Wahlprüfsteine von "Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur e.V. GMK"

Fragen:

1. Wie steht Ihre Partei zur Dringlichkeit der Umsetzung der KMK-Vorschläge „Bildung in der digitalen Welt“? Wie sieht die diesbezügliche Agenda aus?

Wir Freie Demokraten sind überzeugt: Die Digitalisierung eröffnet großartige Möglichkeiten im Bereich der Bildung, insbesondere für individuelles Lernen gemäß den eigenen Bedürfnissen und Talenten, für neue Methoden und Formate, die zu den unterschiedlichsten Lebensentwürfen passen, und für eine neue Qualität von Bildung. Wir begrüßen, dass die Kultusministerkonferenz ihre länderübergreifende Strategie „Bildung in der digitalen Welt“ vorgelegt hat, und treten mit Nachdruck für ihre Umsetzung ein. Folgende Arbeitsschwerpunkte haben wir uns für den Bereich „Digitalisierung“ in unserem Wahlprogramm gesetzt:

1.000 EUR Technik-Investition pro Schülerin und Schüler

Wir Freie Demokraten wollen in den nächsten fünf Jahren pro Schüler zusätzlich insgesamt 1.000 Euro für Technik und Modernisierung investieren. Neue Technologien und Methoden bieten Raum für Kreativität und Neugier und werden immer wichtiger für spätere Berufe. Wir müssen nicht nur die Anwendung digitaler Instrumente, sondern auch das Verständnis für die technologischen Zusammenhänge sowie Kenntnisse von Programmiersprachen vermitteln. Um diese Chancen zu nutzen, brauchen Kinder Anleitung in Schulen mit entsprechender Ausstattung. Die technische Aufrüstung unserer Schulen erfordert eine finanzielle Kraftanstrengung. Deshalb streben wir Freie Demokraten einen Staatsvertrag zwischen Bund und Ländern an: Hier soll der Ausbau der digitalen Infrastruktur geregelt werden. Dafür sollen Anreize für die kommunalen Träger der Schulen geschaffen werden, um durch den Ausbau digitaler Infrastrukturen die Integration der digitalen Bildung voranzutreiben. Die Länder werden dafür in die Pflicht genommen, die digitale Bildung als festen Bestandteil in der Lehreraus- und -weiterbildung zu verankern und die Lehrerinnen und Lehrer fit zu machen für die Zusammenhänge der Digitalisierung sowie im Umgang mit und beim Einsatz neuer digitaler Medien.

Medienkompetenz in die Bildungsstandards

Wir Freie Demokraten fordern einen Fokus auf Medienkompetenz in den Bildungsstandards. Dank der digitalen Revolution hat man ganze Bibliotheken jederzeit zur Hand. Doch Informationen werden nicht durch Suchmaschinen zu Wissen und die vielen digitalen Kanäle können auch schnell zu Überforderung führen. Im digitalen Zeitalter sind Nachrichten immer, überall und sofort verfügbar. Menschen müssen lernen, sich daraus eine sachkundige eigene Meinung zu bilden. Hierzu müssen sie in der Lage sein, aufgrund von fundiertem Fachwissen aus der Informationsflut die Spreu vom Weizen zu trennen und Quellen kritisch zu hinterfragen. Dazu gehört von klein auf die Vermittlung von Medien- und Methodenkompetenz. Dementsprechend sollen auch in Prüfungen künftig moderne Konzepte wie „Open Book Tests“ oder internetfähige Geräte zum Einsatz kommen dürfen. Lehrerinnen und Lehrer sollen im Bereich Medienkompetenz verpflichtend weitergebildet werden.

Lebenslanges Lernen mit Online-Tools

Wir Freie Demokraten setzen uns für ein lebenslanges Lernen ein. Gerade kombiniertes Lernen bietet hierfür viele Möglichkeiten durch die Kombination aus Präsenzunterricht, Online-Selbstlerneinheiten und Praxisphasen. Jeder Mensch spricht auf andere Methoden an und zieht erst aus der Vielfalt von Angeboten das beste Ergebnis für sich. Die Kombination verschiedener Unterrichtsformen vermittelt und nutzt den Umgang mit verschiedenen Methoden und Lernkanälen. Die Bildung in Deutschland wird so zukunftsweisend gestaltet, indem mit digitalen Medien und über digitale Medien gelernt wird.

2. Wie kann die medienpädagogische und mediendidaktische Aus- und Fortbildung von Lehrpersonen nach der Meinung Ihrer Partei effektiv und kurzfristig angegangen werden? Welche Anreize können politisch geschaffen werden, um medienpädagogische Professionalisierung für alle pädagogischen Fachkräfte verbindlich und breitenwirksam zu verankern?

Weltbeste Bildung für jeden funktioniert nur mit den weltbesten Lehrerinnen und Lehrern. Dafür brauchen wir die richtigen Rahmenbedingungen. Nur dann werden sich die Besten der Herausforderung des Lehrerberufs stellen. Wir müssen daher alle Anstrengungen unternehmen, um die Lehrkräfte fit für die Vermittlung digitaler Kompetenzen zu machen. Die Länder sollen sich in einem Staatsvertrag verpflichten, ihr Lehrpersonal in den nächsten Jahren mittels einer Fortbildungsoffensive dahingehend weiterzubilden, dass die Infrastruktur auch tatsächlich eingesetzt und genutzt wird. Denn entscheidend für gute Bildung ist auch in Zukunft die Lehrkraft. Alle Studien zeigen: Zentral sind und bleiben die Lehrerinnen und Lehrer. Kein Computer kann sie ersetzen. Daher müssen wir Maßnahmen ergreifen, um auch wieder die Besten der Besten, die Geeignetsten und Fähigsten als Lehrkräfte für unsere Bildungseinrichtungen zu gewinnen sowie zeitgemäße Aus-, Fort- und Weiterbildung zu ermöglichen. Und auch für die Lehrkräfte muss eine zeitgemäße digitale Infrastruktur in Bildungseinrichtungen gewährleistet sein. Wir müssen unseren Teil dazu beitragen, damit Lehrkräfte ein Leben lang motiviert jede Schülerin und jeden Schüler bestmöglich fördern und fordern können. Dies gelingt nur, wenn die Lehrerinnen und Lehrer selbst die Bereitschaft zeigen, sich permanent den neuen Herausforderungen der Digitalisierung zu stellen und dabei nachhaltig unterstützt werden.

Wir Freie Demokraten treten für die Stärkung der Eigenständigkeit und Gestaltungsfreiheit der Schulen ein. Sie sollen selbst über ihr Budget, ihr Profil und ihr Personal entscheiden können. Bundeseinheitliche Bildungsstandards geben das Ziel vor, sich am Niveau der besten Bildungseinrichtungen der Welt zu orientieren. Ob die einzelne Schule sie erreicht, wird geprüft und transparent gemacht. Hierdurch wird ein Rahmen für einen produktiven Qualitätswettbewerb der Schulen geschaffen. So haben die Schulen ein Interesse daran, dass ihre Lehrkräfte die Auswirkungen der Digitalisierung verstehen, sicher und zielführend mit Medien umgehen können und sich regelmäßig in diesem Bereich fortbilden. Wenn die Schulen jeweils ein Fortbildungsbudget erhalten, können ihre Lehrer sowohl Fortbildungsveranstaltungen im Kultusbereich als auch auf dem freien Markt besuchen. Wenn die Schulleiter zudem die Möglichkeit haben, Gehaltserhöhungen und Beförderungen an die Voraussetzung der Teilnahme an Fortbildungen zu knüpfen, ist ein starker Anreiz zu regelmäßiger Teilnahme an Fort- und Weiterbildungsangeboten gegeben.

3. Wie steht Ihre Partei zu frühkindlicher Medienkompetenzvermittlung?

Gerade weil der Umgang mit Medien und Informationen im digitalen Zeitalter von elementarer Bedeutung ist, gilt es Medien- und Methodenkompetenz von klein auf altersgerecht zu vermitteln. Nach unserer Auffassung sollte die Medienbildung selbstverständlicher Bestandteil der frühkindlichen Bildung in den Kindergärten/ Kindertagesstätten beziehungsweise der Kindertagespflege sein. Hier hinein gehört auch das Verständnis von der Funktionsweise informationstechnischer Systeme, künstlicher Intelligenz und Computersprache.

4. Im 15. Kinder- und Jugendbericht wird unter dem Stichwort „Jugend ermöglichen“ auf die Bedeutung außerschulischer Jugendarbeit und die Herausforderungen angesichts der Digitalisierung hingewiesen. Welche Konzepte unterstützt Ihre Partei, um die Kinder- und Jugendarbeit bei der Begleitung von Jugendlichen für diese Aufgabe auszubauen?

Digitale Medien eröffnen Kindern und Jugendlichen zahlreiche Möglichkeiten, bringen aber auch das Erfordernis mit sich, sich in dieser Welt der ungezählten Möglichkeiten zurechtzufinden und diese sinnvoll bei ihrer Entwicklung zu nutzen. Deshalb kommt der Medienbildung aus unserer Sicht eine besondere Bedeutung zu. Die Kinder- und Jugendarbeit eröffnet jungen Menschen Gelegenheiten jenseits der festgefügten Räume Familie und Schule. Sie können sich frei mit Gleichaltrigen treffen, neue Erfahrungen machen und auch Verantwortung übernehmen. Deshalb kann die Kinder- und Jugendarbeit eine besonders geeignete Vermittlerin von Medienkompetenz sein. Wenn die Träger der Kinder- und Jugendarbeit den Schwerpunkt „Medienkompetenz“ ausbauen, begrüßen und unterstützen wir Freie Demokraten dies.

5. Welchen Stellenwert misst Ihre Partei dem Einsatz von freier Software und Open Source zum Aufbau von IT-Angeboten im Bildungsbereich bei und welche entsprechenden Fördermaßnahmen planen Sie?

Grundsätzlich sollten Bildungs- und Wissensinhalte öffentlicher Bildungseinrichtungen weitestgehend digitalisiert werden und die finanziellen, rechtlichen und technischen Barrieren zur Nutzung von Online-Angeboten so weit wie möglich reduziert werden. Im Schulbereich kann dies über eine (landesweite) Schul-Cloud erfolgen. Im Hochschulbereich setzen wir uns dafür ein, alle Begleitmaterialien zu Vorlesungen, Arbeitsgemeinschaften, Seminaren und sonstigen Lehrveranstaltungen frei zugänglich ins Internet zu stellen. Hiervon ausgenommen sind lediglich Teile der Materialien, die durch außeruniversitäre Leistungsschutzrechte geschützt sind, sowie aus didaktischen oder prüfungsrechtlichen Gründen bezogen auf ihre Veröffentlichung unabdingbar mit zeitlicher Restriktion verbundene Materialien (z.B. Klausuren und deren Lösungen).

Im Bereich der Wissenschaft und Forschung muss sichergestellt werden, dass Forschungsergebnisse und Publikationen, die durch öffentliche Mittel finanziert wurden, auch der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Deshalb setzen sich die Freien Demokraten für eine Stärkung des Open Access-Prinzips ein. Universitäten, Institute, Forschungseinrichtungen und Wissenschaftler sollen demnach das unveräußerliche Recht erhalten, ihre eigenen Forschungsergebnisse und Publikationen auf eigenen Servern der Öffentlichkeit vollständig zugänglich zu machen.

6. Unterstützen Sie die Einrichtung einer zentralen „deutschen Bildungscloud“ oder – wie in der KMK-Strategie vorgeschlagen – die dezentrale Vernetzung bestehender Angebote der Länder, indem allgemein verbindliche technische Schnittstellen zwischen diesen und den Plattformen von Anbietern von Bildungsmedien eingerichtet werden?

Schulen sollen sich zu digitalen Lernnetzwerken entwickeln, nachdem die Hochschulen als Forschungsnetzwerke und Anbieter von digitalen Lehr- und Lernangeboten bereits vorangehen. Diese Vernetzung erfolgt ebenso zwischen den Schulen untereinander (weltweit) wie zwischen Schülerinnen und Schülern und Lehrkräften, jeweils sowohl untereinander als auch miteinander. Dazu müssen Partizipationsplattformen entwickelt werden, die für Kinder und Jugendliche geeignet sind. Damit wird kooperatives Arbeiten auf der Ebene von Schülerinnen und Schülern sowie zwischen Schulen – auch international – Standard. Wir Freie Demokraten unterstützen mit Nachdruck die Entwicklung solcher Plattformen und die bundesweite Vernetzung der entsprechenden Angebote der Länder anhand verbindlicher Schnittstellen, wie von der Kultusministerkonferenz vorgeschlagen. Wir wollen uns dafür einsetzen, dass zügig Lösungen zur Beseitigung der Hemmnisse erarbeitet werden, die dem Aufbau dieser Bildungsclouds beziehungsweise einer Bildungscloud derzeit noch im Weg stehen.

7. Welche Maßnahmen halten Sie für gestaltbar, um Bildungseinrichtungen vor rechtlichen Problemkonstellationen hinsichtlich Medieninhalten und -nutzung (z. B. Lizenzierungen, Urheberrecht, Lobbyismus) zu schützen und wie wollen Sie den Zugang zu und den Einsatz von freien Bildungsmaterialien (OER) fördern?

Eine Bildungscloud, auf der digitale und interaktive Lehr‐ und Lernmittel genutzt und unter ihren Nutzern ausgetauscht werden können, könnte aus Sicht der FDP eine Lösung für das Spannungsfeld des Urheberrechtsschutzes auf der einen Seite und dem Wunsch nach einer breiten Angebotspalette für digital zugängliche Lehr‐ und Lernmittel auf der anderen Seite darstellen, insbesondere wenn die Bildungscloud durch ein Vergütungssystem für Autoren und Verlage von Bildungsmedien ergänzt wird. Landesweite Lizenzierungsabsprachen senken die Kosten, Qualitätskontrolle hinsichtlich der eingestellten Materialien erleichtert den Nutzern die Orientierung. Außerdem könnte eine Bildungscloud durch geschützte Räume für onlinegestützten Unterricht zu wesentlichen Verbesserungen bei der Datensicherheit beitragen.

Open Educational Ressources (OER), die Teil der Bildungscloud sind, sollen über den Kreis der Bildungseinrichtungen und ihrer Mitglieder hinaus kostenlos zugänglich sein. Zum Einsatz von freien Bildungsmaterialien wollen wir Bildungseinrichtungen und Rechteinhaber ermutigen.

8. Welche Handlungsoptionen zur Gewährleistung informationeller Selbstbestimmung von Bürgern sind für Ihre Partei zentral? Welchen Stellenwert misst Ihre Partei einer gesetzlichen Garantie der Netzneutralität bei und inwiefern wird sie sich dafür einsetzen?

Zur informationellen Selbstbestimmung gehört für Freie Demokraten in erster Linie überwachungsfrei zu leben und selber bestimmen zu können, was mit seinen eigenen Daten passiert. Daher setzen wir uns seit jeher gegen lückenlose und anlasslose Überwachung unbescholtener Bürgerinnen und Bürger ein, gleich ob durch deutsche Sicherheitsbehörden oder fremde Nachrichtendienste. Wir möchten sowohl die Möglichkeiten zur Funkzellenabfrage als auch der Bestandsdatenauskunft deutlich einschränken. Auch gegen die anlasslose Vorratsdatenspeicherung klagen wir bereits in Karlsruhe. Diese und viele weitere Maßnahmen führen dazu, dass von einzelnen Bürgerinnen und Bürgern problemlos exakte Bewegungsprofile erstellt werden können. Diesen unangemessenen Eingriff in die Grundrechte vieler Menschen möchten wir aufhalten! Gleichzeitig sind wir überzeugt, dass die Digitalisierung die informationelle Selbstbestimmung verbessern helfen kann. Es wird möglich zu wissen, wer wann zu welchem Zweck auf die eigenen Daten zugreift und unrechtmäßige Zugriffe verfolgen zu lassen. So können gesellschaftlicher und technologischer Fortschritt mit Verbraucherschutz und Datensouveränität in Einklang gebracht werden.

Wir Freie Demokraten bekennen uns zur Netzneutralität. Dies bedeutet für uns, dass alle Datenpakete im Internet gleichberechtigt sind, so dass keine Meinung diskriminiert wird und neue Unternehmungen Marktzugang erhalten. Diese Chancengleichheit wollen wir schützen und gleichzeitig muss es möglich sein, neue qualitätsgesicherte Dienste am Markt zu etablieren, deren diskriminierungsfreie Ausgestaltung wettbewerbsrechtlich abzusichern ist.

9. Was sind für Ihre Partei die Eckpunkte eines zeitgemäßen und funktionierenden Kinder- und Jugendmedienschutzes – insbesondere im Hinblick auf die Gefahren durch Interaktion/Kommunikation in Sozialen Netzwerken, Messenger-Diensten und Games? Inwiefern halten Sie technische Lösungen (Filterprogramme) sowie eine deutlich sichtbare Kennzeichnung von Internetseiten (Altersempfehlung) für geeignete Maßnahmen, Kinder und Jugendliche vor gefährdenden Inhalten – auch auf mobilen Endgeräten und unabhängig vom Betriebssystem – zu schützen?

Die wichtigste Rolle beim Umgang von Kindern mit Medien kommt den Eltern zu. Wir Freien Demokraten wollen diese hierbei unterstützen. Dazu gehört die Vermittlung von Medien- und Methodenkompetenz von Kindesbeinen an sowie ein Verständnis von der Funktionsweise informationstechnischer Systeme, künstlicher Intelligenz und Computersprache. Auch in der Fort- und Weiterbildung sind geeignete Angebote für die Stärkung von Medienkompetenz z.B. von Eltern und Lehrkräften erforderlich. Beim staatlichen Jugendmedienschutz setzen wir Freie Demokraten grundsätzlich auf das bewährte Prinzip der "regulierten Selbstregulierung" bzw. "Ko-Regulierung" durch die Einrichtungen der Freiwilligen Selbstkontrolle. Straftaten, z.B. im Internet, müssen von den dafür in unserem Rechtsstaat vorgesehenen Behörden und Einrichtungen verfolgt und geahndet werden. Dafür müssen diese finanziell und personell angemessen ausgestattet werden.

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