Freiheit ist nicht selbstverständlich

Linda Teuteberg
Linda Teuteberg plädierte für die Anerkennung der Maghreb-Staaten als sichere Herkunftsländer
12.08.2019

Die Freien Demokraten kämpfen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen um den Einzug in die Landtage. FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg gab im Interview mit der B.Z. zu bedenken, dass die Menschen im Osten mit dem Ende der DDR eine besondere Erfahrung gemacht hätten: "Sie haben erfahren, wie wichtig es ist, optimistisch und beharrlich zu sein und sich in Situationen großer Ungewissheit auf die eigenen Stärken zu besinnen. Diese Qualitäten werden wieder sehr wichtig – im Zuge der Digitalisierung und schnell wechselnder Berufsbilder."

Ihrer Erfahrung nach gebe es insbesondere in Ostdeutschland viele Menschen, denen bewusst sei, "dass wirtschaftlicher Erfolg die richtigen Voraussetzungen braucht - gerade weil sie erlebt haben, dass sie trotz Kompetenz und Fleiß unter anderen politischen Bedingungen nicht diesen Wohlstand hatten und dass staatliche Planung nicht zum Erfolg führt".

Die Menschen im Osten hätten außerdem eine klare Vorstellung davon, welche Aufgaben der Staat erfüllen müsse "und sie sind sensibel, wenn es um ihre Bürgerrechte geht, und darum, dass sie nicht gegängelt und bevormundet werden". Dies weiß die gebürtige Brandenburgerin aus eigener Erfahrung: "In einer Diktatur bekommt man das politische System viel stärker zu spüren als in einem freiheitlichen Rechtsstaat, weil solche Regime auch ins Alltagsleben eingreifen." Sie habe den Mauerfall sehr bewusst erlebt und dadurch gelernt, dass Freiheit nicht selbstverständlich sei. "Man muss etwas dafür tun."

Die Probleme, mit denen die Bundesländern im Osten zu kämpfen hätten, seien “in erster Linie immer noch die Folge von 40 Jahren Diktatur und Planwirtschaft“, verdeutlichte die FDP-Generalsekretärin. “Schauen Sie sich die Städte an, die Umwelt! Jeder kann sagen, was er will, auch wenn es der Regierung nicht passt.“ Leider gebe es politische Kräfte, “die den Blick nur auf Defizite richten, um ihr politisches Süppchen zu kochen“. Sie warnte davor, dass dies zu einer Spaltung zwischen Ost und West beitrage.

Teuteberg erklärte, dass wirtschaftliche Rahmenbedingungen geschaffen werden müssten, um kleinen und mittleren Unternehmen Wachstum zu ermöglichen. Auch in den Universitätsstädten stecke großes Potenzial. Mit Blick auf die Kohleregionen betonte sie, dass die Menschen dort Ehrlichkeit verdient hätten. “Mit dem Umzug von ein paar Behörden ist der Strukturwandel nicht zu stemmen.“ Stattdessen müsste parallel zum Kohleausstieg in Infrastruktur, Bildung und Hochschulen investiert werden. “Am Ende zählen Menschen vor Ort, die etwas unternehmen und Risiken eingehen, um dauerhafte Arbeitsplätze zu schaffen, und nicht irgendwelche Strohfeuer aus Steuergeldern.“

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Wirtschaft
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