Wahlprüfsteine von "Deutscher Olympische Sportbund (DOSB) e.V."

Fragen:

1. Spitzensportförderung braucht Förderung

Die Förderung des Hochleistungssports bleibt wesentliche Aufgabe des Bundes. Die Förderung des Sports für alle wird von den Ländern, vor allem aber von den Städten und Gemeinden wahrgenommen. Wir Freie Demokraten wollen einen besseren Informationsaustausch zwischen den Verbänden und Organisationen bei der Abstimmung von Fördermaßnahmen. Dazu kann ein einheitliches Informationssystem beitragen.

Leistungssport und Breitensport profitieren voneinander. Spitzensportlerinnen und Spitzensportler begeistern und animieren als Vorbilder zum Sporttreiben. Wir wollen die finanzielle Unterstützung im Leistungssport an der internationalen Wettbewerbsfähigkeit orientieren und sie für den Breitensport auskömmlich und berechenbar gestalten

Wir wollen uns dafür einsetzen, dass gemeinsam mit DOSB, Bundeswehr, Polizei, Zoll, Sporthilfe und den Spitzenverbänden eine zeitgemäße Strategie der Förderung von Spitzensportlerinnen und Spitzensportlern auf den Weg gebracht wird. Es muss attraktiv sein, für unser Land Spitzensport zu betreiben. Wir setzen dabei auf Rahmenbedingungen sowohl im sportlichen als auch im Bereich Ausbildung und Beruf, die Nachteile verhindern und eine freiheitliche Entfaltung der Athletinnen und Athleten ermöglichen. Innerhalb eines dualen Systems müssen wir Verantwortung für die Athletinnen und Athleten übernehmen und Trainings-, Wettkampf- , Ausbildungs- , Studien - und Arbeitszeiten einander anpassen. Dabei setzen wir uns für eine Profilquote für Spitzensportlerinnen und Spitzensportler bei der Hochschulzulassung in allen Bundesländern (wie zum Beispiel bereits in Bayern, Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Hamburg/Schleswig-Holstein) und eine Flexibilisierung des Studiums ein. Darüber hinaus wollen wir die Unternehmen auch in diesem Bereich für die Unterstützung des Spitzensports sensibilisieren.

Die Paralympics in enger zeitlicher und örtlicher Verbindung mit den Olympischen Spielen finden zunehmend öffentliche Beachtung. Viele deutsche Athletinnen und Athleten haben den Weg in die Weltspitze gefunden und inspirieren andere mit ihren Leistungen. Die Jahr für Jahr wachsende internationale Konkurrenz und Professionalisierung machen bei der Finanzierung dieses Sportbereichs größere Anstrengungen erforderlich. Die Frage des Umgangs mit technischen Hilfsmitteln (zum Beispiel Prothesen) muss im Einzelfall schnell wissenschaftlich geklärt werden können, um die Teilnahme von Menschen mit Behinderungen an Wettkämpfen eindeutig zu regeln.

Die Leistungen des Sports für die Gesellschaft und seine Bedeutung für die Freizeitgestaltung erfordern ein hohes Maß an staatlicher Unterstützung, die zuverlässig, berechenbar und transparent bleiben muss. Vor dem Hintergrund haushaltspolitischer Beschlüsse wie der Schuldenbremse kommt der privaten Förderung des Sports eine wachsende Bedeutung zu. Auf diesem Weg wollen wir Stiftungen rechtlich und organisatorisch ihre Arbeit erleichtern, Hospitality-Regelungen praxisgerechter gestalten, den Glücksspielstaatsvertrag europarechtlich wasserfest machen und für den Sport – wie wir es von der Kulturpolitik her kennen – Urheberrechte sichern.

Mit diesen Maßnahmen wird sich sowohl der Breiten- als auch der Leistungssport seiner gesellschaftlichen Bedeutung entsprechend weiterentwickeln können.

Stillstand ist Rückschritt. Wir wollen für Aktive und ihre Trainerinnen und Trainer und Übungsleiterinnen und Übungsleiter, für die Ehrenamtlichen, für Funktionäre, für Zuschauer und Medien, Verein und Verbände Rahmenbedingungen schaffen, die dem Sport kontinuierlich Fortschritte ermöglichen, die allen Menschen in unserer Gesellschaft gut tun.

2. Ehrenamt stärken, Bürokratie stoppen

Das Ehrenamt ist eine unverzichtbare Säule des Sports. Bürokratische Regelungen wie zum Beispiel im Steuer- und Haftungsrecht dürfen von ehrenamtlichem Engagement nicht abschrecken. Die mit uns in der Bundesregierung durchgesetzte Erhöhung der Ehrenamts- und Übungsleiterpauschale muss unangetastet bleiben.

Wir wollen uns vor dem Hintergrund der sinkenden Bereitschaft zu unentgeltlichem Einsatz für die Gemeinschaft für eine Anerkennungskultur einsetzen (zum Beispiel in Schulen, Behörden, Unternehmen) und damit ehrenamtliches Engagement verstärkt würdigen – auch durch Darstellung im digitalen Raum. Soziale Medien spielen eine immer wichtigere Rolle in der Berufswelt. Wir wollen uns für innovative Konzepte auch im Ehrenamt einsetzen.

3. Sportdeutschland braucht Sporthighlights

Deutschland ist immer ein vorzüglicher Gastgeber sportlicher Großveranstaltungen gewesen. Internationale Ereignisse wirken über den Tag hinaus in unsere Gesellschaft hinein. Wie an der Fußball-WM 2006 zu erkennen ist, entfalten Sportereignisse auch wichtige kultur- und gesellschaftspolitische Effekte. Wir Freie Demokraten sehen die Entwicklung zu immer größeren und aufwändigeren Ereignissen allerdings kritisch. Wir wollen eine Rückbesinnung auf traditionelle Werte der Organisation und Durchführung von Sportgroßereignissen – ökonomisch, ökologisch, humanitär und nachhaltig. Auch die Vergabe der Großereignisse muss demokratischer und transparenter ablaufen. Wir wollen jede Bewerbung Deutschlands – auch und gerade um die Ausrichtung Olympischer Spiele – unterstützen, die von diesem Grundsatz getragen ist und die Bevölkerung rechtzeitig miteinbezieht. Wir wollen die Erfahrungen der Olympiabewerbungen von München und Hamburg zu einem Umdenken nutzen. Wir begrüßen die Agenda 2020 des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) als wesentliche Grundlage dieses Prozesses.

4. Moderne statt marode Sportstätten

Nach der Wende ist über den „Goldenen Plan Ost“ der Sanierung und Modernisierung der Sportstätten in den neuen Bundesländern Vorrang gewährt worden. Dadurch ist der Sanierungsstau in den alten Bundesländern erheblich angewachsen. Auf der Grundlage einer Erhebung der Sportstättensituation in Deutschland wollen wir Freie Demokraten ein Förderprogramm auflegen, das sich am Goldenen Plan orientiert: Bund, Länder, Städte und Gemeinden in einer „konzentrierten Aktion“. Dabei geht es uns nicht allein um normierte Auflagen, sondern auch um Spiel- und Bewegungsräume in Wohngebieten. Die Lärmschutzverordnung ist dementsprechend anzupassen.

5. Gesundheitsleistungen müssen sich auch für Vereine auszahlen

Sportvereine und Sportfachverbände haben seit jeher der Verhaltensprävention eine besondere Bedeutung beigemessen. Hinzu kommen Initiativen privater Anbieter. Diese Angebotsvielfalt gab es auch ohne eine gesetzliche Regelung. Das Präventionsgesetz ist gut gemeint, im Vollzug aber zu bürokratisch. Die „Zentrale Prüfstelle Prävention“ (ZPP) entscheidet häufig ohne den sportlichen Sachverstand, manches bewährte Angebot fällt Formalien zum Opfer, die den Krankenkassen geschuldet sind. Wir wollen die nicht immer pauschale Entscheidungspraxis der ZPP zugunsten des Sports verändern. Die Prüfkriterien zum Erhalt des Prüfsiegels „Deutscher Standort Prävention“ sind dementsprechend fortzuschreiben. Das DOSB-Qualitätssiegel „Sport-pro-Gesundheit“ dient als beispielhaft und vorbildlich. Dabei müssen auch Reha-Sportangebote der Vereine und Verbände breiteren Raum erhalten.

6. Vom Sport fürs Leben lernen

Der Schulsport ist essentieller Bestandteil des schulischen Bildungs-und Erziehungsauftrags. Er fördert die Leistungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen körperlich und geistig gleichermaßen. Deshalb wollen wir Sport, Spiel und Bewegung im Schulalltag den ihrer Bedeutung entsprechenden Stellenwert einräumen. Voraussetzung dazu sind angemessene Sportstätten, eine Schulhofgestaltung als Anreiz für tägliche Bewegung und fachkompetente Lehrerinnen und Lehrer. Auch der Schwimmunterricht darf nicht vernachlässigt werden. Die jährliche Zahl der Ertrunkenen ist alarmierend. Wir setzen uns für eine verpflichtende Schwimmausbildung in Kindergärten, Kitas und Grundschulen ein, die auch tatsächlich stattfindet. Dem Fachlehrermangel wollen wir mit außerschulischer Unterstützung (DLRG, Schwimmmeister, Vereinstrainer) begegnen.

Die Ausweitung des Ganztagsunterrichts macht eine verbesserte Zusammenarbeit von Schulen und Sportvereinen erforderlich. Wir wollen für Synergieeffekte sorgen durch den Einsatz von Trainerinnen und Trainern und Übungsleiterinnen und Übungsleitern in Schulen einerseits und Talentsuche und -förderung von Kindern und Jugendlichen für die Vereine andererseits.

Schulsport muss alle Kinder ansprechen – die Leistungsbereiten ebenso wie Bewegungsbenachteiligte und Sportdistanzierte. Das Programm der Bundesjugendspiele sollte so gestaltet sein, dass gleichzeitig die Abnahme des Deutschen Sportabzeichens möglich ist. Auch die Präsenz der Bundesjugendspiele und des Sportabzeichens in den neuen Medien könnte Kinder und Erwachsene motivieren. Boomende Apps und Communities im Fitnessbereich belegen das dort liegende Potenzial. Sport, Spiel und Bewegung in der Schule dienen Prävention und Gesundheitsförderung, verfügen aber auch über große Inklusionskraft, die wir nutzen wollen.

Der Sport ist einer der Schlüssel zur Integration und Inklusion. Menschen unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlicher Anlagen finden bei Sport und Spiel zusammen. Der Sport kann sein Potenzial auf diesem Feld noch besser entfalten. Wir wollen die Kooperation von Politik und Vereinen, Schulen und Hochschulen, Unternehmen und Betrieben und staatlichen und privaten sozialen Einrichtungen erweitern und in engere Abstimmung bringen. Wir setzen dabei auf die herausragende Arbeit der Sportvereine und Fachverbände, des Deutschen Behindertensportverbandes und Special Olympics Deutschland mit ihren Mitgliedsorganisationen. Sie regen Menschen mit Migrationshintergrund und Menschen mit körperlicher oder geistiger Behinderung zur Teilhabe am sportlichen Leben an und ermöglichen aktives vorurteilsfreies Miteinander. Sie alle tragen Verantwortung, jeder Form von Diskriminierung entschieden entgegenzutreten und dagegen mit allen verfügbaren Mitteln vorzugehen.

Ebenso ist es im Leistungs-und Hochleistungssport. Die Paralympics in enger zeitlicher und örtlicher Verbindung mit den Olympischen Spielen finden zunehmend öffentliche Beachtung. Viele deutsche Athletinnen und Athleten haben den Weg in die Weltspitze gefunden und inspirieren andere mit ihren Leistungen. Wir setzen uns für eine stärkere Förderung dieses Sportbereichs ein (s. auch Antwort zu 1.).

7. Gesellschaftliche Werte pflegen und Vielfalt ermöglichen

Angesichts der zunehmenden Vermarktung und Kommerzialisierung sportlicher Ereignisse wächst die Verantwortung der Medien für einen angemessenen Umgang mit allen Sportarten. Wir wollen insbesondere die öffentlich-rechtlichen Medien unter sorgfältiger Abwägung von Kosten und Programmauftrag verpflichten, die gesamte Vielfalt des Sports abzubilden.

Gewalt im Zusammenhang mit Sportveranstaltungen stellt ein wachsendes Problem dar. Veranstalter und Sicherheitsbehörden sind gefordert, alles zu tun, um Gefährdungen von Teilnehmerinnen und Teilnehmern swie Zuschauerinnen und Zuschauern zu verhindern. Wir wollen neben repressiven Maßnahmen die Intensivierung des Dialogs zwischen Vereinen und Verbänden, Ordnungsdiensten und -behörden, Fans- und Sicherheitsbeauftragten und der Polizei. Prävention ist oft wirksamer als Abschreckung und Bestrafung.

Neben dem organisierten Sport sind auch Länder und Kommunen in der Pflicht, die Ziele des Nationalen Konzepts Sport und Sicherheit umzusetzen.

Wir lehnen eine Beteiligung der Sportvereine an den Kosten der Polizeieinsätze aus Gleichheitsgrundsätzen ab. Der Profisport leistet mit seinen Steuern und Abgaben bereits einen hohen Beitrag, kleinere Vereine wären völlig überfordert.

Auch für Sportfans gelten Bürgerrechte. Wir wollen die Speicherung von Daten bei Ermittlungsverfahren und die Aufnahme in eine Gewalttäterdatei hohen rechtlichen Hürden unterwerfen.

Die Freien Demokraten unterstützen den sogenannten „Chemnitzer Weg“ als Modellversuch. In einem abgegrenzten Bereich soll es demnach erlaubt werden, zuvor angemeldete Rauchfackeln zum Einsatz zu bringen. Explizit ausgenommen hiervon sind alle Feuerwerkskörper und nicht-löschbare Pyrotechnik, die unter das Sprengstoffgesetz fallen.

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