Covid-19 ist eine Menschheitsaufgabe und kein Anlass für Egoismus

corona
17.03.2020

Laut Medienberichten wollte sich die USA einen Impfstoff des Tübinger Pharmaunternehmen CureVac exklusiv sichern.  Die Freien Demokraten üben scharfe Kritik an den US-Begehrlichkeiten. So etwas verbiete sich, da dürfe keiner auf den eigenen kleinen Vorteil schauen, kritisierte FDP-Chef Christian Lindner. "Im Wahlkampf ist Trump offenbar jedes Mittel recht. Die Bekämpfung von Corona ist eine Menschheitsaufgabe und kein Anlass für Egoismus." Einen Impfstoff für eine Pandemie zu nationalisieren wäre in jedem Fall unethisch. "Die Welt muss jetzt zusammenhalten." Für FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg zeigt diese Entwicklung die Notwendigkeit, "unser Land als Standort von Forschung und Innovation noch besser aufzustellen."

Das  Unternehmen CureVac aus Tübingen arbeitet als privates Unternehmen, aber auch zusammen mit dem bundeseigenen Paul-Ehrlich-Institut an einem Corona-Impfstoff. US-Präsident Donald Trump soll Anfang März der Firma ein Milliarden-Übernahmeangebot gemacht haben. Er wolle das Medikament exklusiv für sein Land sichern, hieß es. CureVac, an dem SAP-Gründer Dietmar Hopp zu 80 Prozent beteiligt ist, hat Trumps Angebot offenbar abgelehnt.

"Ich habe viele der handelnden Personen als verantwortungsbewusst kennengelernt und kann mir nicht vorstellen, dass Trump Erfolg haben wird", hatte Lindner im Interview mit dem Deutschlandfunk zuvor erklärt. An die Adresse des US-Präsidenten gerichtet spricht Lindner von einem Affront: "Gerade in einer solchen globalen Krise muss es doch eine Form der Zusammenarbeit auch zwischen Partnern geben wie den USA, Europa und Deutschland. Das kann doch nicht Anlass für einen neuen Egoismus sein, sondern im Gegenteil. Gerade jetzt weltweit müsste man voneinander lernen. Jetzt müsste die weltweite Arbeitsteilung greifen und nicht eine solche America-First-Denke, die hier nun wirklich fehl am Platz ist, wenn sie das nicht generell sowieso schon wäre."

Im Interview mit dem Focus betonte Lindner: "Herrn Trump traut man alles zu. Aber ich bin mir nicht ganz sicher, ob der Vorgang sich genau so zugetragen hat. Ich kenne den Vorstandsvorsitzenden und Gründer des Unternehmens persönlich. Inzwischen kam ja von dort auch das klare Signal: Sie forschen für die Weltgemeinschaft. Einen Impfstoff für eine Pandemie zu nationalisieren wäre in jedem Fall unethisch. Die Welt muss jetzt zusammenhalten."

Die Bundesregierung müsse klarstellen, dass sie einen Zugriff der USA und damit den Versuch einer Nationalisierung eines Impfstoffs abwehren würde. Lindner erwartet, "dass wir im Zuge dieser globalen Herausforderung und danach eine Debatte über Renationalisierung, Protektionismus und Abschottung bekommen werden, die sich gewaschen hat." Jetzt müsste die richtigen Schlussfolgerungen gezogen werden.

"Aus meiner Sicht sind die richtigen Schlussfolgerungen, dass wir auch regional Reserven vorhalten müssen, dass auch Produktion von Präparaten und beispielsweise Hilfsmitteln wie Masken regional verteilt stattfinden muss, nicht nur an einer Stelle in der Welt, da muss man jedenfalls auch Kostennachteile in Kauf nehmen dafür, dass man regional differenziert produziert, aber die falsche Schlussfolgerung wäre, generell den freien geregelten Welthandel und die internationale Arbeitsteilung infrage zu stellen, denn die haben sich über die vergangenen Jahrzehnte bei allen Nachteilen, die es gibt, dennoch als ein Segen erwiesen."

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