschaft versorgt uns zudem täglich mit hochwertigen, sicheren und "Preis werten" Mitteln zum Leben. Bei selbst bestimmter und richtiger Ernährung kann sich der Verbraucher in Deutschland ausreichend und ausgeglichen versorgen. Unterschiedliche Ernährungsformen sind Bestandteil unserer freien Gesellschaft, Ernährung sollte wissensbasiert und ideologiefrei erfolgen. Jegliche staatlich gelenkte Ernährung ist abzulehnen, für uns Freien Demokraten ist jeder Ernährungsform gleichberechtigt.

Trotz aller Erfolge steht die Lebensmittelwirtschaft aber vereinzelt im kritischen Fokus der Öffentlichkeit. Aus diesem Grund wollen wir Freien Demokraten insbesondere drei Bereiche in der nächsten Legislaturperiode weiter voranbringen. Wir wollen den Verbraucherschutz und die Verbraucheraufklärung stärken, damit Fehler schneller erkannt, verfolgt und geahndet werden und die Lebensmittelqualität gesichert wird. Wir wollen die Ernährungsberatung zielgruppenspezifisch voranbringen, damit die Lebensqualität erhalten bleibt. Und wir wollen Forschung und Entwicklung der Lebensmittelwirtschaft unterstützen, damit gesunde und innovative Nahrungsmittel uns auch in Zukunft zur Verfügung stehen.

Welche der geforderten ernährungspolitischen Instrumente oder Strategien hinsichtlich Gesundheit und Transparenz von Verbrauchern wie z.B. Steuern, Ampel oder Ähnliches, verfolgen Sie?

Wir Freie Demokraten wollen, dass ein in Ernährungsfragen gebildeter Mensch grundsätzlich seine eigenen Entscheidungen über sein Konsumverhalten trifft. Wir sehen es als staatliche Aufgabe an, dass notwendige Informationen zu Ernährungsprodukten ausreichend, sachlich, wahr und frei zugänglich sind. Jede Kennzeichnung, die diese Anforderung erfüllt, sehen wir als geeignet an. Wir wollen nicht, dass vermeintlich problematische Produkte über Verbote, zusätzliche Besteuerung oder Ähnliches der autonomen Verbraucherentscheidung entzogen werden. Natürlich gilt das nicht in besonderen Schutzbereichen wie zum Beispiel dem Jugendschutz.

Herausforderung durch und für eine alternde Gesellschaft: Versorgungsmanagement und Vermeidung von Mangelernährung Welche Rahmenbedingungen möchten Sie schaffen, damit die Versorgung älterer Menschen sich verbessert und auch mit Blick auf die Zukunft gewährleistet werden kann?

Wir Liberale wollen grundsätzlich die "Ernährungsbildung" der Menschen vom Kindergartenalter an systematisch verbessern und so Kenntnisse und Bewusstsein dauerhaft schaffen und ausbauen. Die Ernährung älterer Menschen ist für uns zudem ein klassischen Handlungsfeld der gesundheitlichen Prävention, sie muss zudem mit den Anforderungen an die ambulante und stationäre Pflege verknüpft werden.

Wie möchten Sie Rahmenbedingungen sicherzustellen, dass die Aufgabe einer bedürfnisorientierten und bedarfsgerechten Ernährung und Versorgung als Schnittstellenaufgabe in multiprofessionellen Teams erfüllt werden kann?

Wir wollen das auf Bundesebene vor allem durch die unten aufgeführte Ausrichtung der Forschung unterstützen, um die Schnittstellen und erforderlichen Qualifikationen besser zu identifizieren.

Wo sehen Sie Forschungsbedarf?

Wie schon aus den Antworten zu diesem Fragesegment ableitbar sehen wir Freie Demokraten dringenden Bedarf zur Identifikation der relevanten Schnittstellen und zu den Aufgaben in multiprofessionellen Teams. Die notwendige Vernetzung muss organisiert werden, dazu sind Kenntnisse des jeweils anderen Fachbereichs erforderlich und und ein Instrumentarium, dies sicherzustellen und weiterzuentwickeln.

Ernährungs- und Verbraucherbildung Wie möchte Ihre Partei sich für die Etablierung eines Faches Ernährungs- und Verbraucherbildung einsetzen?

Unser Leitbild für den Verbraucherschutz sind gut informierte, mündige Verbraucherinnen und Verbraucher. Dazu gehört eine umfassende Verbraucherbildung sowie Aufklärung und der öffentliche Zugang zu Informationen. Mit unserer Verbraucherschutzpolitik setzen wir auf eine Stärkung der Verbraucherinnen und Verbraucher im Markt und auf ihre frühzeitige Aufklärung und Sensibilisierung. Ernährungsbildung muss Wissen über gesunde Ernährung vermitteln, um die Menschen stark zu machen, ihre eigenen Interessen gegenüber den selbst ernannten Experten und Ernährungsgurus zu behaupten. Ernährungsbildung muss bereits im Kindergartenalter beginnen und in der Schule fortgesetzt werden. Erzieherinnen, Erzieher und Lehrkräfte brauchen entsprechende Qualifizierung. Bildungspläne sind allerdings Ländersache. Wir Freie Demokraten befürworten eine fächerübergreifende Verankerung des Themas „Ernährung“ in den Bildungskonzepten und Lehrplänen.

Kita- und Schulverpflegung im Fokus Wie möchte Ihre Partei dazu beitragen, dass die Vernetzungsstellen gestärkt werden?

Wir Freie Demokraten setzen uns dafür ein, dass Bund und Länder gemeinsam die Arbeit der Vernetzungsstellen evaluieren. Die Umsetzung von Best-Practice-Beispielen wollen wir erleichtern.

Wie möchten Sie weiter daran arbeiten, dass die Schul- und Kitaverpflegung für alle Beteiligten bezahlbar bleibt? Was sollten aus Sicht Ihrer Partei die nächsten Schritte sein, um eine gute und bezahlbare Kita- und Schulverpflegung noch weiter zu etablieren?

Die Fragen werden im Zusammenhang beantwortet:

Wir Freie Demokraten unterstützen die Forderung nach bezahlbarer Schulverpflegung und haben unter anderem hierfür das Bildungs- und Teilhabepaket auf den Weg gebracht, das sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen mehr Teilhabe im Schulbereich ermöglicht. Das umfasst auch die Bezuschussung der Schulverpflegung. Der bei den Familien verbleibende Betrag von 1,- EUR pro Mahlzeit ist insofern gerechtfertigt, da die Familien durch Inanspruchnahme einer Schulverpflegung Kosten für eine Verpflegung zuhause einsparen.Weitere Maßnahmen von Ländern und Kommunen sind möglich. Wir Freie Demokraten planen zurzeit keine weiteren bundeseinheitlichen Vorgaben hierzu.

Alle Maßnahmen der Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung von Schulverpflegung, die über das gesetzliche Maß der Lebensmittelsicherheit hinausgehen, obliegen den Schulträgern und Kommunen. Die Freien Demokraten befürworten die Weiterentwicklung der bundesweiten Standards für Schulverpflegung durch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung.

Präventionsgesetz Welcher Handlungsbedarf besteht auch in der nächsten Legislaturperiode beim Thema Prävention?

Wie schon in anderen Antworten spezifischer ausgeführt, sehen wir Freie Demokraten es in der nächsten Legislaturperiode als notwendig an, das Präventionsgesetz umzusetzen und vor allem mit Leben zu füllen. Dazu gibt es viel Handlungsbedarf, unter anderem muss die Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung in die Lage versetzt werden, ihren gesetzlichen Auftrag zu erfüllen. Das ist faktisch noch immer nicht geschehen. Die Ansätze, bestimmte Handlungsfelder zu identifizieren und mit konkreten Programmen zu versehen, sind ebenfalls noch nicht weit gediehen. Wir unterstützen die Ansätze des Präventionsgesetzes und sehen zunächst einmal keinen gesetzlichen Korrekturbedarf.

Wie möchten Sie gewährleisten, dass einerseits die Qualität der Anbieter im Bereich Prävention gewährleistet ist, andererseits die bürokratischen Hürden nicht zu hoch sind?

Die Qualität muss aus unserer Sicht vor allem im Bereich der Selbstverwaltung durch klare Anforderungen auf der Seite der Leistungsträger gesichert werden, auf der anderen Seite müssen die Leistungserbringer ihre Berufsbilder klar regeln und mit eindeutigen Qualitätsmerkmalern unterlegen. Wir Freie Demokraten unterstützen dies schon aus Gründen des Verbraucher- und Patientenschutzes

Welche Ideen haben Sie, damit die Prävention als Berufsfeld für unsere Berufsgruppe attraktiv bleibt?

Für uns Freie Demokraten ist völlig klar, dass der Auftrag aus dem Präventionsgesetz, Prävention in die Lebenswelten zu transportieren, der Bereich der Ernährung und der Ernährungsbildung eines der markanten Tätikeitsfelder darstellen muss. Gerade wir Liberalen wollen erreichen, dass die Menschen in diesem Bereich bereits früh geschult werden, um informiert und bewusst ihre selbständigen Entscheidungen treffen zu können. Dafür brauchen wir dringend die Fachkunde der Ökotrophologie.

Betriebliches Gesundheitsmanagement Was möchte Ihre Partei tun, um die Betriebliche Gesundheitsförderung weiter als Berufsfeld für Oecotrophologen und Co. zu stärken?

Die richtige Adresse für dieses Anliegen sind aus unserer Sicht die gemäß Präventionsgesetz erstellten und fortzuschreibenden Rahmenpläne der Nationalen Präventionskonferenz beziehungsweise die Entsprechungen in den Ländern. Wir Freie Demokraten sehen dies als einen wichtigen Handlungsbereich an, der zusätzlich durch gezielte Forschung unterstützt werden muss.

Wie möchten Sie gewährleisten, dass auch die Mitarbeiter kleiner und mittelständischer Unternehmen und Institutionen Chancen auf die Inanspruchnahme von BGF haben?

Wir Freie Demokraten möchten hier die Möglichkeiten nutzen, die die Ansätze des Präventionsgesetzes bieten. Der Auftrag, gesundheitliche Prävention in die Lebenswelten zu transportieren, erfasst selbstverständlich auch die Arbeitswelt. Damit sind auch die Beschäftigten in kleinen und mittleren Unternehmen als Ziegruppe angesprochen. Die bereits bestehenden Erkenntnisse müssen ausgebaut und leichter handhabbar gemacht werden. Den Unternehmen muss deutlicher werden, dass BGF auch betriebswirtschaftlich sinnvoll ist, weil eine gesündere Belegschaft motivierter, leistungsfähiger und seltener arbeitsunfähig erkrankt ist.

Wo sehen Sie Forschungsbedarf?

Im Bereich der betrieblichen Gesundheitsförderung sehen wir Liberale es als besonders wichtig an, die Zusammenhänge zwischen gezielter und gesundheistbewusster Ernährung und den für die Betriebe bedeutsamen Faktoren zur Arbeits- und Leistungsfähigkeit deutlicher und nachvollziehbar herauszuarbeiten und ein handhabbares und bewertbares Instrumentarium zu entwickeln.  

Beruf, Arbeit und Karriere: Als Angestellter oder Selbstständiger Wie bewerten Sie diesen Umstand und welche Überlegungen hat Ihre Partei zu diesem Thema?

Kleine Unternehmen, Freiberufler, Solo-Selbständige und Freelancer sind ein wesentlicher Bestandteil unseres erfolgreichen Mittelstands. Diesen Mittelstand wollen wir Freie Demokraten stärken. Unser Berufsleben wird immer bunter. Gerade in der digitalen Arbeitswelt warten viele neue Tätigkeitsfelder und Geschäftsideen. Daher wird sich auch die berufliche Situation vieler Menschen häufiger verändern. Sie können öfter zwischen Anstellung und Selbstständigkeit, Voll- und Teilzeit sowie In- und Ausland wechseln. All das muss ohne Nachteile für die eigene soziale Absicherung möglich sein. Wer etwa aus der Anstellung in die Selbstständigkeit wechseln will, darf bei der Altersvorsorge nicht benachteiligt werden, sondern muss zum Beispiel seine Riester-Förderung behalten können.

Wir Freie Demokraten wollen zudem eine stärkere Rechtssicherheit für Selbsständige schaffen. Denn die bisher angewendeten Negativkriterien im Rahmen des Statusfeststellungsverfahrens der Deutschen Rentenversicherung sind aus der Zeit gefallen und passen nicht mehr auf eine moderne Projekt- und Dienstleistungswirtschaft. Das bisherige Verfahren ist langwierig, im Ergebnis unvorhersehbar und bietet damit weder Verfahrens- noch Rechtssicherheit für die Beteiligten. Für Freiberufler und Selbstständige muss durch Positiv-Kriterien Rechtssicherheit geschaffen werden, indem das Vorliegen eines einzelnen oder einer Kombination von mehreren Kriterien eine Selbstständigkeit sichergestellt nachweisbar macht.

In der Gesetzlichen Krankenversicherung wollen wir die Beitragsbemessung für Selbständige an den tatsächlichen Einnahmen orientieren – alles andere ist unfair. Grundsätzlich sollen bei der Krankenversicherung jede Bürgerin und jeder Bürger frei und unabhängig vom Einkommen wählen können, ob sie oder er sich für den Versicherungsschutz bei der gesetzlichen Krankenversicherung oder bei einem Anbieter der privaten Krankenversicherung entscheidet. Wir Freie Demokraten wollen die Möglichkeiten vereinfachen, zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung zu wechseln. Hierbei wollen wir die Angebote beider Systeme erhalten und so sicherstellen, dass jeder Mensch die Möglichkeit hat, das für sich und seine Lebensform am besten geeignete Modell zu wählen. Ebenso muss es Rückwege aus der PKV in die GKV geben.

Wie möchten Sie Gefahr von Altersarmut bei Selbstständigen begegnen?

Wir Freie Demokraten wollen Selbstständige zur Altersvorsorge verpflichten und ihnen zugleich ein umfassendes Wahl- und Gestaltungsrecht bei der Vorsorgeform einräumen. Denn zahlreiche Selbstständige haben heute im Alter kein ausreichendes Einkommen. Sie sind auf Leistungen der Grundsicherung angewiesen, für die die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler aufkommen müssen. Um dieser Gefahr vorzubeugen, sollen Selbstständige künftig für eine Basisabsicherung im Alter vorsorgen. Sie soll zu einer Rente führen, die oberhalb des Grundsicherungsniveaus liegt. Alle Selbstständigen, die nicht Pflichtmitglied in einem berufsspezifischen Alterssicherungssystem sind, sollen dabei die Freiheit haben, ihre Vorsorgeform selbst zu wählen. So können sie entscheiden, ob sie privat etwa im Rahmen einer steuerlich geförderten Basisrente oder freiwillig in der gesetzlichen Rentenversicherung für das Alter vorsorgen. Die Pflichtversicherung einzelner Selbstständiger in der gesetzlichen Rentenversicherung wollen wir abschaffen. Neben Rentenversicherungsverträgen sollen auch Fonds, Immobilien und Rückstellungen aus dem Betriebsvermögen anerkannt werden. Zusätzlich zu dieser Wahlfreiheit wollen wir weitreichende Übergangsvorschriften und Karenzzeiten für Gründer schaffen, um größtmögliche Eigenständigkeit, Flexibilität und Freiheit der Selbstständigen zu gewährleisten.

Sollte aus Ihrer Sicht Familienarbeit honoriert werden und wie könnte das gewährleistet werden?

Wer Familienarbeit leistet, hat häufig das Anforderungsprofil eines Managers. Es gilt nicht nur Partnerschaft, Kindererziehung und Haushaltsführung in Einklang zu bringen, sondern eventuell noch einen (bezahlten) Job zu meistern, und alles in Teamwork zu bewältigen. Die notwendigen Rahmenbedingungen, in denen jeder sein Leben nach seinen Wünschen und Bedürfnissen gestalten kann, sind dabei durch die Politik zu gewährleisten.

Wir Freie Demokraten wollen, dass jede Familie passende Rahmenbedingungen vorfindet, um die Vereinbarkeit von erfülltem Familienleben und existenzsichernder Berufstätigkeit zu erleichtern. Wir setzen uns dafür ein, dass alle Eltern frei entscheiden können, welches Arbeitsmodell sie wählen. Damit Väter und Mütter Beruf und Familie besser vereinbaren können, wollen wir flexible Angebote zur Kinderbetreuung, auch in Betrieben, fördern. Einseitige Modelle, wie die Steuerklasse V, wollen wir abschaffen. Wir fordern einen flexiblen Arbeitsmarkt, der Eltern faire Chancen bietet. Wir setzen wir uns für flexible Arbeitszeitmodelle und digitale Arbeitsplätze ein. So wird zeit- und ortsunabhängiges Arbeiten möglich, sodass Familie und Job leichter vereinbar sind. Wir wollen Langzeitkonten für Arbeitszeit fördern, um mehr Souveränität in der beruflichen Lebensgestaltung zwischen Beruf und Familie zu ermöglichen und damit insbesondere mehr Luft in der „Rush-Hour“ des Lebens zu schaffen. Ein Langzeitkonto (auch Wertguthaben- oder Zeitwertkonto genannt) funktioniert so: In einer arbeitsintensiven Phase sammeln Arbeitnehmer Überstunden, Boni, Resturlaub und Sonderzahlungen an. Diese werden in ein Wertguthaben auf dem Langzeitkonto umgewandelt. Auch über eine steuerfreie Entgeltumwandlung von Teilen des Gehaltes und Zuschüsse des Arbeitgebers kann man Geld ansparen. Das Langzeitkonto soll unabhängig vom Arbeitgeber werden, damit einfacher als heute übertragbar sein und das Guthaben für alle Formen der Freistellungen genutzt werden können. Bestehende Einschränkungen, etwa in der Kombination mit Elterngeld, sollen beseitigt werden. Seitens der Unternehmen brauchen wir Bürokratieabbau und Vereinfachungen in der Durchführung, etwa bei Berichtspflichten und der Entstehung von Urlaubsansprüchen während der Auszeiten. Zudem sollte es mehr Freiheiten bei der Kapitalanlage geben. Damit schaffen wir mehr Zeitsouveränität und Flexibilität und erleichtern die Umsetzung individueller Vorstellungen in der Lebensführung.

Ergibt aus Ihrer Sicht ein Rückkehrrecht auf eine Vollzeitstelle Sinn?

Für uns Freie Demokraten ist es die Aufgabe von Arbeitgebern und Gewerkschaften den Arbeitsalltag zu regeln. Ein gesetzliches Rückkehrrecht von Teil- in Vollzeit hat immer zwei Seiten: Für die einen bedeutet sie mehr Planungssicherheit, für die Ersatzarbeitskraft hingegen erhöht sie die Unsicherheit. Befristete Beschäftigungen würden dadurch zwangsläufig steigen. Deshalb muss der Ausbau von Betreuungsmöglichkeiten bei der Förderung der Vollzeiterwerbstätigkeit Vorrang haben.

Immer häufiger sind Stellen befristet. Gibt es aus Ihrer Sicht Pläne und Notwendigkeit, an diesem Umstand etwas zu ändern?

Wir Freie Demokraten verteidigen einen flexiblen Arbeitsmarkt und die Tarifautonomie. Flexibilität am Arbeitsmarkt schafft nicht nur Möglichkeiten zum Einstieg, sondern reduziert auch Arbeitsplatzverluste in Krisen und hat wesentlich dazu beigetragen, die Arbeitslosigkeit zu senken. Wir wollen deshalb die Möglichkeiten zur Befristung erhalten und, wo es sinnvoll ist, weiter entwickeln, beispielsweise um Kettenbefristungen zu vermeiden.

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