Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie

Welche Anstrengungen werden Sie übernehmen, um die Versorgung von minderjährigen Opfern von Gewalttaten in die Regelversorgung zu bringen?

Wichtig ist, dass jedes Opfer einer Gewalttat individuell betrachtet und die notwendige Hilfe dann auch individuell gewährleistet wird. Damit Opfern von Gewalttaten schnell geholfen werden kann, wollen wir die Wartezeiten auf einen Therapieplatz reduzieren, den Ausbau von Therapieplätzen fördern sowie Prävention und Aufklärung stärken. Die Anzahl der Kassensitze für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten wollen wir deutlich erhöhen. Schulpsychologische Beratungsangebote wollen wir ausbauen. Schulsozialarbeiterinnen und -arbeiter sollen an jeder Schule verfügbar sein.

Welche Rolle sehen Sie im Bereich der Kooperation verschiedenster Professionen im Spannungsfeld von Strafrecht und Hilfen bei jugendlichen Zeugen und jugendlichen Tatverdächtigen im Sinne einer kindgerechten Justiz?

Wir setzen auf eine verstärkte Kooperation der betroffenen Stellen in dem von Ihnen beschriebenen Spannungsfeld. Insbesondere im Bereich des sexuellen Missbrauchs sowie der Darstellung sexuellen Missbrauchs von Kindern ist ein interdisziplinärer Austausch von Jugendämtern, Schulen und Kindergärten erforderlich, um den Betroffenen schnellstmöglich Hilfe zur Verfügung zu stellen. Bei der Polizei und Staatsanwaltschaft muss darüber hinaus die Informationsweitergabe zwischen den Ämtern, unter Wahrung geltender Rechte und Achtung der Vertrauensstellung der Jugendämter und deren Mitarbeiter, erleichtert werden.

Gerade Richterinnen und Richter wollen wir verpflichten, sich fortzubilden, um der besonderen Verantwortung für jugendliche Zeuginnen und Zeugen sowie jugendlichen Tatverdächtigen gerecht zu werden. Richterinnen und Richter, die eine Stelle in diesem Bereich neu übernehmen, sollten im ersten Monat freigestellt werden, damit sie neben vertieften rechtlichen Kenntnissen auch Grundkenntnisse im Umgang mit Kindern und Jugendlichen, insbesondere im Bereich der Psychologie erwerben können und auch die Arbeit der Jugendämter kennenlernen können.

Wie wollen Sie gleichwertige Lebensverhältnisse von Kindern auch im ländlichen Bereich sichern, auch bezogen auf die Versorgung mit kinder- und jugendpsychiatrischen und –psychotherapeutischen Angeboten, und eine regionale Versorgung unterstützen, weiterentwickeln und sichern?

Wir Freie Demokraten setzen uns dafür ein, dass jedes Kind die beste Versorgung erhält. Dafür muss die Gesundheitsversorgung künftig umfassend, regional und patientenzentriert gedacht werden. Wir wollen die künstliche Sektorenbarriere zwischen dem ambulanten und dem stationären Versorgungsbereich konsequent abbauen und die Verzahnung und Vernetzung aller Versorgungsbereiche weiterentwickeln. Die Bedürfnisse des ländlichen Raums mit seiner besonderen Versorgungsstruktur sollen durch entsprechende Programme berücksichtigt werden.

Wir wollen die Wartezeiten auf einen Therapieplatz reduzieren, den Ausbau von Therapieplätzen fördern, Prävention und Aufklärung stärken sowie die Ausbildung der psychologischen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten weiterentwickeln. Die Anzahl der Kassensitze für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten wollen wir deutlich erhöhen. Ebenso wollen wir mehr Studienplätze für Psychologie und Psychotherapie schaffen. Schulpsychologische Beratungsangebote wollen wir ausbauen. Schulsozialarbeiterinnen und -arbeiter sollen an jeder Schule verfügbar sein.

Wie bewerten Sie die Vorschläge des Zukunftsdialogs der Aktion Psychisch Kranke, v.a. ambulante Komplexleistungen, Aufnahme von KJPP Expertise in die Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR) und ein Bundesmodellprojekt zur Weiterentwicklung einzelfallbezogener Koordination?

Als Freie Demokraten begrüßen wir die innovative Weiterentwicklung in der Versorgung von Menschen und insbesondere von Kindern mit psychischen Erkrankungen. Wir setzen uns sehr dafür ein, Versorgung nicht aus den Versorgungsstrukturen heraus zu denken, sondern am Bedarf der einzelnen Person zu orientieren. Insbesondere bei Kindern und Jugendlich ist es wichtig, Erkrankungen schnell zu erkennen und zu behandeln, damit diese sich nicht verfestigen oder verschlimmern.

Wie wollen Sie die Sicherheit von minderjährigen Patient*innen mit Psychopharmakotherapie erhöhen z.B. indem für einen begrenzten Bereich eher Safety Aspekte zu einer begrenzten Zulassung führen könnten?

Die Ausgestaltung einer Psychopharmakotherapie ist zuvörderst Aufgabe der Fachgesellschaften und der Selbstverwaltung im Gesundheitssystem. Dort sitzen viele Fachleute, die Vorgaben für Therapien auf einer aktuellen wissenschaftlichen Grundlage und aus der Praxiserfahrung heraus treffen und aktuell halten können.

Welche Initiativen im Bildungswesen für die Aufhebung von Benachteiligungen – auch die Aufhebung der Benachteiligung des Faches Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie im Medizinstudium, plant Ihre Partei?

Es obliegt den Hochschulen, Schwerpunkte in den Studiengängen zu setzen sowie Lehrpläne und Lehrinhalte festzulegen.

 

Welche Forschungsschwerpunkte, auch für die Versorgungsforschung, für den Bereich der psychisch kranken Kinder wollen Sie setzen und wie sollen Forschung und Forschungsverbünde jenseits der Deutschen Zentren Ihrer Meinung nach gefördert werden?

Als Freie Demokraten setzen wir uns für die Forschungsfreiheit ein. Es bestehen zahlreiche Forschungsförderprogramme, über die Forschungsprojekte im Bereich psychischer Erkrankungen von Kindern finanziert werden können. Wir setzen auf die Kompetenz und das Fachwissen der Forscherinnen und Forscher.

zur Übersicht der Wahlprüfsteine