Bundesvorstand der Liberalen Hochschulgruppen
Freiheit der Lehre – Zugang zu Literatur vereinfachen
Die Freien Demokraten setzen sich für eine umfassende Modernisierung des
wissenschaftlichen Publikationswesens und des Urheberrechts ein, um den
barrierefreien Zugang zu Wissen („Open Access“) als Standard in Deutschland zu
etablieren.
Um die Freiheit der Lehre und die Qualität der Forschung im digitalen Zeitalter
zu sichern, fordern wir:
1. Stärkung des Veröffentlichungsrechts für Zweitveröffentlichungen: Das
Urheberrecht ist auf Bundesebene dahingehend zu reformieren, dass
Forscherinnen und Forscher ein unabdingbares Recht erhalten, ihre mit
öffentlichen Mitteln finanzierten Ergebnisse nach einer angemessenen Frist
kostenfrei zweitzuveröffentlichen.
2. Open-Access-Transformation vorantreiben: Die Bundesregierung wird
aufgefordert, die Verhandlungen mit großen Wissenschaftsverlagen (z. B. im
Rahmen des Projekts DEAL) so zu gestalten, dass Lizenzmodelle weg von
teuren Einzelabonnements hin zu fairen, bundesweiten Pauschallösungen
führen, die den uneingeschränkten Zugriff für alle Studierenden und
Lehrenden ermöglichen.
3. Rechtssicherheit in der digitalen Lehre: Die Schrankenregelungen im
Urheberrechts-Wissensgesellschafts-Gesetz (UrhWissG) müssen
praxistauglicher gestaltet werden. Die Bereitstellung von digitaler
Fachliteratur auf Lernplattformen muss ohne unverhältnismäßige
bürokratische Hürden und finanzielle Belastungen für die Hochschulhaushalte
möglich sein.
4. Förderung unabhängiger Repositorien: Der Bund soll den Ausbau und die
Vernetzung digitaler Infrastrukturen (Server und Repositorien) an den
Hochschulen finanziell fördern, um die Abhängigkeit von privaten
Verlagsmonopolen zu verringern und die Souveränität der Wissenschaft über
ihre eigenen Daten zu stärken.
Begründung
Der Zugang zu wissenschaftlicher Literatur ist eine Grundvoraussetzung für exzellente Lehre und individuelle Chancengerechtigkeit. Derzeit wird dieser Zugang jedoch durch explodierende Lizenzkosten und restriktive Paywalls privater Großverlage massiv behindert. Dies führt zu einer paradoxen Situation, in der die Allgemeinheit Forschung finanziert, die Ergebnisse aber hinter teuren Bezahlschranken verschwinden.
Als Liberale begreifen wir Wissen als öffentliches Gut, das zur persönlichen Entfaltung und für den Wettbewerb der Ideen frei verfügbar sein muss. Die aktuelle bürokratische Last bei der Literaturrecherche und die finanzielle Überforderung der Hochschulbibliotheken sind Innovationshemmnisse, die wir uns nicht leisten können. Durch die Stärkung von Open Access und die Entbürokratisierung des Urheberrechts fördern wir die akademische Mobilität und stellen sicher, dass der Studienerfolg nicht vom Geldbeutel oder der Finanzausstattung der jeweiligen Heimatuniversität abhängt.