Die Freiheit des Einzelnen verteidigen, das können nur wir

Zum Auftakt des 77. Ordentlichen Bundesparteitags hält FDP-Chef Christian Dürr seine Abschiedsrede als Parteichef. Darin zieht er Bilanz und analysiert die aktuelle Lage.

Christian Dürr
Christian Dürr

Dürr zeichnet ein kritisches Bild der politischen Entwicklung seit dem Regierungswechsel vor einem Jahr. Die Erwartungen an die neue Bundesregierung hätten sich aus seiner Sicht nicht erfüllt. Deutschland stecke „mehr denn je in einer wirtschaftlichen Krise“ und habe „die unbeliebteste Regierung in seiner Geschichte“.

Gleichzeitig macht Dürr deutlich, dass die Freien Demokraten auch ihre eigene Rolle selbstkritisch hinterfragt hätten. „Die Freien Demokraten, sie haben ihre Lehren gezogen und sie ändern sich“, sagt er vor den Delegierten in Berlin. Sichtbar werde das bereits am neuen Erscheinungsbild der Partei und einem künftigen „neuen, frischen und vor allem klaren Auftritt“.

Im Mittelpunkt seiner Rede steht das liberale Freiheitsverständnis. Angesichts wachsender Staatsverschuldung und neuer finanzieller Belastungen macht Dürr klar: „Es sind nicht die Schulden von Politikern.“ Jeder zusätzliche Euro an Schulden schränke die Freiheit jedes einzelnen Menschen ein.

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Dürr warnt vor Mutlosigkeit in der politischen Mitte

Mit Blick auf die Veränderungen im Parteiensystem warnt Dürr davor, den Aufstieg der politischen Ränder zu unterschätzen. Diese entstünden nicht zuerst aus Überzeugung, sondern aus Enttäuschung über die politische Mitte. Deshalb müsse die FDP einen klaren Gegenpol bilden. „Die politische Mitte, liebe Freunde, stirbt nicht an Gegenwind, an Widerstand, sie stirbt an Mutlosigkeit“, sagt Dürr. Seine Überzeugung sei daher: „Die FDP, sie muss der Gegenentwurf zur Mutlosigkeit in der deutschen Politik sein.“

Für ihn gehe es dabei nicht um parteipolitische Auseinandersetzungen, sondern um die Zukunftsperspektiven der Menschen. Die Freien Demokraten wollten dafür sorgen, „dass die Menschen in Deutschland wieder Träume haben können“. Ziel sei es, den Menschen die Freiheit zurückzugeben, „das zu erreichen, was sie sich erträumen“. Dürr verbindet dies mit einem zentralen liberalen Versprechen: „Wo Freiheit ist, da ist alles möglich.“

Zuversicht und Eigenverantwortung stärken

Als zentrale Aufgabe für die kommenden Jahre sieht Dürr die Entwicklung einer überzeugenden Alternative zum politischen Status quo. Die FDP müsse „eine Antwort auf den lebenden Status quo der deutschen Politik“ sein. Denn von diesem profitierten vor allem die politischen Ränder.

Zugleich wirbt er für mehr Vertrauen in die Bürgerinnen und Bürger. „Die Menschen sind bereit, Verantwortung zu übernehmen“, so Dürr. Voraussetzung dafür sei jedoch, „dass man zuallererst die Menschen ernst nimmt in Deutschland“. Genau darin liege die politische DNA der Freien Demokraten.

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Persönlicher Dank an Wegbegleiter und Familie

Einen großen Teil seiner Rede widmet Christian Dürr dem Dank an diejenigen, die ihn während seiner Zeit als Parteivorsitzender begleitet haben. Besonders hebt er FDP-Generalsekretärin Nicole Büttner hervor, die sich auf das „Abenteuer“ eingelassen und sich „weit über das erwartete Maß hinaus“ engagiert habe.

Auch Wolfgang Kubicki dankt er für die langjährige Zusammenarbeit und das gewachsene Vertrauen. An die Mitarbeitenden der Bundesgeschäftsstelle gerichtet sagt Dürr: „Ihr seid eine wirklich tolle Truppe.“ Das Team im Hans-Dietrich-Genscher-Haus bezeichnete er als „klein, kernig“ und „innovativ“.

An seine Ehefrau Jenny gerichtet sagt er: „Vielen Dank für die Unterstützung, dass ich das machen durfte.“ Der Rückhalt seiner Familie sei für ihn von unschätzbarem Wert gewesen.

Abschied aus dem Amt – die FDP bleibt seine politische Heimat

Zum Ende seiner Rede zieht Christian Dürr einen persönlichen Schlussstrich unter seine Zeit in der hauptamtlichen Politik. Mit dem Bundesparteitag ende für ihn „eine 23-jährige Etappe meines Lebens“. Er gehe „in tiefer Dankbarkeit“ aus dem Amt und sei dankbar für alles, was ihm die Freien Demokraten ermöglicht hätten. Seine Verbundenheit mit der Partei stellt er dabei ausdrücklich heraus: „Ich gehe heute aus einem Amt. Meine Heimat bleibt die FDP.“