Antragsbuch für den 77. Ordentlichen Bundesparteitag

LV Sachsen

Digitale Souveränität und Cyber-Resilienz für Deutschlands Hochschulen und Forschungseinrichtungen

Wir Freie Demokraten setzen uns für eine nachhaltige Stärkung  der Cyber-
 Resilienz sowie der digitalen Souveränität staatlicher Hochschulen ein. Diese 
 Maßnahmen sind essenziell für die Sicherstellung einer exzellenten Forschung und 
 Lehre. Dafür schlagen wir folgende Maßnahmen vor:

  •  Strategische Unabhängigkeit durch Open-Source und offene Standards: Wir 
     setzen uns dafür ein, dass bei der Digitalisierung der Hochschulen eine 
     Open-Source-First-Strategie verfolgt wird, um Abhängigkeiten von 
     proprietären Softwarelösungen zu vermeiden und Flexibilität zu garantieren. 
     Wenn proprietäre Software eingeführt wird, sind die Hochschulen 
     verpflichtet sicherzustellen, dass die Daten im europäischen Raum 
     gespeichert werden. Die Softwaresysteme der Hochschulen müssen offene 
     Standards und Formate unterstützen.
  •  Die Bundesregierung soll der Datensicherheit an den Hochschulen und 
     Forschungseinrichtungen eine deutlich höhere Priorität einräumen, um 
     Datensicherheitsrisiken durch Abhängigkeiten von proprietären Office- und 
     Collaboration-Lösungen zu reduzieren.
  •  Aufbau eines Cyber-Abwehrschirms: Es ist notwendig, die Hochschulen 
     effektiv vor Cyberangriffen zu schützen und sie in ihrer Resilienz zu 
     stärken. Dafür soll ein Security-Operations-Center (SOC) zum Schutz der 
     Hochschulen eingerichtet werden. Das SOC soll Cyberangriffe erkennen, 
     abwehren und kleinere Einrichtungen entlasten.
  •  Mitnutzung von sicheren Rechenzentren: Die Bundesregierung soll gemeinsam 
     mit den Bundesländern ein Konzept entwickeln, um die Mitnutzung zentraler 
     und sicher administrierter  IT-Dienstleister durch kleinere Hochschulen zu 
     ermöglichen. Damit kann die Gefahr von Einfallstoren in die 
     wissenschaftliche Infrastruktur durch nicht ausreichend geschützte 
     hochschulinterne Systeme gesenkt werden. Dies fördert nicht nur die 
     Sicherheit, sondern ermöglicht auch eine Kostenersparnis durch Synergien.
Begründung

Mit der Open-Source-First-Strategie soll die Unabhängigkeit der Hochschulen in Forschung und Lehre von einzelnen Softwareanbietern gewahrt werden. Falls dennoch auf proprietäre Software gesetzt werden muss, sollen die Hochschulen sicherstellen, dass die Daten ausschließlich in der EU gespeichert werden dürfen. In jedem Fall muss sichergestellt werden, dass die Softwaresysteme offene Standards und Formate unterstützen müssen. Dies dient dem offenen Austausch in der Wissenschaft und vermeidet Lock-in-Effekte.

Es besteht ein dringender Handlungsbedarf, um die digitale Infrastruktur der universitären Bildungseinrichtungen in Deutschland zu schützen. Aktuelle Cyberangriffe zeigen, dass unsere Hochschulen unzureichend vor Bedrohungen geschützt sind, was die Forschung, die Lehre aber auch die Studierenden gefährdet. Durch den Cyber-Abwehrschirm und den Aufbau eines zentralen Landesrechenzentrums können Hochschulen sich eigenständig und effizient gegen Cyber-Bedrohungen wappnen.

Derzeit betreiben die Hochschulen oft jeweils eigene Rechenzentren mit eigenem Personal, Räumlichkeiten und IT-Infrastruktur. Systematische Kosten-Nutzen-Analysen für die aktuelle Situation der lokalen Rechenzentren an den Hochschulen fehlen bisher. Das vergleichbare IT-Dienstleistungen (wie z. B. E-Mail oder Telefonie) von jeder Hochschule lokal selbst erbracht werden, lässt den Schluss zu, dass diese historisch gewachsenen IT-Infrastrukturen nicht mehr zeitgemäß und effizient sein können. Zentralisierte Ansätze, wie beispielsweise in Thüringen oder in Bayern (LRZ) zeigen, dass durch Zentralisierung Kosteneinsparungen und Effizienzgewinne zu erzielen sind, aber auch ein sicherer Betrieb besser gewährleistet werden kann im Vergleich zu lokalen Rechenzentren. Durch einen zentralen IT-Dienstleister (beispielsweise Landesrechenzentren) sollen IT-Dienste kostensparsamer, effizienter und sicherer für alle Hochschulen betrieben werden.

Security-Operations-Center (SOC) sind ein wesentliches Element für die Überwachung, Erkennung und Abwehr von Cyberbedrohungen. Ein SOC stärkt die Handlungsfähigkeit (Resilienz) der Hochschulen, schützt die Forschung sowie die Lehre und ermöglicht eine flexible und nachhaltige Nutzung von Ressourcen. Die größten Synergien sind möglich, wenn das SOC mit einem zentralen Landesrechenzentrum zusammengedacht wird.

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