Bundesvorstand der Liberalen Schwulen, Lesben, Bi, Trans und Queer
Fortschritt statt Stillstand in der Bürgerrechtspolitik – auch für sexuelle und geschlechtliche Minderheiten
Die Freien Demokraten treten für eine Gesellschaft ein, in der individuelle
Freiheitsrechte, Selbstbestimmung und ein respektvolles Miteinander unabhängig
von sexueller Orientierung und geschlechtlicher Identität gewahrt werden.
Gerade in Zeiten, in denen Populisten, Rechtsextreme und religiöse
Fundamentalisten die Emanzipation sexueller und geschlechtlicher Minderheiten
zurückdrehen wollen, in Zeiten, in denen diesen Minderheiten wieder vermehrt
Hass entgegenschlägt, verteidigen Liberale ihre Freiheit wie die aller Menschen.
Die FDP hat in der letzten Bundesregierung viel erreicht, darunter die
entschlossenere Verfolgung von Hasskriminalität, die Abschaffung des
Blutspendeverbots und einen nationalen Aktionsplan für die Akzeptanz und den
Schutz sexueller Vielfalt. Zudem wurde ein beschlussreifer Entwurf für eine
Reform des Familien- und Abstammungsrechts vom liberalen Bundesjustizminister
vorgelegt.
Seit dem Ausscheiden der Liberalen aus der Bundesregierung herrscht aber
Stillstand in diesem Bereich der Bürgerrechtspolitik. CDU und CSU blockieren,
und die SPD erscheint vollends antriebslos. Sozialdemokraten loben sich dafür,
dass es keine Rückschritte gibt. Doch Stillstand ist kein Erfolg.
Die Freien Demokraten fordern daher einen Neustart für die individuellen
Freiheitsrechte und für die Sicherheit von sexuellen und geschlechtlichen
Minderheiten.
Dazu gehören für uns insbesondere:
-
1. Der Gesetzentwurf des Bundesrates zur Aufnahme der sexuellen Identität in
den Gleichstellungskatalog in Artikel 3 Grundgesetz muss vom Bundestag
zeitnah beraten und beschlossen werden. -
2. Freiheit heißt, ohne Angst leben zu können. Wir stehen für Nulltoleranz
gegenüber homo- und transfeindlicher Hasskriminalität und Gewalt. Diese
muss konsequent als solche erfasst und verfolgt werden. Tätergruppen und
Tätermotive müssen evaluiert und klar benannt werden, um adäquate
Präventionsarbeit leisten zu können. Präventionsarbeit darf sich nicht auf
die Stärkung von LSBTIQ beschränken, sondern muss gerade auffällige
Tätergruppen wie junge Männer mit rechtsextremen Weltbildern oder aus
bestimmten migrantischen Communities systematisch ansprechen. -
3. Der Aktionsplan für die Akzeptanz und den Schutz sexueller Vielfalt ist
umzusetzen und weiterzuentwickeln. Dabei kommt der Aufklärung in Schulen
und Jugendarbeit eine besondere Bedeutung für die Prävention von
Diskriminierung und Gewalt zu. Auch die Arbeitswelt muss im Dialog mit den
Kammern und Verbänden der Wirtschaft Teil des Aktionsplans sein. Denn
Vielfalt bringt unsere Gesellschaft und unseren wirtschaftlichen Erfolg
voran. Wenn sich Schwule, Lesben und Bisexuelle nicht verstecken müssen,
wenn transidente Personen und queere Menschen akzeptiert werden, wenn alle
gleiche Chancen haben – dann macht uns das erfolgreicher und kreativer. Der
Bund ist hier auch als Arbeitgeber besonders gefordert. -
4. Die Reform des Familien- und Abstammungsrechts ist noch in dieser
Wahlperiode des Bundestages umzusetzen. Diese muss auf unterschiedliche
Familienkonstellationen passen – auf die Mehrheit der heterosexuellen
Elternpaare ebenso wie auf Regenbogenfamilien, Mehreltern- und Patchwork-
Familien. Väter- und Mütterrechte müssen dabei in allen
Familienkonstellationen gleichermaßen gewahrt bleiben. Dazu ist der Entwurf
des früheren FDP-Bundesjustizministers eine sachgerechte und ausgewogene
Grundlage. -
5. Die Kommission zu reproduktiver Selbstbestimmung und Fortpflanzungsmedizin
hat in der letzten Wahlperiode dargelegt, unter welchen Rahmenbedingungen
Eizellspende und nicht-kommerzielle Leihmutterschaft ethisch vertretbar und
praktikabel in Deutschland zugelassen werden können. Wir Freie Demokraten
erneuern vor diesem Hintergrund unsere Forderung, anderen europäischen
Ländern zu folgen und diese Möglichkeiten im deutschen Recht zuzulassen. -
6. Die Bundesregierung sollte die Initiative der Europäischen Kommission zur
grenzüberschreitenden Anerkennung gleichgeschlechtlicher Ehen auch vor dem
Hintergrund der jüngsten Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofes
nachdrücklich unterstützen. Dies ist insbesondere für alle deutschen Paare
von Bedeutung, die dauerhaft in einem anderen EU-Land arbeiten wollen. Ggf.
ist das Instrument der verstärkten Zusammenarbeit zu nutzen. -
7. Weltweit werden Menschen aufgrund ihrer geschlechtlichen oder sexuellen
Identität diskriminiert und verfolgt. Die Verfolgung nimmt in Teilen
Afrikas, im Nahen Osten und in Russland weiter zu. Das Schweigen der
schwarz-roten Bundesregierung muss ein Ende haben. Die deutsche Außen- und
Entwicklungspolitik ist gefordert, sich aktiv für den weltweiten Schutz von
LSBTIQ einsetzen. Bei Strafverschärfungen gegen Homosexuelle ist die
Entwicklungszusammenarbeit im Dialog mit Menschenrechtsverteidigern vor Ort
auf den Prüfstand zu stellen und die Zusammenarbeit mit staatlichen
Einrichtungen zu beenden. -
8. Die Bundesregierung ist gefordert, die Rechtspositionen unserer
Staatsbürger und unserer Unternehmen auch gegenüber Verbündeten wie den USA
entschieden zu wahren. Dass rechtmäßige deutsche Reisepässe mit dem
Geschlechtseintrag „divers“ nicht mehr akzeptiert werden, kann nicht
unwidersprochen bleiben. Ebenso ist es als Eingriff in die unternehmerische
Freiheit und den freien Handel inakzeptabel, wenn die USA deutsche
Unternehmen bei der öffentlichen Beschaffung benachteiligen, die Diversity
& Inclusion Programme fortsetzen.
Begründung
Erfolgt mündlich.