Freie Demokraten gedenken Guido Westerwelle
Am Mittwoch jährt sich zum zehnten Mal der Todestag von Dr. Guido Westerwelle. Als er am 18.03.2016 an den Folgen einer Leukämieerkrankung starb, erinnerte man sich an einen der prägenden liberalen Politiker der letzten Jahrzehnte.
Die Freien Demokraten gedenken ihrem ehemaligen Bundesvorsitzenden und Außenminister a.D., Guido Westerwelle. Er verstarb am 18. März 2016 im Alter von 54 Jahren in der Uni-Klinik Köln an den Folgen seiner Leukämiebehandlung. Guido Westerwelle war von 1983 bis 1988 Vorsitzender der Jungen Liberalen, 1994 bis 2001 Generalsekretär und 2001 bis 2011 Bundesvorsitzender der Freien Demokratischen Partei (FDP). Freundlich, hart arbeitend, fordernd. So beschreiben ihn politische Freunde.
Mit seiner Art, Politik zu betreiben, hatte er neue Marken gesetzt. Der politische Meinungskampf war für ihn nicht nur Pflicht, wenn er seine Ziele erreichen wollte, sondern es machte ihm auch Spaß. „Er war ein engagierter Verfechter der Freiheit, der mit festem Glauben und klarem Verstand für eine offene und tolerante Gesellschaft eintrat. Für ihn war der demokratische Austausch mehr als eine Pflicht – er verstand ihn als lebendigen Ausdruck von Freiheit, den er mit Mut zur klaren Haltung und einer beeindruckenden rhetorischen Kraft führte“, schreibt FDP-Chef Christian Dürr über seinen Vorgänger.
„Wir ehren Guido Westerwelle, indem wir seinen Einsatz für die Freiheit mit derselben Entschlossenheit weiterführen, die sein Leben geprägt hat. Er bleibt ein Vorbild für alle, die an die Kraft der Freiheit glauben“, so Dürr.
Klarer politischer Kompass
Mit Guido Westerwelle sei ein großer Liberaler, ein leidenschaftlicher Parlamentarier, ein begnadeter Kommunikator und ein großartiger Mensch von uns gegangen, schrieb FDP-Vize Wolfgang Kubicki damals für „Spiegel Online“. „Ich bin dankbar für die Stunden, die wir gemeinsam nach vorne blicken konnten. Ich bin unendlich traurig, dass ich jetzt zurückschauen muss, um mich des wunderbaren Menschen, der er war, zu erinnern.“
Der damalige FDP-Bundesvorsitzende Christian Lindner schrieb in einer ersten Reaktion: „Guido Westerwelle war ein Mann voller Leidenschaft. Seine intellektuelle Schärfe und seine rhetorische Brillanz haben uns so oft begeistert, seine rheinische Lebenslust und sein grenzenloser Optimismus haben uns mitgerissen. Er hat als liberaler Politiker eine ganze Generation inspiriert oder herausgefordert. Er hat in der Sache niemanden geschont – und auch er selbst wurde nie geschont. Guido Westerwelle hatte einen klaren politischen Kompass. Mit ihm hat er unsere Partei über Jahre geprägt und zu großen Erfolgen geführt. Er war ein überzeugter Marktwirtschaftler, ein Verteidiger der toleranten und offenen Gesellschaft und ein tief überzeugter Europäer.
Der Zusammenhalt Europas in schwierigen Zeiten und der Einsatz für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in den nordafrikanischen Staaten waren ihm besondere Anliegen – als Bundesaußenminister und auch in der Zeit darüber hinaus.“
Ein großer Mensch, ein großer Politiker
Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ resümierte: „Guido Westerwelle war ein ‚political animal‘; ein sich stets neu erfindender Politiker, der messerscharf formulieren und noch leidenschaftlicher polarisieren konnte.“ Die „Süddeutsche Zeitung“ befand: „Westerwelle gehörte seit den 1990er Jahren zu den prägenden Figuren der bundesdeutschen Politik.“
Westerwelle sei zur Kühlerfigur des sogenannten neoliberalen Zeitgeistes avanciert. „Wie sehr alte Images aber auch nach den Jahren, in denen er neben dem Partei- auch den Fraktionsvorsitz inne hatte, an ihm kleben blieben, spürte Westerwelle 2009, als er auf der Regierungsbank Platz nahm.“ Der Abschied aus der aktiven Politik dem ‚political animal‘ erstaunlich gut gelungen, schrieb die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Ein großer Politiker, ein großer Mensch“, überschrieb die „Bild“ ihren Beitrag. Sie blickt zurück auf die Erfolge des Vollblut-Politikers. „Deutschland hat einen großen Menschen und Politiker verloren.
Matthias Naß schrieb in einem Nachruf für „Zeit Online“: „Wer nur den öffentlichen Guido Westerwelle kannte, der kannte ihn eigentlich gar nicht. Westerwelle bediente jedes Vorurteil: zu forsch, zu schrill, zu ehrgeizig – mit einem Wort: unseriös.“ Den anderen Westerwelle habe man in seiner Zeit als Außenminister auf langen gemeinsamen Auslandsreisen kennenlernen können: „zugewandt, interessiert, höflich, liebenswürdig, bescheiden.“ Abschließend befindet der Autor: „Dann kam die Krankheit. Viel zu früh riss sie ihn aus dem Leben. Es bleiben Dank und Respekt. Und die Erinnerung an einen sehr liebenswerten Menschen.“
Erinnerung wachhalten
Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit möchte die Erinnerung an Guido Westerwelle wachhalten und hat zwei ausführliche Publikationen zu Leben und politischer Arbeit dieses herausragenden Liberalen veröffentlicht: Die Public History-Broschüre „Der weltläufige Performer“ berichtet vom zeichnet den Lebensweg Westerwelles nach; eine Zusammenstellung ausgewählter Reden erinnert an den ehemaligen FDP-Generalsekretär, FDP-Bundes- und Fraktionsvorsitzenden und Bundesaußenminister und behandelt den politischen Weg Westerwelles, von seinen frühen Anfängen bei den Jungen Liberalen bis hin zum Ende seiner politischen Laufbahn und den persönlichen Neubeginn, kurz bevor ihn der viel zu frühe Tod ereilte.
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