Antragsbuch für den 77. Ordentlichen Bundesparteitag

Bundesvorstand

Neustart Deutschland: Befreiungsschlag für ein Land, das wieder erfolgreich ist

Deutschland ist ein Land voller Potenzial und Möglichkeiten: Wir leben in 
 Freundschaft zu unseren europäischen Nachbarn, haben eine freiheitliche 
 Verfassung und verfügen über eine starke wirtschaftliche und technologische 
 Basis. Und doch droht unser Land an den gegenwärtigen globalen, technologischen 
 und sozialen Umwälzungen zu scheitern: An der eigenen Bequemlichkeit, an einem 
 Staat, der überall mitmischt und gerade deshalb nicht mehr funktioniert, an 
 Bedenken, bürokratischem Formalismus und Entscheidungsschwäche seiner 
 politischen Führung, vor allem aber an einem Mangel an Vertrauen in die Kraft 
 und Kreativität seiner Bürgerinnen und Bürger.

 Wohl noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik war der Reformbedarf in 
 Deutschland so offenkundig und umfassend. Auch vergangene Situationen – etwa die 
 Arbeitslosigkeit zu Beginn des Jahrtausends oder das Zusammenwachsen von Ost- 
 und Westdeutschland in den 1990er-Jahren – waren politisch herausfordernd. Heute 
 allerdings spielen alle Probleme ineinander: Die politische und wirtschaftliche 
 Abhängigkeit von unberechenbaren Partnern, militärische und hybride Bedrohungen, 
 politische Polarisierung, unzureichende staatliche Handlungsfähigkeit und 
 wirtschaftliche Stagnation.

 Die Freien Demokraten wollen die wichtigste, von der Politik meist 
 vernachlässigte Kraft unseres Landes neu freisetzen: die Tatkraft der Menschen, 
 mit ihren Talenten, ihrer Kreativität und ihrer Leistungsbereitschaft. 
 Deutschland braucht den Neustart. Im Zentrum muss die Rückkehr zu 
 wirtschaftlicher Stärke stehen. Nur sie garantiert Wohlstand, soziale 
 Stabilität, staatliche Handlungsfähigkeit, internationales Gewicht und starken 
 Rückhalt für unsere liberale Demokratie. Reformen für neue wirtschaftliche 
 Dynamik erleichtern alle anderen Schritte, die wir in anderen Politikfeldern 
 gehen müssen. Wir Freie Demokraten wollen der verzagten und inhaltsleeren 
 Reformbeschwörungsrhetorik der schwarz-roten Koalition einen Befreiungsschlag 
 entgegensetzen. Für ein Land, das wieder erfolgreich ist – besser heute als 
 morgen.

 Freiraum für den Neustart

 Wir Freie Demokraten setzen auf alle, die in unserem Land etwas bewegen, 
 gestalten und verbessern wollen. Allzu oft werden diese Menschen heute daran 
 gehindert, ihr Potenzial zu entfalten. Regulierung und Bürokratie auf 
 europäischer und nationaler Ebene richten sich vielfach gegen neue Ideen, 
 Eigeninitiative und Motivation. Die Regulierungsdichte ist zunächst ein 
 Kostenfaktor, der unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit erheblich schädigt. 
 Mindestens ebenso schwer wiegt aber der Verlust an Vertrauen in den 
 demokratischen Rechtsstaat, der eintritt, wenn selbst Spezialisten den Überblick 
 über das anwendbare Regelwerk verlieren und Recht und Rechtssicherheit nicht 
 mehr Hand in Hand gehen.

 Ein liberaler Neustart unseres Landes verlangt deshalb einen grundlegenden 
 Mentalitätswechsel: Weg vom Misstrauen hin zum Vertrauen - im Zweifel für die 
 Freiheit. Wir wollen einen schlanken Staat, der persönliche Entfaltung und 
 unternehmerisches Handeln als Triebfeder von Fortschritt versteht und sich daher 
 auf seine Kernaufgaben – zuallererst Sicherheit, Rechtsstaat, Bildung und 
 Infrastruktur – konzentriert.

 Um Freiraum für den Neustart zu schaffen wollen wir

  •  eine Generalrevision der bestehenden Bürokratie und Regulierung hin zu mehr 
     Vertrauen in verantwortungsbewusste Entscheidungen von Bürgerinnen und 
     Bürgern und Unternehmen: In einem ersten Schritt sind die zehn 
     bundesrechtlichen Vorschriften mit dem höchsten Erfüllungsaufwand mit 
     Wirkung zum 31. Dezember 2030 vollständig außer Kraft zu setzen. Im 
     nächsten Schritt hat der Gesetzgeber dann rund dreieinhalb Jahre Zeit, 
     wirklich erforderliche Regeln neu oder in abgespeckter Form zu erlassen; 
     soweit er bis 2030 keine neue Regelung trifft, entfallen die entsprechenden 
     Vorschriften.
  •  in einem weiteren ersten Schritt die bisherige Übererfüllung der Umsetzung 
     von EU-Vorgaben („Gold Plating“) schnellstmöglich beenden und dazu binnen 
     einer Wahlperiode die bestehende Übererfüllung vollständig zu beseitigen 
     sowie auf eine derartige Übererfüllung in Zukunft vollständig zu 
     verzichten.
  •  den Nationalen Normenkontrollrat zu einer echten Kontrollinstanz 
     aufwerten. Er soll künftig direkt vom Bundestag gewählt werden und im 
     Gesetzgebungsverfahren das Recht erhalten, Widerspruch gegen zusätzliche 
     Bürokratiebelastungen einzulegen. Dieser Widerspruch soll nur mit den 
     Stimmen der Mehrheit der Mitglieder des Bundestages 
     (Kanzlermehrheit) überstimmt werden können.
  •  es zur Regel machen, dass eine beantragte Genehmigung nach Ablauf von drei 
     Monaten ab Einreichung der vollständigen Antragsunterlagen als erteilt 
     gilt.
  •  Verwaltungsvorgänge über Bund-Länder-Grenzen hinweg bündeln, 
     standardisieren und digitalisieren.
  •  eine echte Once-Only-Strategie umsetzen: Daten, über die der Staat bereits 
     verfügt, müssen von den Bürgern und Unternehmen kein zweites Mal angegeben 
     werden. Verlangt eine Behörde zu Unrecht eine Angabe, die bereits vorliegt, 
     erhält der Bürger eine pauschale Entschädigung für den Zeitaufwand.

 Neben diesen dauerhaften, strukturellen Maßnahmen gegen ausufernde Regulierung 
 fordern wir ein „Sofortprogramm Freiraum“. Dazu gehören:

  •  der Ausbau des europäischen Binnenmarkts dort, wo noch Barrieren bestehen, 
     insbesondere bei Arbeit, Dienstleistungen und auf dem Kapitalmarkt. Statt 
     kleinteiliger Detailregulierung brauchen wir eine europäische 
     Ordnungspolitik, die den freien Wettbewerb wieder als zentralen 
     Fortschrittstreiber begreift; entsprechend sollten die Taxonomie-
     Verordnung, Nachhaltigkeitsberichtspflichten, die Entwaldungsverordnung, 
     die Lieferketten-Richtlinie und die Energieeffizienz-Richtlinie in ihrer 
     heutigen Form entfallen. Die Künstliche-Intelligenz-Verordnung muss 
     technologiefreundlich überarbeitet werden.
  •  eine drastische Einschränkung des ausufernden Verbandsklagerechts, 
     insbesondere im Infrastruktur- und Umweltbereich.
  •  die Harmonisierung des Baurechts über Bundesländer hinweg.
  •  eine Reform des Datenschutzes, insbesondere der europäischen 
     Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), sowie die Bündelung der zersplitterten 
     Datenaufsicht in Deutschland auf Bundesebene.
  •  die deutliche Reduzierung der betrieblichen Beauftragten.

 Neustart für Leistung und Aufstieg

 Als Freie Demokraten stärken wir diejenigen, die etwas leisten wollen. Die 
 wirtschaftliche Stagnation kostet viele Menschen Einstiegs- und 
 Aufstiegschancen. Gleichzeitig hat sich das bürokratische Dickicht aus 
 unsystematisch nebeneinander existierenden Sozialleistungen zu einer 
 Dauertransferfalle entwickelt. In dieser wird zu wenig Eigeninitiative 
 eingefordert und Anstrengung zu wenig honoriert. Die Betroffenen verbleiben de 
 facto in Abhängigkeit von einer gewachsenen Sozialindustrie. Ihr Wiedereinstieg 
 ins Erwerbsleben wird nicht erleichtert, sondern erschwert. Statt 
 Armutsverwaltung setzen wir auf Hilfe zur Selbsthilfe und echte 
 Aufstiegschancen.

 Für einen Neustart für Leistung und Aufstieg wollen wir

  •  eine neue 50-Cent-Regel gesetzlich verankern: Allen Erwerbstätigen müssen – 
     unabhängig von ihrer Erwerbssituation und ihrem Erwerbsumfang - nach 
     Steuern, Abgaben und Transferentzug mindestens 50 Cent von jedem zusätzlich 
     verdienten Euro verbleiben.
  •  das über Jahrzehnte gewachsene bürokratische Dickicht an unterschiedlichen 
     Sozialleistungen mit ähnlicher Zielsetzung zu einer einzigen transparenten 
     und konsistenten Leistung zusammenfassen, nämlich einer negativen 
     Einkommensteuer. Der Leistungsanspruch wird mit einer etwaigen Steuerschuld 
     verrechnet und ausgezahlt. In einem ersten Schritt in diese Richtung sollen 
     Bürgergeld, Wohngeld und Kinderzuschlag zusammengeführt werden; die 
     Wohnkosten sollen mit einem nach Regionen gestaffelten Pauschalbetrag 
     angesetzt werden.
  •  die Hinzuverdienstregeln so reformieren, dass nicht die Kombination aus 
     Bürgergeld und Minijob besonders attraktiv ist, sondern der schrittweise 
     Ausstieg aus Sozialleistungen. Wer sich mehr erarbeitet, muss auch immer 
     spürbar mehr Netto behalten.
  •  erwerbsfähige Leistungsbezieher zu aktiver Mitwirkung und Eigeninitiative 
     bei der Arbeitssuche verpflichten, einschließlich einer Bringschuld und 
     Beweislast. Die ersten zwölf Monate des Leistungsbezugs wollen wir als 
     Intensivphase mit besonders hoher Kontaktdichte und Arbeits- und 
     Qualifizierungsangeboten konzipieren, bei Versicherungsleistungen nach ALG 
     I nach einer dreimonatigen Phase der Eigenverantwortung. Sprachkurse und 
     die Integration in den Arbeitsmarkt sollen künftig nicht mehr nacheinander, 
     sondern wo immer möglich nebeneinander stattfinden. Erwerbsfähige 
     Grundsicherungsempfänger, die weder einer Arbeit nachgehen noch an 
     Qualifizierungsmaßnahmen teilnehmen, sollen, sofern keine wichtigen Gründe 
     entgegenstehen, verpflichtet werden, eine Arbeitsgelegenheit – etwa eine 
     gemeinnützige Tätigkeit – anzunehmen.

 Die Arbeitswelt verändert sich rasant, getrieben von der Einführung neuer 
 Technologien wie künstlicher Intelligenz oder der Alterung unserer Gesellschaft. 
 Dadurch entstehen neue Erwerbs- und Aufstiegschancen, aber in einigen 
 Berufsbildern auch Risiken, den Anschluss an die Zukunft zu verlieren. Unser 
 Arbeitsrecht muss diesen Wandel ermöglichen und so flankieren, dass in 
 Deutschland möglichst viele Menschen möglichst früh und umfassend die Chancen 
 dieser Entwicklung ergreifen können.

 Daher wollen wir

  •  den Wechsel des Arbeitgebers ebenso erleichtern wie den Wechsel zwischen 
     abhängiger Beschäftigung und Selbstständigkeit. Wir wollen das 
     Kündigungsschutzgesetz um einfache, rechtssichere Abfindungsregeln 
     erweitern und den Kündigungsschutz für Spitzenverdiener einschränken. Die 
     auf Abfindungen gezahlte Steuer soll anschließend über fünf Jahre hinweg 
     jeweils zu einem Fünftel gegenüber dem neuen Erwerbseinkommen steuerlich 
     angerechnet werden können. Sachgrundlose Befristungen wollen wir künftig 
     für bis zu vier Jahre zulassen, um Einstellungshürden zu senken.
  •  im Arbeitszeitgesetz eine wöchentliche statt einer täglichen 
     Höchstarbeitszeit einführen und Öffnungsklauseln bei Ruhezeitregelungen 
     schaffen.
  •  den Rechtsanspruch auf Teilzeit auf sozial besonders schutzwürdige Fälle 
     wie  Kindererziehung, Pflege von Angehörigen oder berufsbegleitende 
     Weiterbildung beschränken.
  •  bei der gesetzlichen Lohnfortzahlung im Krankheitsfall zwei Karenztage 
     einführen. Die Krankenkassen sollen die Möglichkeit erhalten, Arbeitnehmern 
     eine freiwillige zusätzliche Absicherung für Karenztage anzubieten.

 In Deutschland tragen rund 3,7 Millionen Selbstständige, davon rund die Hälfte 
 als Solo-Selbstständige, erheblich zur Wertschöpfung bei. Sie treiben Innovation 
 voran und übernehmen unternehmerische Verantwortung. Selbstständige sind ein 
 viel zu häufig übersehenes und unterschätztes Kraftzentrum unserer 
 Volkswirtschaft. 

 Um Selbstständigkeit wieder mit Vertrauen und Wertschätzung zu begegnen, wollen 
 wir

  •  das Statusfeststellungsverfahren abschaffen und durch ein 
     Statuserklärungsverfahren ersetzen, in dem sich jeder frei und 
     eigenverantwortlich zum Selbstständigen erklären kann.
  •  Kapital- und Personengesellschaften steuerlich dahingehend angleichen, dass 
     auch kleinere unternehmerische Einheiten Rücklagen bilden und Gewinne im 
     Betrieb belassen können.
  •  mit einer modernisierten Wiederauflage der Ich-AG mehr Menschen einen 
     einfachen und unbürokratischen Einstieg in die Selbstständigkeit öffnen.

 Neustart in der Finanzpolitik – mit Vernunft und 
 Verantwortung

 Das Steuersystem und die öffentlichen Haushalte spiegeln den Zustand 
 Deutschlands am besten wider. Unter liberaler Regierungsverantwortung sind in 
 der vergangenen Legislaturperiode sowohl die Staatsquote als auch die 
 Abgabenquote und die Schuldenquote gesunken. Im Jahr 2026 hingegen wird die 
 Staatsquote auf über 51 Prozent und die Abgabenquote auf den unrühmlichen 
 Rekordwert von rund 24 Prozent steigen, während die in dieser Wahlperiode 
 vorgesehene Neuverschuldung alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt. 
 Reformen werden vermieden, ineffiziente Systeme werden mit immer mehr Staatsgeld 
 am Laufen gehalten. 

 Diese Politik entmutigt und verdrängt private Initiative, unternehmerische 
 Verantwortung und Leistungsbereitschaft. Unser Land wird dadurch schwächer und 
 ärmer. Wir wollen diese Abwärtsspirale durchbrechen. Der Rückbau des Staates auf 
 Kernaufgaben, die Stärkung der staatlichen Leistungsfähigkeit und die Entlastung 
 der Bürger und Unternehmen von Steuern und Abgaben gehören zusammen und bedingen 
 einander.

 Um die öffentlichen Haushalte wieder solide aufzustellen, wollen wir

  •  die Schuldenbremse wieder voll zur Geltung bringen. Ausnahmen müssen klar 
     definiert, zeitlich befristet und an echte Notlagen gebunden bleiben. Die 
     Bereichsausnahme für Verteidigungsausgaben soll schrittweise reduziert 
     werden und nach 15 Jahren komplett entfallen. Dadurch kehren wir 
     zur finanziellen Solidität zurück, ohne die aktuell gebotene Stärkung 
     unserer Verteidigungsfähigkeit zu gefährden. Weitere Aufweichungen und 
     Verwässerungen der Schuldenbremse lehnen wir strikt ab.
  •  die Finanzlage des Bundes ehrlich und transparent ausweisen, indem wir 
     mindestens die Hälfte der Sondervermögen des Bundes in den Bundeshaushalt 
     überführen und damit finanzielle Verschiebebahnhöfe und Schattenhaushalte 
     beseitigen. Zudem soll für alle Bundes-, Landes- und Kommunalhaushalte eine 
     umfassende doppelte Buchführung eingeführt werden. Dadurch werden 
     Investitionen und Vermögensverzehr transparent und die Schuldenbremse kann 
     besser mit notwendigen Investitionen verbunden werden.
  •  bestehende Subventionen radikal reduzieren. Jede Subvention muss zeitlich 
     befristet und degressiv sein. Wir wollen keine subventionsgetriebene 
     Industriepolitik, weder für die Ansiedelung von Batterie- oder Chipfabriken 
     noch für Solarmodulhersteller, Werften oder Handelsketten. Auch 
     Förderprogramme für Privathaushalte – von Kaufprämien für Autos über die 
     Subventionierung von Ladestationen bis hin zum Heizungsaustausch – wollen 
     wir deutlich zurückfahren. Die bessere Lösung liegt auch hier im Abbau der 
     vielen Markteingriffe, die regelmäßig der Grund für diese Förderprogramme 
     sind – und dem Übergang zu einem technologieoffenen Ordnungsmodell mit CO2-
     Emissionshandel und der Auszahlung der Einnahmen aus dem Emissionshandel an 
     die Bürger als jährliche Klimadividende.
  •  den öffentlichen Sektor auf ein vernünftiges Maß zurückfahren, indem in den 
     nächsten fünf Jahren mindestens 100 der über 900 Bundesbehörden abgeschafft 
     oder zusammengelegt und jährlich netto zwei Prozent aller 
     Verwaltungsstellen eingespart werden. Wir wollen Doppel- und 
     Mischzuständigkeiten zwischen Bund, Ländern und Kommunen beseitigen und 
     insbesondere den Kommunen weniger Pflichtaufgaben auferlegen.

 Wir wollen ein Einfachsteuersystem, das jede und jeder versteht. Die Bürger 
 sollen immer mehr von dem selbst erwirtschafteten Einkommen behalten dürfen, als 
 sie über Steuern und Abgaben an den Staat abführen (Halbteilungsgrundsatz). 
 Arbeit, Anstrengung, und Aufstiegswille müssen sich ebenso auszahlen wie 
 unternehmerisches Handeln, Ideenreichtum und Risikobereitschaft.

 Um die Einfachsteuer einzuführen wollen wir

  •  den derzeitigen linear-progressiven Steuertarif durch einen Vier-Stufen-
     Tarif mit den Tarifstufen 15, 25, 35 und 42 Prozent ersetzen. Damit 
     beseitigen wir den leistungsfeindlichen „Mittelstandsbauch“ im Steuertarif. 
     Der Solidaritätszuschlag wird abgeschafft. Wir streben in einem ersten 
     Schritt eine Nettoentlastungswirkung von rund 25 Milliarden Euro an. Im 
     Zuge einer erfolgreichen Politik für mehr Wirtschaftswachstum und der 
     Senkung der Staatsausgaben streben wir weitere Entlastungsschritte für alle 
     an.
  •  Optional: langfristig ein einfaches Einkommensteuersystem mit einem 
     linearen Steuertarif (Flat Tax) einführen. Ein sozialer Ausgleich erfolgt 
     durch die Freistellung von Einkommen (Grundfreibetrag) und eine 
     negative Einkommensteuer.
  •  Ausnahmetatbestände abschaffen, um im Gegenzug den Steuertarif bei der 
     Einkommensteuer zu reformieren und die Steuersätze abzusenken.
  •  die Steuerbelastung von Unternehmen für alle unternehmerischen Einkünfte 
     und alle Rechtsformen auf maximal 20 Prozent reduzieren. Die gerade im 
     aktuellen Strukturwandel bedeutsamen Konzernumstrukturierungen müssen 
     belastungsfrei möglich sein. Die Eigenkapitalfinanzierung darf gegenüber 
     der Fremdfinanzierung nicht länger schlechter gestellt werden.
  •  die extrem konjunkturabhängige kommunale Gewerbesteuer abschaffen zugunsten 
     eines kommunalen Zuschlagsrechts auf die anderen Ertragsteuern.
  •  die Umsatzsteuer durch einen einheitlichen Steuersatz vereinfachen; 
     Ausnahmen sollen beseitigt und dafür der Steuersatz abgesenkt werden.
  •  Erbschaftsteuer Option 1: Familienunternehmen den Übergang an die nächste 
     Generation ermöglichen, ohne dass dem übermäßige steuerliche Hürden im Weg 
     stehen. Wir setzen deshalb auf eine einfache und transparente 
     Erbschaftsteuer mit hohen Freibeträgen für nahe Angehörige. Erst oberhalb 
     dieser Freibeträge greift ein niedriger, einheitlicher Steuersatz. Für 
     Betriebsvermögen soll es für den Fall der Betriebsfortführung weiterhin 
     eine Sonderregelung geben.
     Erbschaftsteuer Option 2: die Erbschaftsteuer abschaffen, um die 
     Lebensleistung standorttreuer deutscher Familienunternehmen zu 
     respektieren.
  •  eine moderne und serviceorientierte digitale Steuerverwaltung schaffen. Mit 
     Hilfe künstlicher Intelligenz sollen in allen einfach gelagerten Fällen 
     (insbesondere Arbeitnehmer, Renter) Steuererklärung und Steuerbescheid 
     automatisiert erstellt werden (Easy Tax).

 Neustart für Vermögensaufbau und Altersvorsorge

 Freie Demokraten wollen kein Volkseigentum, sondern ein Volk von Eigentümern. 
 Eigentum und Vermögen bedeuten Freiheit, materielle Sicherheit und 
 Verantwortung. Trotz eines im internationalen und auch im europäischen Vergleich 
 hohen Durchschnitts- wie auch Medianeinkommens gelingt es in Deutschland zu 
 wenigen Menschen, durch eigene Leistung Vermögen aufzubauen. Nur 47 Prozent der 
 Menschen in Deutschland verfügen über Wohneigentum, weniger als überall sonst in 
 der Europäischen Union. Und obwohl die Menschen in Deutschland vergleichsweise 
 viel Geld sparen, trägt dies aufgrund einer unterentwickelten Anlegerkultur 
 nicht zum breiten Vermögensaufbau bei.

 Für einen Neustart für den Aufbau von Vermögen in der Mitte der Gesellschaft 
 fordern wir

  •  die Erhöhung des Sparer-Pauschbetrags auf 3.000 Euro und die Möglichkeit, 
     nicht ausgeschöpfte Teilbeträge auf Folgejahre zu übertragen.
  •  beim Erwerb einer Wohnimmobilie einen Kaufpreisanteil von 600.000 Euro von 
     der Grunderwerbsteuer freizustellen; beim gleichzeitigen Verkauf einer 
     vorhandenen und Erwerb einer neuen Wohnimmobilie (beispielsweise im Zuge 
     eines Umzugs oder einer Scheidung) soll zudem die beim früheren Erwerb der 
     vorhandenen Immobilie gezahlte Grunderwerbsteuer auf die für den Neuerwerb 
     anfallende Grunderwerbsteuer angerechnet werden.
  •  die endgültige Abschaffung der bisher ausgesetzten Vermögenssteuer. 
     Sozialabgaben auf Kapitalerträge lehnen wir strikt ab. Nach einer 
     mehrjährigen Haltedauer sollen Aktiengewinne steuerfrei sein 
     (Wiedereinführung der Spekulationsfrist).

 Unser besonderes Augenmerk gilt der Altersvorsorge. Diese soll finanzielle 
 Sicherheit und Freiräume in einer Lebensphase garantieren, in der Menschen nicht 
 mehr oder nicht mehr uneingeschränkt erwerbstätig sein können. Die hohe 
 Bedeutung staatlicher, aus Steuern und Abgaben finanzierter Systeme bei 
 gleichzeitiger Alterung der Gesellschaft führt bereits heute zu relativ geringen 
 Renten und gleichzeitig zu einer gravierenden Schieflage des Systems zulasten 
 der jüngeren und mittleren Jahrgänge. Ohne einen grundlegenden Wechsel hin zur 
 Kapitaldeckung drohen absehbar eine Erosion der Alterssicherung und erhebliche 
 gesellschaftliche Verwerfungen.

 Für einen Neustart in der Altersvorsorge wollen wir

  •  eine kapitalgedeckte Aktienrente einführen, die das bisherige Umlagesystem 
     ergänzt und schrittweise an dessen Stelle tritt. Dabei soll für jeden 
     Rentenversicherten ein individuelles, eigentumsgeschütztes Kapitalkonto 
     eingeführt werden, in das Pflichtbeiträge eingezahlt werden. Über die 
     Aktienrente werden langfristig stabile, von der demografischen Entwicklung 
     unabhängige Erträge erwirtschaftet, die die Absicherung im Alter 
     verbessern.
  •  flexible Renteneintrittsmodelle schaffen, durch die jede und jeder den 
     Übergang vom Erwerbsleben in den Ruhestand individuell gestalten kann. Das 
     bisherige gesetzliche Renteneintrittsalter soll künftig nicht mehr als 
     gesetzliche Normvorgabe, sondern als Bezugsgröße für die Berechnung der 
     Rentenhöhe einschließlich etwaiger Zu- oder Abschläge bei späterem oder 
     früherem Renteneintritt dienen. Diese Bezugsgröße soll ab Erreichen der 
     „Rente mit 67“ im Jahr 2028 in regelmäßigen Abständen entsprechend der 
     Entwicklung der statistischen Lebenserwartung angepasst werden.
  •  die Renten künftig entsprechend der Preisentwicklung und nicht mehr 
     entsprechend der Lohnentwicklung erhöhen, die subventionierte 
     Frühverrentung („Rente mit 63“) abschaffen und die Abschläge bei 
     vorzeitigem bzw. Zuschläge bei späterem Renteneintritt 
     versicherungsmathematisch korrekt berechnen (und damit im Ergebnis 
     erhöhen). Die dadurch entstehenden finanziellen Spielräume sollen für die 
     Einführung der ersten Stufe der Aktienrente genutzt werden.
  •  zusätzlich einen aus öffentlichen Mitteln gespeisten, global investierenden 
     Fonds errichten, dessen Erträge dem umlagefinanzierten Teil der 
     gesetzlichen Rente zugute kommen; die dadurch entstehenden Spielräume beim 
     Beitragssatz werden für den Ausbau der Aktienrente genutzt.
  •  die Hinterbliebenenrente reformieren: Ein Rentensplitting in Ehen mit 
     Zugewinngemeinschaft sorgt für klare Verhältnisse. Während der Ehe 
     erworbene Ansprüche gegenüber der gesetzlichen Rentenversicherung werden 
     von Anfang an hälftig verteilt. Das schafft eigenständige Ansprüche für 
     beide Partner und mehr Transparenz.
  •  auch die Beamtenversorgung grundlegend reformieren: Für neu eingestellte 
     Beamte soll eine kapitalgedeckte Altersvorsorge an die Stelle der 
     klassischen Pension treten. Analog zur Aktienrente soll ein fester Beitrag 
     auf individuelle Vorsorgekonten fließen. Für bestehende 
     Pensionsverpflichtungen müssen verbindlich Rücklagen aufgebaut und am 
     Kapitalmarkt investiert werden, um die künftigen Pensionslasten 
     schrittweise aus der reinen Haushaltsfinanzierung zu lösen.
  •  die betriebliche Altersvorsorge deutlich ausbauen und stärken. Die Produkte 
     müssen einfacher, transparenter und renditestärker werden und beim Wechsel 
     des Arbeitgebers oder dem Wechsel in die Selbständigkeit mitgenommen werden 
     können. Arbeitgeber sollen künftig nur noch für zugesagte Beiträge zur 
     betrieblichen Altersvorsorge haften („pay and forget“), während 
     Arbeitnehmer mehr Verantwortung übernehmen. Beschäftigte können ihre 
     Vorsorgeverträge selbst abschließen und ihre Risiko- und Anlagestrategie 
     eigenständig wählen. Das entlastet besonders kleine Betriebe von 
     Haftungsrisiken.
  •  die private Altersvorsorge für alle Erwerbstätigen deutlich ausbauen und 
     dabei auf ein breites und vielfältiges Angebot an Altersvorsorgedepots und 
     anderen langfristigen Sparprodukten wie etwa Lebensversicherungen oder 
     Bausparverträge setzen. Während der gesamten Ansparphase bleiben 
     das eingezahlte Vermögen ebenso wie die Kapitalerträge steuer- und 
     abgabenfrei. Für Geringverdiener soll das Produkt staatlich bezuschusst 
     werden.  Zum Rentenbeginn werden die Auszahlungen erstmals (nachgelagert) 
     besteuert. Sozialabgaben werden darauf nicht fällig. Ein staatliches 
     Standardprodukt und damit den Einstieg in die Verstaatlichung der privaten 
     (und später wohl auch der betrieblichen) Altersvorsorge lehnen wir ab.

Neustart in der Energiepolitik: marktwirtschaftlich und
technologieoffen

 Jederzeit verfügbare, bezahlbare und klimafreundliche Energie ist eine zentrale 
 Voraussetzung für Wohlstand und Sicherheit. Deutschland verfügt über einen 
 erneuerbaren Anteil von rund 60 Prozent im Strommix. Zugleich sind die 
 Strompreise die höchsten Europas. Das belastet sowohl Privathaushalte als auch 
 die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit. Der Ausstieg aus der Kernkraft hat 
 dazu geführt, dass Deutschland vom Nettostromexporteur zum Nettostromimporteur 
 geworden ist. Trotz enormer Ausgaben für die Energiewende liegt der deutsche 
 CO2-Fußabdruck im europäischen Vergleich nur im unteren Mittelfeld. Mit einer 
 klugen, marktwirtschaftlichen und innovationsgetriebenen Energiepolitik kann 
 Deutschland bezahlbare Energie, Versorgungssicherheit und Klimaschutz wieder 
 zusammenbringen.

 Für einen Neustart in der deutschen Energiepolitik wollen wir

  •  das Energieangebot deutlich ausweiten. Eine politisch verordnete 
     Energieeinsparung darf nicht länger eine nationale oder europäische Vorgabe 
     sein. Weltweit gibt es kein wohlhabendes Land mit geringem 
     Energieverbrauch.
  •  Bezahlbarkeit, Versorgungssicherheit und Klimafreundlichkeit besser 
     zusammendenken und gleichberechtigt aufeinander ausrichten. Der europäische 
     Emissionshandel ist für uns das zentrale Instrument für eine 
     klimafreundliche Stromerzeugung. Klimapolitische Alleingänge - auch bei den 
     Zielsetzungen - sind kontraproduktiv, teuer und global wirkungslos.
  •  einen vielfältigen und technologieoffenen Energiemix mit einem 
     ausreichenden Anteil steuerbarer und gesicherter Leistung schaffen. Dazu 
     gehören erneuerbare Energien wie Windkraft, Photovoltaik, Biomasse, 
     Wasserkraft und Geothermie ebenso wie Kernenergie einschließlich Kernfusion 
     sowie Gas und Kohle mit CO2-Abscheidung.
  •  statt sich einseitig auf die Reduktion von Treibhausgasemissionen zu 
     konzentrieren, auch die Potenziale des Climate Engineerings nutzen. Dazu 
     gehört Forschung und Entwicklung zu fördern sowie den Einsatz von 
     Technologien zur CO2-Abscheidung und -Speicherung (Carbon Capture and 
     Storage, CCS) und zur Nutzung von CO2 (Carbon Capture and Utilization, CCU) 
     in Deutschland zu erleichtern.
  •  neben Strom auch auf feste, gasförmige und flüssige Energieträger setzen 
     für mehr Versorgungssicherheit.
  •  einen offenen Wettbewerb um die besten Technologien und die niedrigsten 
     Kosten schaffen. Wir lehnen Dauersubventionen für alle Formen der 
     Energieerzeugung ab. Daher wollen wir die Subventionen nach dem 
     Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) beenden und bestehende Anlagen nur bis 
     zum Ende ihres Vergütungsanspruchs fördern.
  •  ein Strommarktdesign etablieren, das marktwirtschaftliche Anreize für eine 
     kostengünstige und zuverlässige Stromversorgung entsprechend dem Bedarf 
     setzt. Zum Ausgleich volatiler, wetterabhängiger Erzeugung sind steuerbare 
     Kapazitäten notwendig.
  •  alle Stromerzeuger in die Verantwortung für Systemkosten und 
     Versorgungssicherheit einbeziehen (Netze, Speicher und 
     Sicherheitsreserven).
  •  einen politisch erzwungenen Rückbau funktionsfähiger Energieinfrastruktur 
     wie etwa der Gasnetze verhindern.
  •  ein echtes europäisches Energieverbundnetz errichten, das die Vorteile 
     unterschiedlicher Erzeugungsbedingungen und Ressourcen der EU-
     Mitgliedsländer miteinander verbindet. Dafür braucht es digitale 
     Steuerungssysteme und stärker ausgebaute transnationale Netze.
  •  Atomgesetz und Strahlenschutzgesetz so anpassen, dass Nukleartechnologien 
     wieder zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt werden können und den Rückbau 
     der noch bestehenden Kernkraftwerke aussetzen.
  •  heimische Ressourcen wie Schiefergas umweltverträglich fördern. In Zeiten 
     geopolitischer Spannungen und erhöhter Sicherheitsrisiken muss die 
     Resilienz unserer Energieversorgung stärker berücksichtigt werden.
  •  dezentrale Lösungen zur Eigenversorgung von Bürgern und Unternehmen mit 
     Strom und Wärme stärken – auch um den Netzausbaubedarf zu reduzieren. Dabei 
     darf es jedoch keine Entkopplung von der Verantwortung für 
     Versorgungssicherheit geben, solange man auf das öffentliche Netz 
     angewiesen bleibt.

 

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