Wahlprüfsteine von "Institut Bauen und Umwelt (ibu)"

Fragen:

Fairer Wettbewerb Unter den Anbietern, die sich dem nachhaltigen Bauen verschrieben haben, gibt es eine Vielzahl von Unternehmen, die mit plakativen Produktinformationen mit reduziertem umweltbezogenen Inhalt am Markt agieren. Dabei blieben sie den Nachweis für entsprechende Wirkungsweisen schuldig oder vermitteln einen Eindruck von Nachhaltigkeit, der nur Teilaspekte des Umweltschutzes adressiert. Wie bewerten Sie diese Situation und welche konkreten Maßnahmen wollen Sie ggf. daraus ableiten?

Ein Mindeststandard an umweltbezogenem Inhalt muss sich am Markt etablieren. Wir Freie Demokraten sehen dies als wichtige gesamtgesellschaftliche Aufgabe an. Es gilt, das Bewusstsein dafür bei allen Akteuren zu schärfen. Dazu wollen wir beitragen.

Wie wollen Sie dazu beitragen, dass Bauschaffende eine ganzheitliche Betrachtungsweise auf die Lebenszyklen von Bauprodukten bei ihrer Entscheidung berücksichtigen?

Wir Freie Demokraten halten eine ganzheitliche Betrachtung bei Bauprodukten und insbesondere eine recyclingfreundliche Produktgestaltung im Hinblick auf die Lebenszyklusbetrachtung für sehr wünschenswert. Je mehr und je einfacher ein Produkt recycelt werden kann, desto besser ist es. Mit marktwirtschaftlichen Anreizen wollen wir dafür sorgen, dass möglichst viele Recyclingprodukte an die Stelle von zumeist energieaufwändig hergestellten Produkten aus Primärrohstoffen treten können. Denkbar ist auch die Einführung eines freiwilligen Recyclinglabels, das die Recycelbarkeit und den Einsatz von Recyclingrohstoffen in Produkten ausweist.

Beabsichtigen Sie die Rahmenbedingungen für Unternehmen zu verbessern, die sich dem nachhaltigen Bauen verschreiben und dabei auf ökobilanzbasierte Instrumente setzen?

Wir Freie Demokraten bekennen uns zum nachhaltigen Bauen. Bei konsequenter Berücksichtigung der Nachhaltigkeitsmaßstäbe ließen sich jährlich ca. 18 Mrd. € Heiz- und Betriebskosten im Gebäudesektor einsparen. Hierzu gilt es, die Nachhaltigkeit von Gebäuden anhand des Drei-Säulen-Modells der ökonomischen, ökologischen und soziokulturellen Nachhaltigkeit objektiv zu beurteilen und als Qualitätsmerkmal darzustellen. Allerdings müssen die Bewertungskriterien einer objektiven Überprüfung standhalten. Die Vorgaben des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit für eine Anerkennung von Zertifizierungssystemen sind sehr aufwendig und enthalten eine Fülle solcher nicht objektiven Bewertungskriterien.

Hohe Kosten und mangelnde Objektivität der bisherigen Zertifizierungsverfahren stehen einer Verbreitung des Nachhaltigkeitsgedankens entgegen. Notwendig ist daher eine einheitliche und praxisgerechte Gestaltung der Bewertungssysteme, wobei insbesondere eine langfristige wirtschaftliche Nachhaltigkeit adäquat zu berücksichtigen ist.

Vergleichbarkeit und Transparenz Es gibt eine Vielzahl an Umweltlabeln und -kennzeichen, die im Baubereich verwendet werden. Eine Vergleichbarkeit ähnlicher Label ist für die am Planungs- und Umsetzungsprozess Beteiligten nicht gegeben. Diese fehlende Transparenz trägt dazu bei, dass der ganzheitliche Ansatz nachhaltigen Bauens vielfach verfehlt wird. Wie wollen Sie sich einsetzen, damit künftig vergleichbare, wertige und transparente Label für Bauprodukte nachhaltiges Bauen tatsächlich realisieren?

Wir Freien Demokraten wollen erreichen, dass seitens des Bundes Vorschläge für transparente Labels erarbeitet und diese den Akteuren zur Verfügung gestellt werden.

Welche Notwendigkeit sehen Sie, digitalisierte, umweltbezogene Informationen von Bauprodukten in die Lebenszyklusanalyse von Gebäuden und damit in digitale Gebäudemodelle (BIM) zu integrieren?

Im Sinne eines nachhaltigen Gebäudebetriebs und zur Erstellung von Vorhersagemodellen kann die Einspeisung dieser Daten sinnvoll sein. Es ist dabei jedoch auf eine möglichst bürokratiearme Umsetzung zu achten.

Welche Impulse finden Sie wichtig, um gesamtgesellschaftlich ein Bewusstsein zu entwickeln und Kompetenz zu fördern, die eine angemessene Einschätzung von Umweltlabeln ermöglichen?

Das zuständige Ministerium sollte bei allen Akteuren dafür werben und Standards vorschlagen.

Glaubwürdigkeit und wissenschaftliches Fundament Bei der Bewertung von Umweltkennzahlen ist entscheidend, aus welcher Quelle, mit welcher Datengrundlage und mit welchen Qualitätsstandards diese erhoben worden sind. Eine Überprüfbarkeit ist in der heutigen Zeit elementar. Wie wollen Sie dazu beitragen, dass Umweltaussagen, die diesen Ansprüchen nicht gerecht werden, als wertlos erkannt werden können?

Wir Freie Demokraten stehen für eine wissenschaftsbasierte und faktenorientierte Bewertung von Umweltkennzahlen. Ein Kontroll- und Transparenzsystem kann hierbei möglicherweise wertvolle Dienste leisten. Es muss jedoch so ausgestaltet sein, dass es einerseits für den Anwender nützlich ist und verlässliche Informationen liefert, andererseits für die Verpflichteten unnötige bürokratische Mehrkosten vermeidet und wettbewerbsneutral ist.

Wie wollen Sie gewährleisten, dass bei verstärkter Baukonjunktur die Zielsetzungen des nachhaltigen Bauens trotzdem realisiert werden, und zwar auf der Basis wissenschaftlich fundierter Umweltkennzahlen, Daten und Fakten?

Dies soll erreicht werden, indem sich die Marktteilnehmer zu den Standards bekennen und die Bauherren zu ihnen verpflichten. Dafür wollen wir Freie Demokraten werben.

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