Kubicki und Höne bündeln ihre Kräfte
Kurz vor den FDP-Bundesparteitag bündeln Wolfgang Kubicki und Henning Höne ihre Kräfte und treten gemeinsam als Team an. Kubicki kandidiert für den Bundesvorsitz, Höne als stellvertretender Vorsitzender. „Wir müssen unseren Blick jetzt geschlossen auf den Erfolg richten“, erklärt Kubicki.
Geeinte Kräfte statt Kampfabstimmung: Wolfgang Kubicki und Henning Höne wollen kurz vor den FDP-Bundesvorstandswahlen Ende Mai nicht mehr gegeneinander um den Bundesvorsitz antreten, sondern gemeinsam als Team. Kubicki kandidiert als Bundesvorsitzender, Höne als stellvertretender Vorsitzender. Das erklären beide in einem gemeinsamen Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Wolfgang Kubicki sagt: „Wir beide wollen uns darauf fokussieren, die FDP so schnell wie möglich wieder zu einem bedeutenden politischen Faktor in Deutschland zu machen.“
Auch Henning Höne betont, dass es jetzt darum gehe, Kräfte zusammenzuführen statt gegeneinander anzutreten. „Zuletzt hörte ich immer öfter: Wir brauchen euch beide, wie kann man das zusammenführen? Das hat dazu beigetragen, dass Wolfgang Kubicki und ich in unseren Gesprächen überlegt haben, wie es gehen könnte.“
Liberale Offensive gegen den Reformstau
Der Schritt kommt in einer Phase, die beide als existenziell für die Partei beschreiben. Die Freien Demokraten befänden sich aktuell in der „schwersten Krise ihrer Geschichte“, sagt Höne. Gerade deshalb müsse die FDP jetzt deutlich machen, „dass die FDP die einzige Heimat für alle sei, denen Freiheit, Leistungsgerechtigkeit und eine offene Gesellschaft wichtig sind.“
Gleichzeitig sehen sich beide in der Verantwortung für die Zukunft Deutschlands. Höne kritisiert die Bundesregierung deutlich: „Der Kanzler ist groß in Selbstmitleid und klein darin, Dinge auch nur annähernd so umzusetzen, wie er es versprochen hat. Umso dringender braucht es eine FDP, die wieder als wählbare Alternative wahrgenommen wird.“
„Die Unzufriedenheit mit der jetzigen Koalition ist historisch“, bringt es Kubicki auf den Punkt. Für ihn könne sich die FDP deshalb keine langen innerparteilichen Debatten mehr leisten: „Wir können es uns nicht leisten, uns lange mit uns selbst zu beschäftigen. Wir müssen auf dem Parteitag jetzt zeigen: Wir sind eine kampfbereite Truppe, die man unterstützen kann.“
Sie wollen der Gegenpol zur Koalition sein
In einer gemeinsamen Erklärung machen beide ihre politische Richtung deutlich: „Wir wollen der Gegenpol zu einer zerfallenden Koalition sein, die sich in Streit und Fantasielosigkeit verliert und nicht einmal mehr die Kraft hat, den Niedergang zu verwalten.“ Deutschland brauche jetzt ein politisches Angebot, das wirtschaftliches Wachstum statt ständiger Steuererhöhungen in den Mittelpunkt stelle. Eine Partei, die den Mut habe zu benennen, „dass der Staat zu viel Geld ausgibt und dadurch Innovation und Fortschritt lähmt“, sowie eine „schlagkräftige politische Kraft, die für Selbstbestimmung und Eigenverantwortung streitet, statt sich in immer neue staatliche Regulierung zu flüchten, die nur Bürokratie schafft, aber keinen Mehrwert bringt.“
Kubicki will die FDP wieder sichtbar machen
Für Kubicki geht es jetzt darum, die Partei intern zu einen und zugleich öffentliche Präsenz zurückzugewinnen, die aus seiner Sicht im vergangenen Jahr gefehlt habe.
Dass Kubicki und Höne zuletzt oft als Vertreter sehr unterschiedlicher politischer Stile beschrieben wurden, sehen beide nicht als Problem, sondern als Vorteil. Höne sagt: „Natürlich gibt es unterschiedliche Stile und unterschiedliche Beweggründe. Aber die Menschen draußen warten nicht auf eine Einheits-FDP, sondern auf eine mit klarem Kompass, aber mit unterschiedlichen Köpfen und Charakteren.“
Höne fokussiert Nordrhein-Westfalen, Kubicki Berlin
Die Teamkandidatur soll zudem ermöglichen, politische Schwerpunkte klarer aufzuteilen. Während sich Kubicki künftig stärker auf die Bundespolitik konzentrieren soll, will Höne als FDP-Fraktionsvorsitzender in Nordrhein-Westfalen und Vorsitzender des dortigen Landesverbandes vor allem die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen in knapp einem Jahr in den Fokus rücken. „Wolfgang kümmert sich schwerpunktmäßig um Berlin, mein Schwerpunkt ist die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen.“
Teamgeist statt Gleichklang
Die künftige FDP-Führung solle ohnehin keine „One-Man-Show“ werden, so Höne. Bereits zahlreiche weitere erfahrene und kompetente Kandidatinnen und Kandidaten hätten ihre Ambitionen für den Bundesvorstand angekündigt, darunter Svenja Hahn, Linda Teuteberg, Susanne Seehofer, Benjamin Strasser und Alena Trauschel.
Kubickis Devise: „Wir müssen unseren Blick jetzt geschlossen auf den Erfolg richten.“