Wahlprüfsteine von "Berufsverband der Deutschen Kieferorthopäden e.V. (BDK)"

Fragen:

Krankenversicherungssystem Diverse Studien – unter anderem die Fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie – belegen die Leistungsfähigkeit und auch die ökonomische Effizienz des dualen Versicherungssystems. Wie muss Ihrer Meinung nach ein Wettbewerb unter den Krankenkassen aussehen? Mit welchen Maßnahmen soll Ihres Erachtens künftig eine hohe Qualität in der zahnärztlichen Versorgung und eine faire Vergütung der vertragszahnärztlichen Honorierung gewährleistet werden?

Wir Freie Demokraten treten entschieden für den Erhalt des bewährten dualen Systems aus GKV und PKV ein. Gerade der Wettbewerb und die Vorreiterrolle der PKV bei der Einführung neuer Behandlungsmethoden haben medizinische Innovationen gefördert. Jeder Form einer staatlichen Einheitsversicherung erteilen wir eine klare Absage. Dies würde nur zu einer ineffizienten Zuteilungsmedizin und zur Entmündigung sowohl der Patientinnen und Patienten als auch der Leistungserbringer führen. Wir wollen stattdessen die Wahlfreiheit stärken, sodass jeder frei und unabhängig vom Einkommen entscheiden kann, welchem Versicherungssystem er angehört und welche Lösung seiner Lebensform am besten gerecht wird. Dazu wollen wir den Wettbewerb sowohl innerhalb als auch zwischen den beiden Systemen stärken. Denn ein solcher Wettbewerb trägt dazu bei, dass Patientinnen und Patienten gut versorgt werden und schneller von medizinischen Fortschritten profitieren. Insbesondere muss es mehr Wahlfreiheit zwischen verschiedenen Tarifen und Selbstbeteiligungen geben. Dafür gilt es auch, starre Vergütungsordnungen, wie die BEMA, zu überprüfen und zu flexibilisieren.

Qualitätssicherung in der Zahnmedizin Die Weiterbildung zum Fachzahnarzt für Kieferorthopädie sowie ständige, fachlich qualifizierte und umfassende Fortbildungen garantieren die hohe Qualität kieferorthopädischer Versorgung der Patientinnen und Patienten in Deutschland. Wie positionieren Sie sich zum Status des „Fachzahnarztes“? Und wäre in diesem Zusammenhang die in der Medizin definierte „Qualitätssicherung“ nach Ihrem Dafürhalten auch ein Weg für die Zahnmedizin?

Wir Freie Demokraten wollen die ambulante zahnmedizinische Patientenversorgung flächendeckend, wohnortnah und auf hohem Qualitätsniveau sicherstellen. Der Fachzahnarzt hat sich in der Vergangenheit als wichtiges Instrument zur Qualitätssicherung bewährt. Die Organisation der Aus- und Weiterbildung über die Landeszahnärztekammern halten wir für den richtigen Ansatz und wir sehen keinen Grund für staatliche Eingriffe in das Kammerwesen.

Kieferorthopädie ist Prävention Wenn es erklärter Wille der Politik ist, teure Spätversorgungen zu vermeiden, kann vornehmlich die Kieferorthopädie dazu beitragen, durch eine möglichst rechtzeitige Behandlung Zahnfehlstellungen und Kieferanomalien zu vermeiden und dadurch aufwendige prothetische Spätversorgungen nicht notwendig werden zu lassen. Neben der zahnmedizinischen Prophylaxe zur Vermeidung von Karies und Parodontopathien ist die rechtzeitige kieferorthopädische Behandlung von Dysgnathien der effiziente Weg, Kosten zu sparen und durch Prävention gesundheitspolitischen Nutzen zu stiften. Hierzu veröffentlichte die Deutsche Gesellschaft für Kieferorthopädie bereits 2010 eine entsprechende Stellungnahme. Wie positionieren Sie sich zu diesem Thema?

Wir Freie Demokraten wollen die Gesundheitsvorsorge und Prävention nach wissenschaftlicher Evaluation stärken. Dies kann auch kieferorthopädische Maßnahmen umfassen, muss aber in einer Kosten-Nutzen-Abwägung geklärt werden und kann nicht pauschal entschieden werden. Für uns ist wichtig, dass jede Bürgerin und jeder Bürger Zugang zu ausreichenden und medizinisch sinnvollen Präventionsprogrammen hat.

Freiberuflichkeit Der freie Beruf wird durch die Überregulierung seiner Rahmenbedingungen und leistungsfeindliche Anreize gefährdet. Zahlreiche, insbesondere junge Kolleginnen und Kollegen entscheiden sich deshalb gegen die Praxisgründung und wählen immer öfter den Weg ins Angestelltenverhältnis. Wie wollen Sie junge Menschen noch für das Risiko begeistern, sich als Fachzahnarzt niederzulassen, Verantwortung für die Gesellschaft, die Patienten aber eben auch für eigene Angestellte zu übernehmen?

Für uns Freie Demokraten steht außer Frage, dass das Rückgrat der ambulanten zahnheilkundlichen Versorgung nach wie vor aus den freiberuflich, in eigener Praxis tätigen Niedergelassenen bestehen soll. Für eine ausreichende ambulante zahnheilkundliche Versorgung ist es essentiell, dass sich weiter ausreichen Zahnärzte und Zahnärztinnen beziehungsweise Fachzahnärztinnen und -ärzte für Kieferorthopädie für eine eigene Praxisgründung entscheiden. Dies wollen wir zum einen durch den Abbau von unnötiger Bürokratie fördern. Deshalb wollen wir die Handlungsempfehlungen aus dem Projekt „Mehr Zeit für Behandlung“ des Nationalen Normenkontrollrates im vollen Umfang umsetzen, zum Beispiel die Vereinfachung der Dokumentation bei der Aufbereitung von Medizinprodukten. Zum anderen wollen wir prüfen, wie die Niederlassung im ländlichen Raum durch geeignete Anreize gefördert werden kann. Alternative Praxismodellen, wie genossenschaftlich organisierten Praxisformen, können zudem den Einstieg erleichtern.

Zukunftsperspektive Bereits heute ist der weit überwiegende Teil der Studierenden im Fach Zahnmedizin weiblich – es gibt Studienjahrgänge mit einer Frauenquote von 100 Prozent. Bei der Weiterbildung zum Fachzahnarzt/zur Fachzahnärztin für Kieferorthopädie setzt sich dieser Trend fort. Die Praxen der Zukunft benötigen Rahmenbedingungen, die es Frauen ermöglichen, eine eigene Praxis zu führen und Familie zu gründen. Welchen Reformbedarf sehen Sie diesbezüglich?

Siehe dazu auch Antwort auf Frage 4.
Speziell hinsichtlich der Vereinbarkeit von Familie und Beruf wollen wir mehr und mit Blick auf die Betreuungszeiten flexiblere Kinderbetreuungsmöglichkeiten schaffen, sodass zum Beispiel auch Notdienstzeiten abgedeckt sind.

zur Übersicht der Wahlprüfsteine