Wahlprüfsteine von "Bundesverband Innovative Bildungsprogramme"

Fragen:

1. Demokratie und Teilhabe: Schulen sind entscheidene Orte der Demokratie. Zentrale Aufgabe ist es, hier das demokratische Miteinander einzuüben, zu leben und zu erleben. Schülerinnen und Schüler müssen zur Übernahme von Verantwortung für sich und andere befähigt und erutigt werden. Vielfalt und Diversität müssen als Chance und selbtsverständlicher, bewusster Teil der Schulkultur und Schulentwicklung verstanden werden.

Für uns Freie Demokraten ist die Schule ein Ort, an dem nicht nur Wissen vermittelt werden soll, sondern auch Werte wie Toleranz, Offenheit und Respekt vor anderen. Wir fordern ein Schul- und Bildungssystem, das gleiche Zugangschancen für alle eröffnet, Diskriminierung verhindert und Neutralität wahrt. Wir sind davon überzeugt, dass das gemeinsame Lernen von Kindern und Jugendlichen mit unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlichen Anlagen ein Gewinn für alle Beteiligten sein kann. Aus diesem Grund setzen wir uns für gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne besonderen Förderungsbedarf ein. Zudem fordern wir ein sofortiges Teilnahmerecht für Flüchtlingskinder am Schulunterricht. Denn Bildung ist der Grundstein zu einer gelungenen Integration. Kinder und Jugendliche sollen schon früh merken, wie positiv Vielfältigkeit und Diversität sich auf das Leben und Lernen auswirken können. 

2. Inklusion und Anschlussfähigkeit: Im Sinne einer inklusiven Schulkultur muss Schule jeder Schülerin und jedem Schüler gerecht werden, unabhängig davon, welche Erfahrungen, Kulturen oder Hintergründe sie mitbringen. Bildungskarrieren müssen ohne Brüche gelingen. Dazu müssen die verantwortlichen Institutionen besser zusammenwirken, Prozesse und Ressourcen optimal gesteuert werden und die Anschlussfähigkeit sichergestellt werden. Guter Ganztag kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten. Die Zahl der Schulabbrecherinnen und -abbrecher muss mindestens halbiert werden.

Für uns Freie Demokraten müssen auch Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf oder Einschränkungen die bestmögliche Bildung und Förderung erhalten. Denn der Anspruch auf die weltbeste Bildung gilt nicht nur für die Leistungsstarken. In diesem Sinne ist aus unserer Sicht auch die UNO-Konvention über die Rechte der Menschen mit Behinderung zu verstehen: Das Wohl des Kindes muss im Mittelpunkt stehen und nicht allgemeine gesellschaftliche Vorgaben. Auf das einzelne Kind kommt es an. Das Ziel, Kinder mit Förderbedarf weitgehend in Regelschulen zu integrieren, ist richtig und wird seit Jahrzehnten in Deutschland verfolgt. Das radikale Verständnis einer kompromisslosen Inklusion, wie es vielfach gefordert und betrieben wird, nimmt aber weder auf den Förderbedarf des Einzelnen noch auf die Integrationsfähigkeit von Regelklassen Rücksicht. Wir setzen uns daher für das sogenannte Zweisäulen-Modell ein, wonach inklusive Unterricht in Regelschulen neben den Möglichkeiten der Förderschulen bestehen. Die völlige Schließung von Förderschulen, in denen Kinder passend zu ihrem Bedarf gefördert werden, ist ein Fehler, da dies oft nicht dem Kindeswohl dient und immer wieder auch gegen den Elternwillen vorgenommen wird. Gemeinsamer Unterricht soll bestmögliche Förderung aller Schülerinnen und Schüler ermöglichen. Wir fordern daher für eine bestmögliche Gestaltung des gemeinsamen Unterrichts verbindliche Basisstandards. Kann diesen Basisstandards zum Beispiel durch fehlendes Fachpersonal oder mangelnde Ausstattung nicht entsprochen werden, dürfen an diesen Schulstandorten keine inklusiven Lerngruppen gebildet werden.

Wir Freie Demokraten fordern eine umfassende Sprachförderung der Kinder vor der Einschulung. Sprache ist das zentrale Mittel, um sich am sozialen Leben und am Unterricht beteiligen zu können. Alle Kinder mit Sprachdefiziten müssen noch vor der Einschulung die Möglichkeit zum Beherrschen der deutschen Sprache erhalten. Nur so ist ein erfolgreicher und gleichberechtigter Start ins Schulleben möglich.

Jeder soll das Modell - egal ob gebundene Ganztagsschule, offene Ganztagsschule oder Halbtagsschule - wählen können, das am besten zu seinem Leben passt. Deshalb stehen wir für einen bedarfsgerechten Ausbau der Ganztagsbetreuung.

Die Problematik der Schulabbrüche muss durch eine bestmögliche individuelle Unterstützung entgegengewirkt werden. Dies erfordert zusätzliche Zeitressourcen für die Schulen, etwa für Gespräche, auch mit den Eltern, aber auch multiprofessionelle Teams, etwa zur unterstützenden Schulsozialarbeit, die frühzeitig bei sich anbahnenden Problemen oder z.B. bei Schulabsentismus interveniert. Es geht insbesondere darum, frühzeitig bei persönlichen oder familiären Problemlagen unterstützend eingreifen zu können.

3. Kompetenzen der Zukunft: Schülerinnen und Schüler müssen durch innovative Lehr- und Lehrangebote auf die großen gesellschaftlichen Herausforderungen der Zukunft vorbereitet werden. Dabei stehen Kompetenzorientierung im Sinne der 21st Century Skills und Bildung für Nachhaltige Entwicklung im Sinne der Agenda 2030 im Zentrum. Es muss eine sektorenübergreifende Debatte darüber gefhrt werden, welches Wissen und welche Kompetenzen Schule heute vermitteln muss. Die Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer muss den Anforderungen sich einer rasant verändernden Welt, in der die jungen Menschen aufwachsen, dringend angepasst werden.

Bildung erlaubt es den Menschen, ihren individuellen Lebensweg frei und selbstbestimmt zu gehen - sie ist damit wichtigste Ressource in der Welt von heute. Die Digitalisierung eröffnet großartige Möglichkeiten im Bereich der Bildung, insbesondere für individuelles Lernen gemäß den eigenen Bedürfnissen und Talenten, für neue pädagogische Methoden und Formate, die zu den unterschiedlichsten Bedürfnissen und Lebensentwürfen passen, und für eine neue Qualität von Bildung. Wir begrüßen, dass die Kultusministerkonferenz ihre länderübergreifende Strategie „Bildung in der digitalen Welt“ vorgelegt hat, und treten mit Nachdruck für ihre Umsetzung ein.

Insbesondere setzen wir uns dafür ein, Kinder und Jugendliche stärker für technische und mathematische Fächer zu begeistern. In Deutschland haben wir jetzt schon einen Fachkräftemangel, den der demografische Wandel noch verstärken wird. Der Ingenieursnation Deutschland droht der Nachwuchs an Tüftlern und Erfindern auszugehen. Für eine spätere Berufswahl sind ein frühes Interesse und eine anschauliche Erklärung ausschlaggebend. Für die Schulen ist eine sehr gute fachliche Ausbildung der Lehrkräfte sowie Unterricht in den verschiedenen naturwissenschaftlichen Fächern durch Fachpersonal wichtig. Die Kooperation mit außerschulischen Partnern wollen wir ausdrücklich fördern und unterstützen.

Weltbeste Bildung für jeden funktioniert nur mit den weltbesten Lehrerinnen und Lehrern. Dafür brauchen wir die richtigen Rahmenbedingungen. Nur dann werden sich die Besten der Herausforderung des Lehrerberufs stellen. Wir müssen daher alle Anstrengungen unternehmen, um die Lehrkräfte fit für die Vermittlung digitaler Kompetenzen zu machen. Die Länder sollen sich in einem Staatsvertrag verpflichten, ihr Lehrpersonal in den nächsten Jahren mittels einer Fortbildungsoffensive dahingehend weiterzubilden, dass die Infrastruktur auch tatsächlich eingesetzt und genutzt wird. Denn entscheidend für gute Bildung ist auch in Zukunft die Lehrkraft. Alle Studien zeigen: Zentral sind und bleiben die Lehrerinnen und Lehrer. Kein Computer kann sie ersetzen. Daher müssen wir Maßnahmen ergreifen, um auch wieder die Besten der Besten, die Geeignetsten und Fähigsten als Lehrkräfte für unsere Bildungseinrichtungen zu gewinnen sowie zeitgemäße Aus-, Fort- und Weiterbildung zu ermöglichen. Und auch für die Lehrkräfte muss eine zeitgemäße digitale Infrastruktur in Bildungseinrichtungen gewährleistet sein. Wir müssen unseren Teil dazu beitragen, damit Lehrkräfte ein Leben lang motiviert jede Schülerin und jeden Schüler bestmöglich fördern und fordern können. Dies gelingt nur, wenn die Lehrerinnen und Lehrer selbst die Bereitschaft zeigen, sich permanent den neuen Herausforderungen der Digitalisierung zu stellen und dabei nachhaltig unterstützt werden.

4. Anschluss an das digitale Zeitalter: Schülerinnen und Schüler müssen die Gelegenheit erhalten zu lernen, sich veratwortungsvoll und co-kreativ im digitalen Raum zu bewegen und mit Medien und Daten umzugehen ohne sich selbst oder anderen zu schaden. Der verantwortungsvolle Umgang mit politischen Informationen aus dem Internet muss geübt werden. Digitale Unterrichtsansätze müssen konsequent und durchgängig in die Lehrerbildung einbezogen werden. Die technische Infrastruktur muss jederzeit auf dem aktuellen Stand sein.

Wir Freie Demokraten wollen in den nächsten fünf Jahren pro Schüler zusätzlich insgesamt 1.000 Euro für Technik und Modernisierung investieren. Neue Technologien und Methoden bieten Raum für Kreativität und Neugier und werden immer wichtiger für spätere Berufe. Um diese Chancen zu nutzen, brauchen Kinder Anleitung in Schulen mit entsprechender Ausstattung. Die technische Aufrüstung unserer Schulen erfordert eine finanzielle Kraftanstrengung. Deshalb streben wir Freie Demokraten einen Staatsvertrag zwischen Bund und Ländern an, der den Ausbau der digitalen Infrastruktur regelt. Dafür sollen Anreize für die kommunalen Träger der Schulen geschaffen werden, um durch den Ausbau digitaler Infrastrukturen die Integration der digitalen Bildung voranzutreiben.

Wir Freie Demokraten fordern einen Fokus auf Medienkompetenz in den Bildungsstandards. Dank der digitalen Revolution hat man ganze Bibliotheken jederzeit zur Hand. Doch Informationen werden nicht durch Suchmaschinen zu Wissen und die vielen digitalen Kanäle können auch schnell zu Überforderung führen. Im digitalen Zeitalter sind Nachrichten immer, überall und sofort verfügbar. Menschen müssen lernen, sich daraus eine sachkundige eigene Meinung zu bilden. Das fußt auf der Befähigung, auf der Basis fundierten Fachwissens aus der Informationsflut die Spreu vom Weizen trennen und Quellen kritisch hinterfragen zu können. Dazu gehört von Kindesbeinen an die Vermittlung von Medien- und Methodenkompetenz. Hier hinein gehört auch das Verständnis von der Funktionsweise informationstechnischer Systeme, künstlicher Intelligenz und Computersprache. Dementsprechend sollen auch in Prüfungen künftig moderne Konzepte wie „Open Book Tests“ oder internetfähige Geräte zum Einsatz kommen dürfen. Lehrerinnen und Lehrer sollen im Bereich Medienkompetenz verpflichtend weitergebildet werden. Ob bei neuen Technologien, Internationalität oder Praxiserfahrung – wir wollen den Horizont der Lehrkräfte erweitern. Dabei dürfen Lehrkräfte keine digitalen Amateure sein, sondern müssen den Kindern Lust an Fortschritt und Technik vermitteln können. Die Länder werden dafür in die Pflicht genommen, die digitale Bildung als festen Bestandteil in der Lehreraus- und Weiterbildung zu verankern und die Lehrerinnen und Lehrer fit zu machen im Umgang mit und beim Einsatz neuer digitaler Medien.

5. Bauliche und Konzeptionelle Entwicklung: Schulen sind Lebens-, Lern- und Arbeitsraum. Schulbau und Schulentwicklung müssen daher Hand in Hand gehen, um die schulischen Aufgaben durch Architektur und Planung optimal zu unterstützen. Nachhaltigkeit und Ressorucenschonung sind handlungsleitend. Innere Schulentwicklung muss weiter gefördert werden: Schulen sollen sich unter Einbindung der gesamten Schulgemeinschaft ein eigenes Profil geben können. Vielfalt und Kooperationen mit außerschulischen Partner müssen ermöglicht und gestärkt werden, um die Anschlussfähigkeit an die Lebensrealität der jungen Menschen zu gewährleisten. Die Schulen sollen dabei unabhängig entscheiden und Freiräume in der Auswahl des Personals erhalten. Die vernetzung von Sozialraum und Schule muss gefördert werden, damit der Ort Schule zu einem lebendigen kommunalen Zentrum wird. Schulen mit besonderen Herausforderungen müssen zusätzliche Budgets erhalten, über die sie eigenverantwortlich verfügen. Schulleitung ist zentral für gute Schule. Schulleitungen sind zu entlasten und zu stärken sowie in ihrer Führungskompetenz zu entwickeln.

Wir Freien Demokraten wollen die Ausgaben für Bildung wieder so erhöhen, dass Deutschland wieder zu den führenden fünf Ländern der 35 Staaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zählt. Dieses Geld muss auch dafür verwendet werden, marode Schulgebäude wieder in Orte zu verwandeln, an denen unsere Kinder optimale Bedingungen vorfinden und gerne lernen.

Wir setzen für die weltbeste Bildung auf mehr Eigenständigkeit der Schulen. Wie die PISA-Studie zeigt, erzielen Kinder an Schulen mit größerer Gestaltungs- und Entscheidungsfreiheit deutlich bessere Leistungen. Denn wer eigene Entscheidungshoheit bei Organisation, Budget, Profilbildung und Personal besitzt, übernimmt auch engagiert Verantwortung und kann für beste Ergebnisse sorgen. Daher sollen Schulen selbst über ihren Haushalt, ihr Profil und ihr Personal entscheiden können. Hierzu müssen Schulleitungen geschult und gestärkt werden und die Möglichkeit kaufmännischer Unterstützung erhalten. Einheitliche Bildungsstandards geben das Ziel vor, sich am Niveau der besten Bildungseinrichtungen der Welt zu orientieren. Ob die einzelne Schule sie erreicht, wird geprüft und transparent gemacht. Um die Standards erreichen zu können, müssen Schulen durch exzellente Fortbildungen bei der Schul- und Unterrichtsentwicklung unterstützt werden. Schulen mit besonderen Problemen, Schulen in Brennpunkten und Schulen, die noch hinter den Ergebnissen vergleichbarer Schulen zurückbleiben, müssen besonders unterstützt werden, beispielsweise hinsichtlich der Lehrer-Schüler- Relation. Um es Eltern und Schülern leichter zu machen, die für sie passende Schule zu finden, wollen wir eine transparente (Langzeit-) Evaluation der einzelnen Schulen und Lehrer ermöglichen und dabei eng mit Schulen, Eltern und Schülern zusammenarbeiten.

Außerdem fordern wir Freie Demokraten eine gleichwertige Unterstützung der Schulen in freier Trägerschaft. Die Schulen in freier Trägerschaft sind oftmals Motor für pädagogische Reformprozesse und führen die Schülerinnen und Schüler zu den gleichen Abschlüssen wie staatliche Schulen. Allerdings erhalten diese Schulen derzeit für ihre Arbeit noch weniger Geld pro Schülerin und Schüler als die staatlichen Schulen. Im Rahmen eines fairen Wettbewerbs aller Schulen miteinander, fordern wir für die Schulen in freier Trägerschaft die gleiche Anerkennung und finanzielle Unterstützung wie für die staatlichen Schulen.

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