GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e.V.

Wie bewerten Sie den Beitrag projektbasierten Lernens und Lehrens zur Qualität von Bildung?

Wir Freien Demokraten sehen in individuellen und projektbasierten Lernformen die Möglichkeit unser Bildungssystem zukunftsfest aufzustellen. Pädagoginnen und Pädagogen müssen für experimentelles und forschendes Lernen in allen Altersstufen ausgebildet werden. Die Rahmenbedingungen für Veränderungen der Lernformen wollen wir mit stärkerer Autonomie der Schulen schaffen. Wir wollen den einzelnen Schulen mehr pädagogische, personelle und finanzielle Freiheiten geben, um Unterricht in fächerübergreifenden Projekten besser möglich zu machen. Die Aspekte des projektbasierten Unterrichts, Teamteachings und der Lernpsychologie sowie von Künstlicher Intelligenz und Digitalisierung sollte auch in den Schulen und der Lehrkräfte Aus- und Weiterbildung berücksichtigt werden.

 

Wie bewerten Sie das Potenzial stärkerer Projektorientierung/-didaktik & des Erwerbs von Projektkompetenz in Schule und Ausbildung für die Bewältigung der Herausforderungen des gesellschaftlichen Wandels & Befähigung zur Gestaltung von Zukunft, Gesellschaft & (bspw. digitaler) Innovation?

Die Kompetenz, in Projektarbeiten tätig zu sein und dabei vernetzt und auch Disziplinen übergreifend zu denken, wird in der Arbeitswelt der Zukunft und auch für die Bewältigung großer gesellschaftlicher Herausforderungen von besonderer Bedeutung sein. Die Vermittlung von Projektkompetenz in den Schulen kann dabei sinnvoll sein und junge Menschen auf ein selbstbestimmtes Leben und Arbeiten vorbereiten. Die Lehrerinnen und Lehrkräfte in den Schulen vor Ort sollten entscheiden können, wie und in welcher Form sie Schülerinnen und Schülern didaktisch zu Projekttätigkeiten unterrichten können.

Wir Freie Demokraten wollen daher die Autonomie der Schulen insgesamt stärken und den Schulen mehr pädagogische, personelle und finanzielle Freiheiten geben. Jede Schule soll ein eigenes Budget erhalten, über dessen Verwendung sie autonom entscheidet. Im Rahmen der Schulautonomie kann der Unterricht zum Beispiel in einem modularen System organisiert und so individuell auf die einzelne Schülerin oder den einzelnen Schüler zugeschnitten werden. Zugleich erhalten die Schülerinnen und Schüler dadurch eine größere Wahlfreiheit und die Schule kann den unterschiedlichen Leistungsniveaus der Schülerinnen und Schüler individueller gerecht werden. Ebenso soll dadurch ein Unterricht in fächerübergreifenden Projekten besser möglich gemacht werden. Wir werben für Schulfreiheitsgesetze in den Ländern, um den Schulen mehr Möglichkeiten zur Profilentwicklung zu geben. Einheitliche Bildungsstandards geben das Ziel vor, sich am Niveau der besten Bildungseinrichtungen der Welt zu orientieren. Um die Standards erreichen zu können, müssen Schulen durch exzellente Fortbildungen bei der Schul- und Unterrichtsentwicklung unterstützt werden. Die PISA-Studie zeigt, dass Kinder an Schulen mit größerer Gestaltungs- und Entscheidungsfreiheit deutlich bessere Leistungen erzielen.

Welche Rahmenbedingungen halten Sie in den genannten Zusammenhängen für förderlich und welche Maßnahmen auf Bundesebene für gestaltbar?

Wir Freie Demokraten wollen die Autonomie der Schulen insgesamt stärken und den Schulen mehr pädagogische, personelle und finanzielle Freiheiten geben. Wir fordern die Öffnung der Schulen für neue Berufsfelder. Schulleitungen, Lehrkräfte, Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter sowie Hausmeisterinnen und Hausmeister können die Transformation der Schule nicht allein bewältigen. Zur neu gewonnenen Möglichkeit, auch Administratorinnen und Administratoren über den DigitalPakt Schule finanzieren zu können, muss es Spielraum für weitere Personalkategorien, beispielsweise im Qualitätsmanagement, geben. Damit schaffen wir moderne Schulen.

Zudem brauchen wir einen Digitalpakt 2.0, der die verfassungsrechtlichen Möglichkeiten der Kooperation von Bund und Ländern im Bildungsbereich vollständig nutzt. Zusätzlich zur Technik muss auch in IT-Administratorinnen und IT-Administratoren, Dienstgeräte für Lehrkräfte, digitales Lernmaterial sowie Fortbildungen investiert werden. Die Coronakrise hat gezeigt, dass die finanziellen Mittel für WLAN und Hardware allein nicht ausreichend sind, um im Notfall digitalen Unterricht von zu Hause aus zu ermöglichen. Die Digitalisierung von allgemeinbildenden, beruflichen und sonderpädagogischen Schulen muss ganzheitlich gedacht werden – von der Ausstattung bis zur Nutzung. Die Schule muss digital gestütztes Lernen in Präsenz genauso anbieten wie Lernen auf Distanz.

Wie beurteilen Sie die Idee, eine Projekt-Governance-Richtlinie auf Bundesebene zu etablieren, um klare Verantwortungsstrukturen und eine förderliche Projektkultur für öffentliche Großprojekte und Transformationsprogramme zu schaffen?

Eine solche Richtlinie halten wir für bedenkenswert. Die Fraktion der Freie Demokraten hat im Deutschen Bundestag beantragt, eines der kommenden Großprojekte ab der Planungsphase in wesentlichen Teilen auf einer oder mehrerer, interoperabler Blockchains abzubilden, um die Transparenz zu erhöhen und die Kooperation zwischen dem Bund und den am Projekt beteiligten Ländern zu verbessern (vgl. „Staatliche Großprojekte auf einer Blockchain transparent machen“ BTS-Drs.-19/17539). Mittelfristig muss das Ziel sein, steuerfinanzierte Großprojekte für die Steuerzahler damit transparenter zu machen und an klaren Strukturen zu orientieren.

Würde sich Ihre Partei dafür einsetzen, gezielte Schulungen für die Führungsebene in Politik und Verwaltung einzuführen und zu finanzieren, um diese auf ihre Rolle in Projekten (z.B. als Auftraggeber) angemessen vorbereiten zu können?

Wir Freie Demokraten wollen - nicht nur der Führungsebene in Politik und Verwaltung - das lebenslange Lernen durch ein „Midlife-BAföG“ von bis zu 1.000 Euro im Jahr ermöglichen. Darüber hinaus soll in einem persönlichen Freiraumkonto unabhängig vom Arbeitgeber das steuer- und abgabenfreie Ansparen für Weiterbildungsangebote und Bildungsauszeiten ermöglicht werden. Damit schaffen wir ein zweites Bildungssystem für das ganze Leben, bei dem jeder/jede Einzelne entscheiden kann, welche Fort- und Weiterbildungsthemen im Mittelpunkt stehen sollen.

Würde sich Ihre Partei dafür einsetzen, die Verankerung von Programm- und Portfoliomanagement voranzutreiben, zum Beispiel durch entsprechende Erwähnung im Koalitionsvertrag?

Wir Freie Demokraten wollen durch eine umfassende Föderalismus- und Verwaltungsreform einen modernen und handlungsfähigen Staat schaffen. Die Coronakrise hat gezeigt, dass unklare Zuständigkeiten, eine erdrückende Bürokratie und digitale Defizite bei den Behörden schnelle und pragmatische Lösungen verhindern. Es geht nicht nur um die Digitalisierung von Prozessen, sondern vor allem um einen Mentalitätswandel. Hier kann die Verankerung eines Programm- und Portfoliomanagement hilfreich sein. Allerdings braucht es mehr, um das Megaprojekt der Verwaltungsmodernisierung zu bewältigen. Wir Freie Demokraten setzen vor allem auf eine agile Herangehensweise, die arbeitsfähige Ergebnisse vor starren Strategien priorisiert.

Stimmt Ihre Partei der Notwendigkeit von breit angelegten PM-Qualifizierungen für Politik und Verwaltung zu?

In vielen öffentlichen Verwaltungen wird die Bedeutung eines fundierten Projektmanagements leider unterschätzt. Dadurch kommt es immer wieder zu ineffizienten Verfahren und suboptimalen Ergebnissen. Wir Freie Demokraten wollen einen unkomplizierten Staat, der den Bürgerinnen und Bürgern das Leben erleichtert. Wir wollen daher den Weg frei machen für eine bürgernahe und digitale Verwaltung. Dabei kann eine PM-Qualifizierung für Politik und Verwaltung einen Beitrag leisten.

Würde sich Ihre Partei für eine stärkere Standardisierung des Projektmanagements einsetzen und dafür auf bestehende Kompetenzstandards, wie z.B. die ICB 4.0 zugreifen wollen?

Bereits heute existieren zahlreiche Normen und Standards, die einen Bezug zum Projektmanagement haben. Diese Vielfalt an damit einhergehenden spezifischen Vorgehensweisen kann die Implementierung und Anwendung eines Projektmanagements erschweren und die Akzeptanz in der Bevölkerung mindern. Eine stärkere Standardisierung ist zwar grundsätzlich zu begrüßen, allerdings obliegt es nicht der Politik hier Vorgaben zu machen. Vielmehr sollte diese übergreifenden Normen und Standards, wie bei anderen Normen auch, von den entsprechenden Normungsorganisiationen und ihren Mitgliedern vorangetrieben werden.

 

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