Wahlprüfsteine von "dbb bundesfrauenvertretung"

Fragen:

Frauen in Führungspositionen, Frauenquote: Die dbb bundesfrauenvertretung erwartet von den Parteien, dass sie sich ernsthaft für mehr Frauen in Führungspositionen im öffentlichen Dienst einsetzen und den dazugehörenden strukturellen Prozess mit geeigneten Maßnahmen flankieren. Wie sehen für Sie diese Maßnahmen aus?

Wir Freie Demokraten wollen mehr Frauen in Führungsverantwortung, sowohl in der Wirtschaft als auch im öffentlichen Dienst. Frauen sind in Führungspositionen sehr erfolgreich und gemischte Teams arbeiten ebenfalls produktiver und erfolgreicher. Wir erwarten daher von Unternehmen in Deutschland eine deutliche Verbesserung des Frauenanteils in Führungspositionen und werden uns dafür auch im öffentlichen Dienst einsetzen. Eine gesetzliche Quote lehnen wir jedoch ab: So werden Frauen zu Platzhaltern degradiert und nicht entsprechend ihrer Leistungen gewürdigt. Wir setzen vielmehr auf Anreize, verbindliche Berichtspflichten und transparente Selbstverpflichtungen.

Gleichstellungspolitik Welche klaren Vorgaben werden Sie definieren, um der Gleichstellungspolitik Verbindlichkeit und Transparenz zu verschaffen und die Kontrolle des Erreichten sicherzustellen? Wie werden Sie Berufe, in denen überwiegend Frauen beschäftigt sind, aufwerten? Welche Möglichkeiten sehen Sie dazu im Rahmen der vorherrschenden Tarifautonomie und im Rahmen der Sozialpartnerschaft?

Wir Freie Demokraten wollen die vollständige Gleichstellung von Frauen und Männern. Wir verurteilen jede Diskriminierung aufgrund von Geschlecht oder eines anderen Merkmals. Die klassische Einteilung von Frauen- und Männerberufen wollen wir auflösen. Frauen wollen wir noch stärker ermuntern, bisher klassische Männerberufe zu erobern, die oft besser bezahlt sind als diejenigen, die viele Frauen traditionell ergreifen. So kann die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern verkleinert werden.

Wir wollen zudem ein ganzheitliches Diversity Management in der Arbeitswelt vorantreiben, das auch die Dimensionen Religion und sexuelle Orientierung berücksichtigt. Dies ist für uns eine sinnvolle Alternative zu Quoten und anderen Formen bürokratischer Antidiskriminierungspolitik. Der öffentliche Dienst kann hier durch die Umstrukturierung der Frauen- und Behindertenbeauftragten in einen breiteren Ansatz von ganzheitlichem Diversity Management mit gutem Beispiel voran gehen. 

Digitalisierung Die zunehmende Entgrenzung von Arbeit aufgrund der Digitalisierung darf nicht zu Lasten der Beschäftigten gehen. Bei allen positiven Auswirkungen der Digitalisierung dürfen die davon ausgehenden Risiken nicht unterschätzt werden. Hier sind die Arbeitgeber, Dienstherrn, Tarifvertragsparteien und Personalvertretungen in besonderer Weise gefordert, damit die Gesundheit der Beschäftigten erhalten bleibt. Wie wollen Sie die gesetzlichen Rahmenbedingungen und die Mitbestimmungsrechte entsprechend anpassen?

Jeder soll seine Chancen in der digitalen Welt ergreifen können. Digitalisierung ist dabei nicht nur eine Frage der Technologie. Staatliche und private Bildungseinrichtungen werden künftig besonders intensiv Methodenkompetenz, Kreativität, Innovationsfreude und Neugier vermitteln müssen. Denn in der schnelllebigen Welt der Zukunft werden vor allem Methoden erlernen müssen wie Wissen verarbeitet und daraus Neues generiert werden kann. Information wird nicht durch Google zu Wissen. Hier müssen staatliche, betriebliche und private Weiterbildungsangebote für faire Chancen sorgen, damit es nicht zu einer gesellschaftlichen Spaltung kommt.

In Betrieben wollen wir Freie Demokraten mehr Demokratie bei der Einrichtung und den Wahlen des Betriebsrates. Dazu gehört aber auch, dass es neben der Modernisierung der Verfahrensfragen der betrieblichen Mitbestimmung die Möglichkeit eines Dialogprozesses geben muss, um die Aktualität der Mitbestimmungsgegenstände zu prüfen und gegebenenfalls zu entrümpeln – zum Beispiel bei der technologischen Weiterentwicklung in der Arbeitswelt.

Alterssicherung – Rente und Versorgung Der Gender Pay Gap, der sich derzeit im Gender Pension Gap fortsetzt, muss überwunden werden. Wie setzen Sie sich aktiv dafür ein, dass Frauen auch im Alter ein Auskommen mit dem Einkommen ermöglicht wird? Wie werden Sie dafür sorgen, dass die Anrechnung von Kindererziehungszeiten bei Beamtinnen, deren Kinder vor dem 01.01.1992 geboren sind, systemgerecht und wirkungsgleich in das Beamtenversorgungsrecht übertragen wird?

Wir wollen den Gender Pension Gap mit einer verbesserten Alterssicherung schließen. So wollen wir die Einkommens- und Erwerbsstrukturen von Frauen grundlegend verbessern. Wir setzen uns beispielsweise dafür ein, dass alle Eltern frei entscheiden können, welches Arbeitsmodell sie wählen. Wir wollen flexible Arbeitszeitmodelle, digitale Arbeitsplätze und einen Ausbau der Kinderbetreuung, um Familie und Job leichter vereinbar zu machen. So kann die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern verkleinert werden. Zudem halten wir Freie Demokraten es für richtig, die Einkünfte aus privater und betrieblicher Altersvorsorge nur teilweise auf die Grundsicherung im Alter anzurechnen. Freiwillige Altersvorsorge muss sich für jeden immer auszahlen. Das betrifft zum Beispiel auch Frauen, die familienbedingt viel in Teilzeit gearbeitet oder wenig verdient haben.  Statt einer Ausweitung der Mütterrente, wollen wir die Attraktivität der privaten und betrieblichen Altersvorsorge steigern. 

Bitte vervollständigen Sie folgenden Satz: Weibliche Beschäftigte im öffentlichen Dienst sollten unsere Partei wählen, weil …

...wir Freie Demokraten uns zu einem starken öffentlichen Dienst bekennen. Wir wollen diesen auch für junge Menschen attraktiv halten und in einigen Bereichen deutlich personell verstärken - insbesondere die Polizei, die kommunalen Ausländerbehörden und die Justiz. Wir wollen die Chancen des E-Government für eine bürgerfreundliche Verwaltung nutzen und setzen uns für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein, damit insbesondere Frauen bei Aufstiegschancen und Altersvorsorge nicht benachteiligt werden.

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