BFA Justiz, Innen, Integration und Verbraucherschutz und BFA Digitale Agenda, Internet und Medien
Moderner Staat
Unser Staatsverständnis
Der liberale Rechtsstaat setzt den Ordnungsrahmen für die Entfaltung der
Freiheit aller. Er schützt die Grundrechte, wahrt die Rechtsstaatlichkeit und
sorgt für faire Regeln, damit jeder Mensch sein Leben selbstbestimmt gestalten
kann. Der Staat soll stark sein, wo er gebraucht wird – bei innerer und äußerer
Sicherheit, Justiz, Infrastruktur oder der Garantie von Chancengerechtigkeit –,
aber er soll sich zurücknehmen, wo Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen
selbst Verantwortung übernehmen können.
Ein moderner Staat ist gleichermaßen Voraussetzung wie Ergebnis seiner
demokratischen Verfasstheit. Staatsmodernisierung verstehen wir Liberale daher
als umfassenden und kontinuierlichen Prozess, der alle drei Gewalten umfasst.
Für uns Liberale erschöpft sich Staatsmodernisierung nicht in notwendigen
Verbesserungen in der Verwaltung, sondern betrifft ebenso gute Gesetzgebung und
eine effektive, unabhängige Justiz.
Dem Misstrauen gegenüber dem Staat, der allzu oft einerseits als träge und
andererseits als übergriffig empfunden wird, setzen wir Liberale Vertrauen in
einen schlanken, transparenten und handlungsfähigen Staat entgegen. Der liberale
Staat traut zugleich den Bürgerinnen und Bürgern etwas zu. Er setzt deshalb
Vertrauen in die Menschen. Damit ist klar, dass nicht der Staat alle Lösungen
vorgibt, sondern den Rahmen setzt, innerhalb dessen die Bürgerinnen und Bürger
sowie Unternehmen Lösungen finden können. Damit folgt sowohl die Gesetzgebung als
auch das Verwaltungshandeln nicht dem Prinzip der vorauseilenden umfassenden
Kontrolle, sondern zieht Grenzen und setzt deren Einhaltung durch.
Wir Liberale hinterfragen die Wirksamkeit staatlichen Handelns. Einer
finanziellen und regulatorischen Überforderung eines Staates, der alles für die
Menschen und Unternehmen regeln soll, setzen wir einen Staat entgegen, der klare
Regeln setzt, aber nur eingreift, wo es notwendig ist. Dies gilt ebenso für
Anforderungen an die Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen als auch für die
Erfüllung seiner Aufgaben.
Dadurch kann der Staat dort, wo Bürgerinnen und Bürger zurecht die Erfüllung
seines Leistungsversprechens erwarten, zügig, unkompliziert und transparent
liefern. Der liberale Staat ist in der Lage seine Aufgaben zu erfüllen, die ihm
mit demokratischer Legitimation zugewiesen sind.
Der moderne Staat ist Ausdruck einer selbstbewussten Bürgergesellschaft. Seine
Legitimation findet er in Wahlen und demokratischen Entscheidungen. Um Vertrauen
in den Staat zu stärken, ist Politik erklärungsbedürftig. Zum modernen Staat
gehört daher das Verständnis demokratischer Prozesse und auch der Möglichkeiten,
sich in die politische Meinungsbildung einzubringen. Transparenz schafft
Vertrauen. Unklare Zuständigkeiten begünstigen hingegen Misstrauen und Zweifel.
Für uns Liberale sind daher die Schaffung klarer Kompetenzen essentiell für den
modernen Staat, wobei wir uns von den Grundsätzen der Subsidiarität leiten
lassen.
Moderner Staat in einem modernen Europa
Die Modernisierung des Staates kann nur gelingen, wenn die Europäische Union die
Voraussetzungen und Freiräume dafür schafft. Sie hat den Rahmen immer enger
gezogen, in dem sich nationale Gesetzgebung, Verwaltung und Zuständigkeiten
bewegen. Vom Abfallrecht bis zum Zivilrecht ist heute vieles europarechtlich
bestimmt und ausbuchstabiert. Statt wie früher nur die Richtung vorzugeben,
ordnet die EU heute immer mehr selbst, ohne den Mitgliedstaaten noch Spielräume
zu belassen. So ersetzte sie Richtlinien durch Verordnungen, die unmittelbar
gelten, in nahezu allen Bereichen: vom Datenschutz, Marktmissbrauch,
Marktüberwachung, Geldwäsche, Produktsicherheit, Batterien, Verpackungen,
Lebensmittel bis hin zur Abfallverbringung. Die europäische Norm tritt an die
Stelle der nationalen und lässt dieser immer weniger Raum. Neuere Fragen stellen
sich immer häufiger europäisch: Data Act, Digital Services Act, Digital Markets
Act, Artificial Intelligence Act. Wenn der Staat sich ändern, wenn er einfacher,
digitaler und weniger bürokratisch werden soll, müssen die Voraussetzungen dafür
also zuerst auf der europäischen Ebene geschaffen werden.
Europäische Regulierung aber ist komplex. Sie muss 27 Mitgliedstaaten in West
und Ost, Nord und Süd Rechnung tragen, Rücksicht nehmen auf grundverschiedene
Rechtstraditionen, politische Erfahrungen, wirtschaftliche Bedürfnisse,
kulturelle Überzeugungen und nicht zuletzt ein Parteienspektrum, das in der
Mitte wie an den Rändern seinesgleichen sucht. Um der Einheitlichkeit und
Effizienz willen strebt der europäische Gesetzgeber nach umfassender und
abschließender Regulierung, die jeden Einzelfall erfasst und kaum noch Raum
lässt für nationale Abweichung und Interpretation. Die vielen widerstreitenden
Interessen aber erfordern zahllose Kompromisse und Ausnahmeregelungen, welche
die europäische Gesetzgebung durchziehen wie keine andere. Sie schlagen sich in
überkomplexen und nicht selten mehrdeutigen Gesetzestexten nieder. Wo Rat und
Parlament sich nicht einigen können oder es um technische Frage geht, übertragen
sie die Sache der EU-Kommission zur Regelung („delegierte Rechtsakte“). Die
Folgen sind eine anschwellende Flut von komplizierten und mehrschichtigen
Normen, welche Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und auch Verwaltungen
überfordern. Nicht von ungefähr müssen neuere EU-Rechtsakte, kaum dass sie
erlassen und noch bevor sie vollständig in Kraft sind, vereinfacht und
zurückgeschnitten werden: etwa die Richtlinien zu Lieferketten und zur
Nachhaltigkeitsberichterstattung von 2024 bzw. 2022 („Sustainable Finance
Omnibus“) oder die KI- und die Datenverordnung von 2024 bzw. 2023 („Digital
Omnibus“). Sechs Gesetzespakte zur Vereinfachung überkomplexer EU-Regulierung
(„Omnibusse“) musste die EU-Kommission allein im Jahre 2025 auf den Weg bringen.
Wir Freien Demokraten wollen, dass Europa einfacher wird. Wir wollen eine
Trendwende für einen Abbau von EU-Regulierung und Bürokratie. Statt sich in
kleinteiliger Gesetzgebung zu verlieren, soll die EU sich auf die wesentlichen
Fragen und Prinzipien konzentrieren. Wir wollen, dass sie den Rahmen und die
Linie vorgibt, wo dies im europäischen Interesse ist. So steht es auch in ihren
Verträgen: Die EU regelt nur, was allein sie sinnvoll regeln kann
(Subsidiarität), und auch nicht mehr als nötig (Verhältnismäßigkeit). Eine EU-
Vollregelung (Verordnung) ist dann nicht erforderlich, wenn auch eine
Zielvorgabe (Richtlinie) ausreicht, die national oder regional unterschiedlich
erfüllt werden kann, vielleicht nicht überall einer Regulierung bedarf. EU-
Rechtsetzung und -angleichung dürfen nicht über das notwendige Maß hinausgehen,
um faire Bedingungen in den Mitgliedstaaten zu schaffen. Sie müssen Raum lassen
für die Eigenverantwortung der Mitgliedstaaten, Regionen und Gemeinden, den
Wettbewerb der Standorte. Vor allem aber müssen sie wieder stärker vertrauen in
die Selbstverantwortung der Bürgerinnen und Bürger sowie der Unternehmen. Die
ausufernden Berichts- und Transparenzpflichten, die immer schärferen Haftungen
und Sanktionen von Unternehmen in jüngeren EU-Rechtsakten zeugen von Misstrauen
in einem Maße, das die Fähigkeit zu Innovation und Wettbewerb bedroht und dem
liberalen Staatsverständnis zuwiderläuft.
Wir Liberale begrüßen und unterstützen, dass die EU-Kommission inzwischen
gegensteuert und zahlreiche Vereinfachungen angestoßen hat, dass sie Bürokratie
zurückschneiden und Unternehmen entlasten will. Sie ebnet damit auch den Weg für
einen modernen Staat in Deutschland.
Handlungsfelder für einen modernen Staat
Verwaltung
Eine moderne Verwaltung braucht ein neues Mindset: Weg vom reinen Abarbeiten,
hin zu einer bürgerfreundlichen, lösungsorientierten und unterstützenden
Haltung. Dazu gehört eine Führungskultur, die Eigenverantwortung stärkt, Mut zur
Entscheidung fördert und Innovation zulässt. Wir Freien Demokraten fordern, dass
Führungskräfte in der Verwaltung gezielt in moderner Führung, Change-Management
und Entscheidungsfreude geschult werden. Dies beinhaltet insbesondere eine klar
formulierte Erwartungshaltung, dass Entscheidungen getroffen werden sollen, nicht
aus Sorge vor der „falschen“ Entscheidung verschleppt werden. Auch der Staat
selbst muss mutiger werden.
Helfen können hierbei Vorgaben zu Fristen oder zu automatischen Entscheidungen,
sofern innerhalb der Frist nicht von der zuständigen Behörde entschieden wird.
Geschwindigkeit darf kein Zufallsprodukt sein, sondern muss zum zentralen
Steuerungsziel werden: Entscheidungen und Verfahren sollen innerhalb
verbindlicher Fristen getroffen und abgeschlossen werden. An die Nichteinhaltung
von Fristen müssen Rechtsfolgen, z. B. Genehmigungsfiktionen, geknüpft werden.
Zu einer serviceorientierten und effizienten Verwaltung gehören Prozesse, die
verständlich, schnell und mit klaren Zuständigkeiten gestaltet sind – im Dienst
der Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen, nicht als Hürde. Wir Liberalen
fordern eine systematische Vereinfachung von Verwaltungsprozessen, verbindliche
Service-Standards für Bearbeitungszeiten sowie eine zentrale, digital leicht
zugängliche, ebenenübergreifende Anlaufstelle für die Anliegen der Bürgerinnen
und Bürger sowie Unternehmen. Erreichbarkeit und Zuständigkeiten müssen
transparent und digital nachvollziehbar sein. Dazu ist eine Aufgabenüberprüfung
im föderalen Staat erforderlich. Dem Subsidiaritätsprinzip folgend sollten
Zuständigkeiten nur dann im Bund oder Land angesiedelt sein, wenn dies für die
Erreichung der Ziele erforderlich ist. Dies ist insbesondere dort der Fall, wo
die Zersplitterung der Zuständigkeiten zu Rechtsunsicherheit führt, etwa für
Unternehmen, die in mehr als einem Bundesland tätig sind. Wir Liberale sehen
mehr Entscheidungskompetenz bei den Kommunen als einen Innovationsfaktor im
Standortwettbewerb an. Zugleich müssen wir sicherstellen, dass keine
inkompatiblen Insellösungen entstehen und Synergien sowie Best Practices genutzt
werden. Wir wollen Schnittstellen definieren, damit digitale Verwaltung
miteinander arbeiten kann, aber nicht jeden Prozess auf Bundes- oder Landesebene
ziehen.
Um Überlastung zu vermeiden, fordern wir moderne Arbeitsmodelle, den
konsequenten Abbau überflüssiger Bürokratie, die auch in der Verwaltung selbst
zur Lähmung und Überforderung führt, und eine bessere personelle sowie
technische Ausstattung. Gerade vor dem Hintergrund des demografischen Wandels,
der in den kommenden zehn bis fünfzehn Jahren im öffentlichen Dienst zu einem
Verlust von etwa 40 Prozent der gegenwärtigen Beschäftigten führen wird, muss
Aufgabenkritik dabei im Fokus stehen. Nicht nur im föderalen Gefüge bedarf es
einer Überprüfung von Kompetenzen und Zuständigkeiten, sondern auch zwischen
verschiedenen Behörden. Doppelzuständigkeiten wollen wir Liberale konsequent
abbauen. Doppelzuständigkeiten binden Kräfte in den Behörden, schaffen ineffiziente
Abstimmungsprozesse und verunsichern die betroffenen Unternehmen sowie
Bürgerinnen und Bürger. Wir Liberale wollen daher zur Stärkung des Prinzips
klarer Zuständigkeiten die Prüfung aller Zuständigkeiten. Wo diese
Überschneidungen zeigt, setzen wir Freien Demokraten uns ein für eine klare
Entscheidung zugunsten einer Behörde, die allein zuständig ist.
Nur mit einer Verwaltung, die effizient, entscheidungsfreudig und bürgernah
arbeitet, wird der Staat seiner Rolle als Dienstleister gerecht und schafft
Vertrauen in seine Handlungsfähigkeit. Nur mit einem Arbeitsumfeld, das
attraktiv, digital und von schlanken, effizienten Prozessen getrieben ist, können
Beamtinnen und Beamte sowie Angestellte im öffentlichen Dienst ihre Expertise
sinnvoll und im besten Interesse der Menschen und Unternehmen einsetzen. Gerade
angesichts der sich durch den demografischen Wandel verschärfenden Konkurrenz des
öffentlichen Dienstes mit der privaten Wirtschaft setzen wir Liberale auf moderne
Arbeitsbedingungen. Vertrauen in den Staat kann es nur dort geben, wo die
Menschen, die in der Verwaltung arbeiten, ihren Job mit Eigenverantwortung,
angemessener Bezahlung und guter Ausstattung erledigen können – und dabei als
Enabler gegenüber Bürgerinnen und Bürgern sowie Unternehmen auftreten. Zum
Vertrauen gehört auch, den Beamtinnen und Beamten mehr Spielräume für
Ermessensentscheidungen zu geben, um Verfahren zügig abzuschließen.
Digitalisierung
Wir Freien Demokraten wollen den Staat zu einem lernenden, digitalen und
effizienten Dienstleister weiterentwickeln.
Künstliche Intelligenz (KI) und Automatisierung sollen Routineprozesse
beschleunigen, Bearbeitungszeiten halbieren und Beschäftigte von reiner
Verwaltungstätigkeit entlasten. Durch gezielte Weiterbildungsangebote und
transparente Kommunikation wollen wir die Akzeptanz der Digitalisierung stärken
und Ängste vor Arbeitsplatzabbau nehmen. Arbeitsplätze werden sich wandeln; es
entstehen neue Chancen. Dabei bedeutet Digitalisierung zunächst auch notwendige
Investitionen. Mittelfristig können erhebliche Effizienzgewinne entstehen.
-
Die so entstehenden Effizienzgewinne bilden eine „Digitale Dividende“, die an
Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen zurückfließt – durch niedrigere
Gebühren, einfachere Verfahren und bessere Services. -
Ein Bundesfonds „Digitale Dividende“ bündelt Einsparungen und Einnahmen aus
Digitalisierungsmaßnahmen und Frequenzversteigerungen (z. B. 5G/6G) und
investiert sie gezielt in Verwaltungsmodernisierung, Weiterbildung und
technologische Innovationen. -
KI wird dabei verantwortungsvoll eingesetzt: transparent, überprüfbar und
stets mit menschlicher Letztentscheidung. -
So entsteht eine Staatsverwaltung, die nicht größer, sondern schlanker und
intelligenter wird – eine Staatsverwaltung, die gezielt und effizient
handelt, den Bürger von Bürokratie entlastet und Freiheit ermöglicht.
Bürokratie
Bürokratieabbau allein in Zahlen zu denken, springt zu kurz.
Entlastungsgesamtsummen, bei denen aber pro Unternehmen und pro Haushalt nur
Centbeträge ankommen, entfalten keine Wirkung für mehr Zutrauen in einen
modernen Staat, der die Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen nicht mehr mit
überflüssiger Bürokratie gängelt.
Vielmehr muss Bürokratieabbau als grundsätzliche Veränderung im Verhältnis von
Staat und Bürgerinnen und Bürgern sowie Unternehmen gedacht werden: Weg von
einem Vorbehalt, der stets von der Non-Compliance ausgeht und daher vorsorglich
immer mehr Berichts- und Dokumentationspflichten sowie kleinteilige Regelungen
einführt. Weg vom Streben nach vermeintlicher Einzelfallgerechtigkeit, die dazu
führt, dass im Bemühen, jedem noch so absurden Fall vorausschauend gerecht zu
werden, Regulierung unübersichtlich und kaum noch handhabbar wird. Wir Freien
Demokraten setzen uns dafür ein, dass das Prinzip „Wenn es nicht nötig ist, ein
Gesetz zu machen, ist es nötig, kein Gesetz zu machen“ wieder zum Leitmotiv des
modernen Staates wird. Dies muss für alle Ebenen im föderalen Staat ebenso
gelten wie für die Europäische Union.
Kleinteilige und bevormundende Regulierung zeugen von einem paternalistischen
Verständnis gegenüber mündigen Bürgerinnen und Bürgern. Ein moderner Staat muss
sich an dieser Stelle zurückhalten.
Die Regelungsdichte muss abgebaut werden. One-in-one-out und Verfallsdaten von
Regelungen müssen Normalfall auf allen Ebenen, auch und gerade der europäischen
Ebene, werden.
Gründergeist und Innovation, Freiheit und Verantwortung werden überall dort
unnötig eingeschränkt, wo zum vermeintlich guten Zweck gesetzliche Regelungen
geschaffen werden, statt auf die Menschen und Unternehmen zu vertrauen. Dies gilt
insbesondere bei der Einhaltung von Normen. Nicht die Annahme, dass gegen
Gesetze verstoßen wird, sollte Leitfaden sein, sondern im Gegenteil die Annahme,
dass Unternehmen sowie Bürgerinnen und Bürger sich an Recht und Gesetz halten.
Kontrolle von Gesetzen sollte nicht in ausufernde Dokumentations- und
Berichtspflichten vorverlagert werden. Stattdessen sollte dort, wo es
Anhaltspunkte für Gesetzesverstöße gibt, mit der gebotenen Härte des
Rechtsstaats vorgegangen werden. Durch effiziente Organisation von Behörden –
sowohl bei den Aufsichts-, Ordnungs- als auch Leistungsbehörden – muss der Staat
in die Lage versetzt werden, zügig und zielgenau dort einzugreifen, wo es Anlass
zu Kontrollen und Sanktionen gibt. Zudem muss der moderne Staat mit einer guten
personellen, sächlichen und digitalen Ausstattung in der Lage sein, eine
hinreichende Anzahl von Stichproben durchzuführen.
Wir Liberalen wollen keinen Nachtwächterstaat, der wegsieht, sondern einen
Staat, der sich auf seine Kernaufgaben beschränkt und daher in der Lage ist,
diese effizient auszuführen und dadurch ein handlungsfähiger, aber schlanker Staat
zu sein.
Gute Gesetzgebung
Ein moderner Staat braucht Gesetze, die rechtsklar, verständlich und
digitalisierungsfit sind. Überkomplexe Regulierung birgt die Gefahr von
Doppelregulierung oder widersprüchlichen Normen. Es muss der Anspruch des
modernen Staates sein, widerspruchsfreie und für die Normadressaten klar
verständliche Normen zu schaffen. Wir Freien Demokraten fordern daher eine
grundlegende Überprüfung und Verschlankung bestehender Gesetze mit dem Ziel,
überflüssige Regelungen und Doppelregulierung zu streichen und Verfahren zu
vereinfachen. Neue Gesetze müssen künftig von Beginn an digital mitgedacht
werden – nach dem Prinzip „digital by design" und „automatisierbar, wo möglich".
„Code is law " darf dabei kein Schlagwort bleiben: Wir wollen die Grundlagen
dafür schaffen, dass Gesetze so formuliert werden, dass ihre Umsetzung durch
digitale Systeme nachvollziehbar, automatisierbar und rechtssicher erfolgen
kann. Eine Digitalisierung der Gesetzgebung selbst – mit maschinenlesbaren
Gesetzestexten, die Adressaten, Verwaltung und Justiz gleichermaßen nutzen
können – kann hierfür die Grundlage legen. Wir Liberalen setzen uns dafür ein,
dass Rechtstexte möglichst soweit standardisiert sind, dass Begriffsdefinitionen
für ein- und denselben Begriff nicht je nach Gesetz unterschiedlich ausfallen.
Zugleich braucht eine gute Gesetzgebung Transparenz. Das parlamentarische
Verfahren garantiert ein sehr hohes Maß an Transparenz, wird jedoch von vielen
Menschen als zu träge und zu kompliziert angesehen. Der moderne Staat schafft
auch dadurch Vertrauen, dass Gesetzgebungsprozesse möglichst in der Breite der
Gesellschaft als verständlich und nachvollziehbar angesehen werden. Politische
Entscheidungen und ihre Umsetzung im Gesetzgebungsverfahren müssen erklärt
werden. Dazu gehört einerseits eine klare Verortung von Zuständigkeiten, aber
auch mehr direkte Kommunikation mit den Bürgerinnen und Bürgern. Einen Beitrag
können dazu auch neue Beteilungsformen und digitale Beteiligungsplattformen
leisten. Der Digitalcheck für neue Regelungen etwa kann zu weniger und zu
besserer Gesetzgebung beitragen, einerseits durch die Erfassung konkreter,
praktischer Auswirkungen von (geplanten) Gesetzen, andererseits durch eine
stärkere Einbindung von Unternehmen in den Prozess und das dadurch gestärkte
Vertrauen.
Die falsche Konsequenz aus der insbesondere von denen, die der Demokratie
ohnehin mit Misstrauen begegnen, geäußerten Kritik an langwierigen
Gesetzgebungsprozessen, wäre, die Beteiligung – etwa im Rahmen der Länder- und
Verbändeanhörung zu Referentenentwürfen – einzuschränken. Wo die Beteiligung
immer häufiger zum reinen Formalismus verkommt, weil etwa Fristen von wenigen
Tagen, teils wenigen Stunden für Stellungnahmen eingeräumt werden, gedeiht
Frustration und wird Vertrauen verspielt. Gute Gesetzgebung bedarf der Sorgfalt.
Gesetzgebungsprozesse müssen nachvollziehbar, datenbasiert und offen dokumentiert
werden – für mehr Vertrauen, Effizienz und Akzeptanz staatlichen Handelns.
Zuständigkeiten
Für Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen zählt nicht, welche Ebene zuständig ist,
sondern dass ihr Anliegen schnell, einfach und verlässlich gelöst wird. Wir
fordern daher einen echten One-Stop-Shop: eine zentrale digitale Schnittstelle,
über die Anliegen unabhängig von föderalen Zuständigkeiten gegenüber der
Verwaltung kommuniziert werden können. Die Verwaltung muss sich intern
organisieren – nicht die Bürgerinnen und Bürger oder Unternehmen.
Der Föderalismus bleibt ein Kernprinzip unseres Staatsaufbaus. Dort, wo
Subsidiarität gelebte Bürgernähe ermöglicht und Wettbewerb um die besten
Lösungen fördert, wollen wir ihn stärken. Gleichzeitig müssen wir dort
zentralisieren, wo Skaleneffekte, Standardisierung und Effizienzgewinne für alle
Bürgerinnen und Bürger entstehen – etwa bei Standards und Schnittstellen für
Digitalisierung von Verwaltungsleistungen oder in Bereichen der
Sozialverwaltung. Ein Baukastenprinzip von standardisierten Lösungen, die von
Verwaltungen abgerufen und bei sich implementiert werden können, schafft höhere
Effizienz, Kompatibilität, vermeidet Insellösungen und spart Kosten.
Gerade in den Bereichen, in denen Staat und Bürgerinnen und Bürger besonders
häufig miteinander interagieren – nämlich in der Sozialverwaltung – bestehen
besonders viele Zuständigkeiten nebeneinander, übereinander und durcheinander.
Hier ist es nicht allein damit getan, durch den Einsatz von Künstlicher
Intelligenz das Wirrwarr handhabbarer zu machen, sondern im Sinne der Effizienz
und Rechtssicherheit ist es erforderlich, einmal von Grund auf Zuständigkeiten
vorbehaltlos zu prüfen und neu zu sortieren. Wir Liberalen fordern daher eine
echte Sozialstaatsreform. Der Sozialstaatsdschungel verhindert, dass diejenigen,
die wirklich bedürftig sind, sich zurechtfinden, während die Findigen ihn
ausnutzen.
Wir Freien Demokraten fordern eine systematische Zuständigkeitsreform, die
Aufgaben zwischen Bund, Ländern und Kommunen nach Kriterien der Effizienz,
Transparenz und Bürgerfreundlichkeit neu ordnet. Doppelstrukturen und
Zuständigkeitswirrwarr müssen abgebaut, Schnittstellen digital verbunden und
Verantwortung klar zugewiesen werden. Nur so kann ein moderner Staat seine
Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen – über föderale Grenzen hinweg.