„Sternstunde der Parteiendemokratie" auf dem Bundesparteitag

Der Bundesparteitag der Freien Demokraten hat am Samstag für Aufmerksamkeit weit über die Partei hinaus gesorgt. Von einer „Sternstunde der Parteiendemokratie“ und „erfrischender Streitkultur" war in den Schlagzeilen die Rede. Ein Überblick über die wichtigsten Medienstimmen.

Lutz van der Horst und Wolfgang Kubicki
Ein Überblick über die wichtigsten Medienstimmen zum 77. FDP-Bundesparteitag.

„Plötzlich also gibt es doch noch Wettbewerb in der Partei, die wie keine zweite für Wettbewerb steht. Plötzlich ist der Saal im Berliner Estrel Hotel brechend voll, Gespräche werden eingestellt. Alle Augen sind auf die Bühne gerichtet“, schreibt Lissy Kaufmann für die Tagesschau zur überraschenden Kampfabstimmung um den FDP-Bundesvorsitz zwischen Wolfgang Kubicki und Marie-Agnes Strack-Zimmermann. An diesem Nachmittag hätten die Liberalen deutlich gezeigt, dass sie quicklebendig, streitlustig und voller Kampfgeist sind. 

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Streit statt Show: Die FDP begeistert mit offener Debatte

Der Tagesspiegel beobachtet auf dem Parteitag eine selten gewordene demokratische Streitkultur. Dennis Pohl lobt das Motto des Parteitages „Wo Freiheit ist, ist alles möglich“, weil die FDP ihn unmittelbar mit Leben gefüllt habe. Was folgte, sei eine „Sternstunde der Parteiendemokratie“ gewesen: „Es wurde gerungen, gestritten, gezetert, gezerrt – und sich danach die Hand gegeben.“ Gerade in einer Zeit, in der Parteien oft vor allem Geschlossenheit demonstrieren wollten, sei dieser offene Wettstreit um den Parteivorsitz bemerkenswert gewesen. 

Besonders bemerkenswert sei, dass politische Gegner nicht übereinander, sondern miteinander gestritten hätten. „Es ist kein Zufall, dass am Samstag Vertreter derzeit größerer Parteien mit einer gewissen Bewunderung auf die Auseinandersetzung zwischen Strack-Zimmermann und Kubicki schauten: Das wäre bei uns nicht möglich, da würde gelächelt – und danach verdeckt abgerechnet.“ Die FDP habe demonstriert, wie demokratische Debatte funktionieren könne: „zwei Menschen, zwei konträre Überzeugungen, die in aller respektvollen Härte gegeneinander abgewogen wurden.“ Genau daraus speise sich letztlich Demokratie.

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Warum die FDP für viele Beobachter unverzichtbar bleibt

Jochen Buchsteiner hebt in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vor allem die inhaltliche Bedeutung der Freien Demokraten hervor. Er sieht in der FDP „die einzig verlässliche Schutzmacht der Freiheit“. Wolfgang Kubicki habe verstanden, dass sich die Liberalen im Kampf um Freiheit und Rechtsstaatlichkeit mit beiden Lagern anlegen müssten – „mit den um sich schlagenden Parteien der linken Mitte wie mit dem kühl kalkulierenden Lager um Alice Weidel.“ Das Alleinstellungsmerkmal des Liberalismus bleibe zudem die Überzeugung, dass der Bürger im Zweifel besser wisse, was für ihn gut sei, als der Staat.

Die Augsburger Allgemeine richtet den Blick auf die strategischen Chancen der Partei. Unter der Überschrift „In der Mitte ist noch viel Platz für die FDP – mit Kubicki wird die Partei wieder wahrgenommen“ argumentiert Rudi Wais, dass Kubicki der Partei neue Sichtbarkeit verschaffen könne. Themen wie wirtschaftliche Erneuerung, Meinungsfreiheit oder die Folgen der Migration seien zudem klassische liberale Felder, auf denen Kubicki in starkes Profil zeige. Sein Fazit: „Damit führt er die Partei nicht nach rechts, wie es ihm schon unterstellt wird, sondern im Erfolgsfall aus der außerparlamentarischen Opposition zurück in die parlamentarische Mitte. Dort fehlt die liberale Stimme schon jetzt.“

FDP zieht klare rote Linie zur AfD

Die WELT hebt hervor, dass sowohl Kubicki als auch der neu gewählte FDP-Generalsekretär Martin Hagen auf dem Parteitag deutliche Distanz zur AfD markierten. „Es wird mit Liberalen nie eine Zusammenarbeit mit der AfD geben, niemals“, wird Kubicki zitiert. Auch Hagen hätte klare Worte gefunden: „Wer Menschen aufgrund ihrer Abstammung abspricht, Deutsche zu sein, dessen Geisteshaltung ist von der unseren so kilometerweit entfernt, dass es keine Brandmauer braucht, um sich abzugrenzen.“

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Generationswechsel bei der FDP

Die Berliner Morgenpost erkennt im neuen Führungsteam zugleich einen Generationenwechsel. „Die FDP hat sich verjüngt – zumindest auf der Ebene ihres Generalsekretärs und der stellvertretenden Vorsitzenden“, schreibt Günter Marks. Alle Kandidaten seien „souverän“ durch die Wahlen gekommen und stünden für eine neue Generation liberaler Führungskräfte.

Mit Nadin Zaya rückte zudem ein neues Gesicht ins Präsidium. Das RedaktionsNetzwerk Deutschland porträtiert die 27-jährige Rechtsreferendarin, die sich gegen „zwei prominente Gegenkandidaten“ durchgesetzt hat: den hessischen Landesvorsitzenden Thorsten Lieb und den Dresdner Oberbürgermeister Dirk Hilbert. Gemeinsam mit Susanne Seehofer und Benjamin Strasser wurde sie zur Beisitzerin gewählt. „Zaya, die als Kleinkind mit ihren Eltern aus dem Irak nach Deutschland kam, ist Rechtsreferendarin. Mehrere Jahre führte sie die Jungen Liberalen in Niedersachsen.“ Im Interview spricht sie über die Erwartungen des liberalen Nachwuchses und die Zukunft ihrer Partei.

Emotionaler Abschied von Christian Dürr

Die Berliner Zeitung hebt den emotionalen Abschied vom ehemaligen Parteichef Christian Dürr hervor. Großen Applaus erhielt er für die Worte an seinen Nachfolger Wolfgang Kubicki, dieser trete nicht an, „weil es dir um den Titel geht“, sondern „weil es dir um die FDP geht“.

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Es folgt die Programmdebatte

Während am Samstag vor allem die Personalentscheidungen im Mittelpunkt standen, richtet der Stern den Blick bereits auf den zweiten Parteitagstag. Nach den Wahlen zur Parteispitze soll es am Sonntag um die inhaltliche Neuausrichtung der Freien Demokraten gehen. „Den mehr als 600 Delegierten liegt ein Leitantrag des Bundesvorstands mit Vorschlägen zur Belebung der Wirtschaft vor. Unter anderem fordert die FDP, den linear-progressiven Steuertarif durch einen Vier-Stufen-Tarif zu ersetzen — mit den Tarifstufen 15, 25, 35 und 42 Prozent.“ Auch beim Bürokratieabbau setzte die FDP auf weitreichende Reformen. . Der vom neuen Generalsekretär Martin Hagen eingebrachte Leitantrag, der einen „liberalen Neustart unseres Landes“ fordert, enthält zudem den Abbau von Subventionen, die Senkung der Unternehmensteuern sowie eine Flexibilisierung des Renteneintritts.

Fazit: FDP stellt sich gegen Einheitsbrei und Inszenierung

Die Medien zeichnen das Bild einer Partei, in der offener Wettbewerb und respektvoller Streit noch immer zum Kern demokratischer Politik gehören. Ein erfrischender Kontrast zu dem Eindruck vieler Wähler, dass im Parteienspektrum oft mehr Inszenierung als echte Debatte stattfindet.