Kapital freisetzen für die Champions von morgen

100 Start-ups fordern in einem Brandbrief Reformen von der Regierung. Die Freien Demokraten unterstützen den Appell: Ihre Vorschläge für mehr Wachstum und die Mobilisierung von Kapital liegen seit 2024 auf dem Tisch.

Arbeiter neben Roboterarm
FDP-Vize Henning Höne hält die Vorschläge für dringend notwendig: „Flexiblerer Kündigungsschutz, Mitarbeiterkapitalbeteiligung einfacher machen und eigene KI-Infrastruktur für Deutschland.“

Deutschland hat starke Start-ups mit Weltmarktpotenzial. Doch zu oft bremsen fehlendes Kapital, Bürokratie und komplizierte Regeln ihr Wachstum. Jetzt schlagen 100 Start-up-Gründerinnen und -Gründer Alarm. In einem Brandbrief fordern sie die Bundesregierung auf, umzusteuern. Die Lage sei ernst: „Allein 2025 gingen monatlich 10.000 Industriearbeitsplätze verloren. Handelskonflikte, geopolitische Unsicherheiten und der demografische Wandel verschärfen die Lage und bringen unser bisheriges Exportmodell an seine Grenzen. Deutschland muss umsteuern – und das ist möglich“, heißt es darin.

Start-up-Petition: Zehn Punkte gegen den Standortfrust

Der Brandbrief enthält zehn konkrete Forderungen, mit denen die Bedingungen für Unternehmen verbessert werden sollen. FDP-Vize Henning Höne hält die Vorschläge für dringend notwendig: „Flexiblerer Kündigungsschutz, Mitarbeiterkapitalbeteiligung einfacher machen und eigene KI-Infrastruktur für Deutschland – wir dürfen uns bei Zukunftstechnologien nicht abhängig von anderen machen!“ Auch FDP-Generalsekretär Martin Hagen appelliert angesichts der Forderungen: „Schneller, flexibler, moderner“ müsste das Motto sein, um in Deutschland eine Wirtschaftswende einzuleiten. Ob das bei der Bundesregierung irgendwann mal ankommt?

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Kapital ist da, aber es erreicht die Start-ups nicht

Woran es vor allem hakt, zeigt eine aktuelle Bitkom-Studie. Besonders beim Kapital fehlt es jungen Start-ups an Möglichkeiten, um zu wachsen. Nur 17 Prozent der Gründerinnen und Gründer halten das Angebot an Venture Capital in Deutschland für ausreichend. Jedes vierte junge Unternehmen denkt sogar darüber nach, Deutschland wegen fehlender Finanzierungsmöglichkeiten zu verlassen. Besonders bitter: 74 Prozent der Gründerinnen und Gründer würden ihr Kapital eigentlich am liebsten von deutschen Investoren erhalten. „Warum aber finden junge Unternehmen und Investoren in Deutschland so schwer zusammen?“, fragt Steffen Saebisch, Vorsitzender der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit und Mitglied im FDP-Präsidium angesichts dieser Zahlen.

Am Vorhandensein von Geld in Deutschland liegt es grundsätzlich nicht. Versicherungen, Pensionskassen und andere institutionelle Anleger verwalteten erhebliche Vermögen von mehr als 2,8 Billionen Euro, führt Saebisch an. In Start-ups investierten sie davon aber nur rund 400 Millionen Euro. In anderen Ländern seien solche Anleger wichtige Kapitalgeber für junge Wachstumsunternehmen. In Deutschland scheiterten diese Verbindung aber zu oft an regulatorischen und steuerlichen Hürden, so Saebisch.

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Mehr Start-up-Kapital ohne neue Schulden: WIN

„Der Bundesregierung sollte das Problem bewusst sein“, kritisiert Saebisch. Ein Lösungsansatz liegt längst auf dem Tisch. Bereits 2024 hatte Christian Lindner im Rahmen der Wachstumsinitiative ein Konzept vorgelegt, um steuerliche Nachteile bei Investitionen in Wagniskapital-Fonds abzubauen. Das Programm „Wachstums- und Innovationskapital für Deutschland“, kurz WIN, sollte gemeinsam mit großen Banken und Versicherern rund 12 Milliarden Euro bis 2030 in deutsche Start-ups mobilisieren. Führende Finanzunternehmen hatten bereits entsprechende Zusagen gegeben.

Für Saebisch ist das eine Lösung, von der alle profitieren könnten: „Der Staat müsste kein neues Kapital bereitstellen, geschweige denn Schulden aufnehmen. Er müsste lediglich Hindernisse abbauen, die Investitionen in junge Wachstumsunternehmen heute noch unnötig erschweren.“ Genau hier setzen auch die Gründerinnen und Gründer an. Sie fordern in ihrer Petition, dass die WIN-Initiative im Regierungshandeln Priorität bekommt.