Pressemitteilung

THEURER-Gastbeitrag: Wasserstoff statt Batterie

Über Klimaschutz durch Technologieoffenheit.

Das FDP-Präsidiumsmitglied Michael Theurer schrieb für die „Südwest Presse“ (Donnerstag-Ausgabe) den folgenden Gastbeitrag:

Stellen Sie sich vor, es gibt eine Auto-Technologie, die ohne die Abgasprobleme des Verbrennungsmotors auskommt – keine Stickoxide aus dem Auspuff. Eine Technologie, die viel weniger Umweltschäden beim Abbau und der Entsorgung aufweist als die batteriegetriebene Elektromobilität. Eine Technologie, mit der das Auto über seine Lebensdauer weniger CO2 ausstößt als ein Batterieauto oder ein Diesel. Mit der man das Auto in drei Minuten für 600 bis 800 Kilometer Reichweite volltanken kann. Eine Technologie, bei der Deutschland Technologieführer ist und mit der im Gegensatz zum Batterieauto nicht 100.000 gut bezahlte Arbeitsplätze in Deutschland wegfallen. Klingt utopisch? Ist es nicht.

Es handelt sich um die Wasserstoff-Brennstoffzelle. Doch in Deutschland und Europa hat diese Technologie kaum eine Chance. Ich habe den grünen Fraktionsvorsitzenden Anton Hofreiter noch im Ohr, wie er mir immer wieder erklärt hat, Technologieoffenheit sei zu teuer, man müsse sich für eine Technologie entscheiden – und weil die Chinesen die Batterie wollen, werde die Batterie kommen. Doch die chinesische Regierung hat längst den Kurs geändert, streicht Subventionen für Batterieautos radikal zusammen. Trotz ihres geostrategischen Interesses daran, dass sich eine Technologie durchsetzt, für die man viele Rohstoffe aus China braucht oder für die chinesische Unternehmen die Schürfrechte halten, ist der Batteriehype in China vorbei. Neben den Umweltschäden haben die Batterieautos in China auch den Ruf, sie würden oft unvermittelt in Brand geraten.

Während nun Japan und China vorangehen, erste Brennstoffzellen-Autos in Serie verkauft werden und unzählige folgen sollen, ganze Landstriche zu Wasserstoff-Clustern aufgebaut werden sollen, droht Deutschland wegen der fehlenden Technologieoffenheit den Anschluss zu verlieren – und dies, obwohl deutsche Autohersteller und Zulieferer die Technik an sich gut beherrschen.

Denn wer aus Strom – etwa der firmeneigenen Solaranlage – Wasserstoff herstellen will, statt ihn ins Netz einzuspeisen, wird doppelt benachteiligt: Er muss EEG-Umlage und Mehrwertsteuer bezahlen, bekommt auf der anderen Seite aber keine Einspeisevergütung. Das ist doch absurd! Hier wird das Erneuerbare-Energien-Gesetz zum Erneuerbare-Energien-Verhinderungsgesetz. Diese Diskriminierung muss aufhören. Ich behaupte: Es ist zu teuer, nicht auf Technologieoffenheit zu setzen. Das Autoland Nummer 1 Baden-Württemberg muss zum Wasserstoffland Nummer 1 werden!

Übrigens: Mit dem Wasserstoff könnte man alternativ auch Benzin oder Diesel herstellen. Dazu wird über die Bindung von CO2 aus der Luft synthetischer Kraftstoff gewonnen – sogenannte „E-Fuels“. Diese sind zwar nicht besonders energieeffizient, aber bei der Herstellung mit Erneuerbaren Energien klimaneutral. Denn eines ist klar: Wir können nicht von heute auf morgen alle 57 Millionen Kraftfahrzeuge mit Verbrenner durch Batterie- oder Wasserstoffautos austauschen.

Technik und Innovation sind der beste Weg für den Klimaschutz. Wir müssen die Ökologie mit den Bedürfnissen der Menschen zusammenbringen. Dabei könnte das Thema Wasserstoff eine zentrale Rolle einnehmen.

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