Antragsbuch für den 77. Ordentlichen Bundesparteitag

LV Sachsen

Wer heute spart, zahlt später drauf – Psychische Gesundheit stärken

Die flächendeckende psychotherapeutische Versorgung in Deutschland steht bereits
heute unter einem massiven Belastungsdruck, der durch die vom Spitzenverband der
gesetzlichen Krankenkassen beschlossene Honorarkürzung von 4,5 Prozent zum 1.
April 2026 in unverantwortlicher Weise verschärft wird. In einer Zeit, in der
psychische Erkrankungen stetig zunehmen und einen der Hauptgründe für
Arbeitsunfähigkeit darstellen, ist diese Entscheidung ein fatales Signal an
Therapeuten und Patienten gleichermaßen. Eine solche Kürzung ignoriert die
ökonomische Realität der Praxen, die mit steigenden Betriebskosten konfrontiert
sind, und gefährdet unmittelbar die Versorgungssicherheit der gesetzlich
Versicherten.

Wir fordern daher:

  • die Rücknahme der Honorarkürzung für Psychotherapeuten.
  • mehr Kassensitze für eine bessere Versorgungsdichte.
  • eine an die Anforderung angemessene Bezahlung für Psychotherapeuten.

Begründung

Die wirtschaftliche Abwertung psychotherapeutischer Leistungen droht eine gefährliche Dynamik in Gang zu setzen: Um den Fortbestand ihrer Praxen zu sichern, werden Therapeuten zunehmend dazu gezwungen, Patienten den Vorzug zu geben, die die Behandlung privat finanzieren können. Dies führt zu einer sozialen Selektion, die den gleichberechtigten Zugang zu mentaler Gesundheit untergräbt. Besonders besorgniserregend ist dabei die Lage für Patienten mit komplexen oder chronischen Krankheitsbildern. Da diese Fälle einen erheblichen Anteil an unbezahlter Vor- und Nachbereitung sowie intensiver Dokumentation erfordern, wird es für Therapeuten unter dem aktuellen Kostendruck wirtschaftlich kaum noch darstellbar, diese zeitintensiven Behandlungen im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung zu übernehmen. Anstatt das System durch Honorarkürzungen weiter zu destabilisieren, ist eine grundlegende Kehrtwende in der Gesundheitspolitik notwendig. Eine angemessene und an die tatsächlichen Anforderungen angepasste Vergütung ist die Grundvoraussetzung dafür, dass Therapeuten ihre wichtige gesellschaftliche Aufgabe nachhaltig und in hoher Qualität wahrnehmen können. Darüber hinaus muss die überfällige Ausweitung der Kassensitze vorangetrieben werden, um die Versorgungsdichte zu erhöhen und die untragbar langen Wartezeiten für Hilfesuchende endlich zu verkürzen. Die Rücknahme der Honorarkürzung ist daher nicht nur eine Frage der Fairness gegenüber einer ganzen Berufsgruppe, sondern eine notwendige Maßnahme zum Schutz der gesundheitlichen Infrastruktur in unserem Land.

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