Die Medienstimmen zum FDP-Kandidatenhearing

Beim Kandidatenhearing im Hans-Dietrich-Genscher-Haus präsentierten sich die Bewerberinnen und Bewerber für das FDP-Präsidium. Die Medien berichten ausführlich über die Debatte um den künftigen Kurs der Freien Demokraten. Ein Überblick.

Höne und Kubicki werden fotografiert.
Henning Höne und Wolfgang Kubicki.

Die Freien Demokraten stellen sich beim Bundesparteitag Ende Mai personell neu auf. Nach liberalem Prinzip soll dabei im Wettbewerb die beste Idee überzeugen. Beim Kandidatenhearing im Hans-Dietrich-Genscher-Haus hatten die Bewerberinnen und Bewerber für den Bundesvorstand die Chance sich vorzustellen. In der Berichterstattung stand vor allem das Rennen um den Bundesvorsitz zwischen Wolfgang Kubicki und Henning Höne im Mittelpunkt.

Die Süddeutsche Zeitung beschreibt das Hearing als ein Aufeinandertreffen zweier unterschiedlicher Profile. Bastian Brinkmann schreibt: „Rund 50 FDP-Mitglieder sind in die Parteizentrale nach Berlin gekommen, zehnmal so viele schauen online zu. Es ist das erste und das letzte Kandidatenduell zwischen Kubicki, 74, und Henning Höne, 39. Beide wollen die Spitze der FDP übernehmen.“ Während Kubicki „mit seiner Erfahrung, seinen Jahrzehnten in der Politik und vor allem mit seiner Bekanntheit“ werbe, präsentiere sich Höne „als neues Gesicht, das für neues Vertrauen sorgen könnte“. Ein klares Bild über die Erfolgsaussichten beim Parteitag habe die Veranstaltung laut Brinkmann allerdings nicht geliefert: „Applaus von den Anwesenden bekommen beide.“

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Die WELT sieht im Hearing nicht nur eine Personaldebatte. Maximilian Heimerzheim schreibt: „Die Veranstaltung dient nicht nur der Personalentscheidung, sondern auch der Klärung der strategischen Ausrichtung der Partei.“ Gemeinsam sei beiden Kandidaten die Kritik an einer „aus ihrer Sicht ausufernden Subventionslust des Staates“. Höne spreche von „Förderprogrammen für Förderprogramme“, während Kubicki stärker marktwirtschaftlich argumentiere und wirtschaftlichen Erfolg vor allem durch Wettbewerb statt durch staatliche Eingriffe bestimmt sehen wolle. Unterschiede erkennt Heimerzheim insbesondere in der Migrationspolitik: Kubicki betone stärker ordnungspolitische Aspekte und Integrationsanforderungen, Höne hingegen die wirtschaftliche Bedeutung von Migration sowie die Rolle bürokratischer Hürden beim Zugang zum Arbeitsmarkt.

Auch das RedaktionsNetzwerk Deutschland berichtet ausführlich. Daniela Vates schreibt: „Es geht um die Existenz der Partei und in dieser Lage wollen sogar zwei Kandidaten den Chefposten, eine Premiere für die FDP.“ Unterschiede sieht sie vor allem im Auftreten der beiden Bewerber. Höne sei „der ruhigere, verbindlichere“, während Kubicki schneller interveniere und auch Fragesteller zurechtweise. Ihr Fazit lautet: „Wolfgang Kubicki setzt auf Zuspitzung, Henning Höne warnt vor einem Lautstärke-Wettbewerb.“ Gleichzeitig gebe es in vielen Punkten Übereinstimmungen: „Staatliche Eingriffe zurückdrängen, Schiefergas fördern, nicht mit der AfD kooperieren, das wollen beide.“

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Christian Schlesiger schreibt für The Pioneer, Wolfgang Kubicki dränge im Hearing auf „Tempo und Zuspitzung“. Er zitiert Kubicki mit den Worten, die FDP müsse „zeitnah in Umfragen auf über fünf Prozent“ kommen, sonst „werden wir nicht mehr wahrgenommen“. Henning Höne wolle laut Schlesiger hingegen „einen Zwischenweg“ gehen. Höne habe betont, Zuspitzung gehöre zwar zur politischen Debatte, er wolle die Themen aber „dann sortieren“.

NTV war mit einem Kamerateam vor Ort und beschreibt die Wahl als Entscheidung zwischen Erfahrung und personellem Neustart, „aber beide sind sich sicher, dass die FDP eine gute Zukunft hat.“ Darüber hinaus sprach ntv-Redakteur Volker Petersen in einem ausführlichen Interview mit Henning Höne über dessen Positionen und Ideen.

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Die Frankfurter Allgemeine Zeitung richtet den Blick auf den Bundeskongress der Jungen Liberalen in Bingen am Rhein am Wochenende. Mit dabei waren Henning Höne sowie Martin Hagen, der im Team Kubicki als Generalsekretär gehandelt wird. Beide beantworteten auf der Bühne Fragen der JuLis, die anschließend online darüber abstimmten, wessen Antworten sie überzeugender fanden. Sebastian Gubernator schreibt: „Viele hier im Saal sprechen von einer ‚Richtungsentscheidung‘.“ Hönes Unterstützer sähen in ihm einen Neuanfang, „weil er während der Ampel keine Rolle auf Bundesebene gespielt hat“. Zudem denke er langfristiger. Anhänger Kubickis hingegen sorgten sich laut Gubernator vor allem um die öffentliche Wahrnehmung der Partei. Ihre Argumentation: „Die FDP brauche Charaktere, um die nächsten Wahlen zu gewinnen. Wenn es einer schaffen könne, die Partei wieder interessant zu machen, dann Kubicki.“

Die Berichterstattung zeigt: In der FDP wird die personelle Neuaufstellung als offener Wettbewerb um die besten Ideen, den überzeugendsten Kurs und die stärksten Antworten für die Zukunft der Partei verstanden. Welche Richtung die Delegierten dabei einschlagen wollen, entscheidet sich Ende Mai auf dem Bundesparteitag.