Wahlprüfsteine von "Initiative Moderne Wundversorgung"

Fragen:

Planen Sie Maßnahmen zur dauerhaften und langfristigen Verbesserung der Versorgung von Patienten mit chronischen Wunden sowohl in der Fläche als auch in spezialisierten Einrichtungen? Gibt es darüber hinaus konkrete Maßnahmen zur Qualitätssicherung, die Sie unterstützen?

Wir Freie Demokraten wollen, dass die ambulante Versorgung von chronischen Wundpatienten langfristig wohnortnah gesichert werden kann. Die niedergelassenen Haus- und Fachärzte bilden dabei die Basis der flächendeckenden und hochwertigen ambulanten ärztlichen Versorgung. Die Orientierung auf die häusliche Umgebung erleichtert dabei die Einbeziehung der Pflege und weiterer Gesundheitsberufe. Hier steht der chronische Wundpatient im Mittelpunkt. Zentralisierte Versorgungsformen haben sich bisher nur punktuell als praktikabel erwiesen.

Die gesetzlichen Vergütungsregelungen erschweren es derzeit, Behandlungsmethoden aus dem Krankenhaus in den ambulanten Sektor zu überführen. Die dafür notwendigen Verfahren in der Selbstverwaltung müssen beschleunigt werden. Wir Freien Demokratren wollen das Instrument der Qualitätsverträge dauerhaft einführen und die bisherigen Beschränkungen auf wenige Indikationen aufheben. Denn durch diese Verträge können Krankenkassen mit Krankenhausträgern gegen zusätzliche Anreize höherwertige Qualitätsanforderungen vereinbaren und dadurch die qualitativ hochwertige Versorgung der Patientinnen und Patienten fördern. Außerdem sollte bei integrierten und bei rein ambulanten Verträgen der besonderen Versorgung auf den Nachweis der Wirtschaftlichkeit verzichtet werden, wenn eine besondere Qualität der Versorgung erreicht wird.

Mit dem Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetz (HHVG) hat der Gesetzgeber eine Definition der Verbandmittel erlassen, um mehr Rechtssicherheit für alle Beteiligten zu schaffen. Danach werden Verbandmittel von sonstigen Produkten zur Wundbehandlung unterschieden und der G-BA wurde beauftragt, das „Nähere zur Abgrenzung“ zu regeln. Aus versorgerischer Sicht ist es essenziell, dass zukünftig auch sonstige Produkte zur Wundbehandlung von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet werden, wenn sie die Kriterien erfüllen. Die Abgrenzungsrichtlinie sollte somit als eigene Anlage den Besonderheiten von Medizinprodukten als sonstige Produkte zur Wundbehandlung entsprechen. Die geforderten Nachweise sollten aus unserer Sicht angemessen, mit leistbaren Dokumentationsaufwendungen und zu vertretbaren Kosten zu erreichen sein. So wird gewährleistet, dass innovative sonstige Produkte zur Wundbehandlung auch zukünftig als verordnungsfähige Produkte in der Regelversorgung angewendet werden können. Die von Experten geforderte phasengerechte, an die individuelle Situation des Patienten angepasste Wundversorgung sollte auch im Hinblick auf die Zielsetzung des Gesetzes für eine Verbesserung der Versorgung weiterhin sichergestellt sein. Wie könnte dies aus Ihrer Sicht im Sinne der medizinisch notwendigen Versorgung von chronischen Wundpatienten vorgenommen werden?

Mit dem Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetz ist es gelungen, die individuelle und phasengerechte Versorgung von knapp einer Million Patientinnen und Patienten mit chronischen Wunden sicherzustellen. Während chronische Wundpatienten ihre Produkte in der Versorgung weiter von der Krankenkasse erstattet bekommen, erhalten Behandler, Pflegekräfte und Krankenkassen die notwendige Rechtssicherheit über die Erstattung von Verbandmitteln.

Für chronische Wundpatienten ist von besonderem Interesse, dass die Definition der Verbandsmittel nicht nur ihre bedeckende und aufsaugende Wirkung, sondern zusätzlich weitere Funktionen und Eigenschaften zur Unterstützung der Wundheilung beinhaltet. So fallen auch moderne Wundverbände zur hydroaktiven Wundbehandlung, sowie antimikrobielle und geruchsabsorbierende Verbände unter diese Definition.

Bei der nun vom gemeinsamen Bundesausschuss zu erarbeitenden Richtlinie ist es essentiell, dass die so definierten Verbandsmittel von anderen Medizinprodukten, die keine Verbandsmittel sind, klar abgegrenzt werden, damit letztere nicht mehr unberechtigt als diese eingeordnet und deren Kosten fälschlicherweise von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden.

Verfolgen Sie Ansätze und Modelle zur Verbesserung von Versorgungsstrukturen, von denen auch die häufig multimorbiden Patienten mit chronischen Wunden profitieren würden? Sehen Sie Chancen für eine zusätzliche finanzielle Unterstützung zum Beispiel spezialärztlicher Versorgungsansätze oder die Förderung von Telemedizinprojekten in der Breite?

Wir Freie Demokraten wollen die Budgetierung im Gesundheitswesen abschaffen. Sie hat zu einer Unterfinanzierung der medizinischen Versorgung sowie zu einem Ausbluten der gesundheitlichen Versorgung in den ländlichen Regionen und sozialen Brennpunkten geführt. Dieses trifft auch auf die spezialärztliche Behandlung von chronischen Wundpatienten zu. Derzeit leisten die Bürgerinnen und Bürger Zusatzbeiträge, ohne damit direkt Einfluss auf Art und Qualität der Behandlung nehmen zu können. Gleichzeitig werden ihnen Untersuchungen und Therapien durch Budgetierung und versteckte Zwangsrationierung vorenthalten. Das schafft bei Patientinnen und Patienten Unzufriedenheit und Unsicherheit und ist eine drastische Form von Ungerechtigkeit.

Wir Freie Demokraten setzen uns für den weiteren Ausbau digitaler Gesundheitsdienstleistungen und für verbesserte Rahmenbedingungen für eine sichere Digitalisierung des Gesundheitssystems ein, die sich an den Bürgerinnen und Bürgern als dessen Nutzerinnen und Nutzer orientiert. Denn digitale Dienstleistungen sorgen für ein effizienteres, schnelleres und sichereres Gesundheitssystem. Sogenannte E-Health-Systeme, bei denen relevante Daten gesammelt und nutzbar gemacht werden, bieten eine Vielzahl von Möglichkeiten, um Verbesserungen im Gesundheitswesen einzuführen. Der Ausbau von Telemedizinprojekten in der Breite ist daher unbedingt zu unterstützen - davon werden auch multimorbide Patienten mit chronischen Wunden profitieren.

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