Die nächsten 80 Jahre beginnen jetzt
Vor 80 Jahren wurde die FDP Bayern in Nürnberg gegründet, genau dort feierte sie am 9. Oktober ihr Jubiläum. Neben dem Rückblick auf acht Jahrzehnte bayerischen Liberalismus stand vor allem der Blick nach vorn: wie die Freien Demokraten sich auf die Landtagswahl 2028 vorbereiten.
Mit einem Festabend im Marmorsaal des Presseclubs Nürnberg hat die FDP Bayern am Freitagabend ihr 80-jähriges Bestehen gefeiert, in der Stadt, in der sie 1946 gegründet wurde. In seiner Begrüßung erinnerte Landesvorsitzender Matthias Fischbach daran, dass die Partei schon mehrfach aus dem Landtag ausgeschieden und zurückgekehrt ist: 1966 und 1970, 1982 und 1990, 2013 und 2018. „Die FDP Bayern ist oft gestürzt – und jedes Mal wieder aufgestanden. Nie, weil jemand sie getragen hat. Sondern weil sie in der Krise Kraft aus ihrer Grundüberzeugung gezogen hat“, sagte Fischbach. Neue Parteien kämen und gingen: „Gründen ist leicht. Weiterführen ist die Kunst.“ Das Ziel sei klar: 2028 zurück in den Bayerischen Landtag.
In seiner Festrede ging Martin Hagen, Generalsekretär der FDP auf Bundesebene und früherer Landesvorsitzender der FDP Bayern, auf das Verhältnis von Überzeugung und Wahrnehmung ein. Positionen würden manchmal anders wahrgenommen, obwohl sie sich nicht verändert hätten, sagte Hagen; daraus entstehe Druck, sie zu ändern. Gerade deshalb komme es darauf an, den liberalen Überzeugungen treu zu bleiben, statt dem schnellen Erfolg nachzujagen.
Auf alle Mitglieder zählen
Zu den bewegendsten Momenten des Abends gehörte die Ehrung langjähriger Mitglieder für ihre Treue und ihren Einsatz: Hans Helmut Rösler aus Mittelfranken, Mitglied seit 1946, Peter Jacobi aus Oberfranken, Mitglied seit 1965, und Karl-Heinz Schmidt aus Oberbayern, Mitglied seit 1966. Gemeinsam mit dem Nürnberger Stadtrat Ümit Sormaz überreichte Fischbach ihnen Ehrenurkunden und einen Nürnberger Lebkuchengruß in der Blechdose. Hans Helmut Rösler, seit der Gründung dabei, wandte sich vom Platz aus mit dem Mikrofon an den Saal. Er mahnte die Partei, aus Fehlern zu lernen, sich in der Breite zu engagieren und auf alle Mitglieder zu zählen, denn sie seien die Basis der Partei.
Wenn Freiheit fehlt
Thomas Hacker, Präsident der Thomas-Dehler-Stiftung, führte durch die Anfangsjahre der FDP Bayern. Er schilderte, wie Thomas Dehler an der Bayerischen Verfassung und am Grundgesetz mitwirkte, welche Auseinandersetzungen die junge Partei prägten und unter welchen Bedingungen sie in der Nachkriegszeit entstand. Die Gründergeneration habe erlebt, was droht, wenn Freiheit fehlt.
Auf dem Podium „Parlamentarismus im Wandel“, moderiert von Susanne Seehofer und Matthias Fischbach, berichteten Peter Jacobi, Landtagsabgeordneter von 1978 bis 1982, und Martin Zeil, früherer Bundestagsabgeordneter und von 2008 bis 2013 bayerischer Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident, aus ihrer parlamentarischen Arbeit. Zeil bezeichnete es selbstkritisch als einen der größten Fehler, den Kurswechsel in der Atompolitik nach Fukushima mitgetragen zu haben. Seine persönliche Lehre daraus: Wenn es um Grundüberzeugungen gehe, dürfe die FDP nicht nachgeben und müsse im Zweifel auch eine Koalition verlassen. Zugleich warb er eindringlich dafür, die Partei weiter zu unterstützen.
Klarer liberaler Kompass
Zum Abschluss zeigten Matthias Fischbach, Generalsekretär der FDP Bayern Daniel Kuhagen sowie Susanne Seehofer, Karl Graf Stauffenberg, Nils Gründer und Kristine Lütke aus dem Präsidium, wie die FDP Bayern sich für den Landtagswahlkampf 2028 aufstellen will: mit klarem liberalem Kompass, als schlagkräftige Kampagnenorganisation und mit einem deutlich sichtbaren Auftritt, gerade auch in den sozialen Medien. Die Botschaft: Die Partei ist motiviert und braucht dafür jedes Mitglied.
Den Schlusspunkt setzte Fischbach mit einem Aufruf zum Mitmachen: „Wir kommen immer dann zurück, wenn viele mit anpacken. 80 Jahre – und noch lange nicht genug.“