Setzen, sechs! – Deutschland braucht die Bildungswende
Deutschlands Schülerinnen und Schüler schneiden in der aktuellen PISA-Studie so schlecht ab wie noch nie. Besonders alarmierend sind die Defizite beim Lesen und Rechnen – und der weiterhin starke Einfluss der sozialen Herkunft auf den Bildungserfolg.
Die Ergebnisse der PISA-Studie 2025 markieren einen neuen Tiefpunkt für das deutsche Bildungssystem. Rund 6.700 15-Jährige an etwa 250 Schulen wurden in Deutschland getestet. In Mathematik erreichen sie im Durchschnitt 464 Punkte, beim Lesen 465 Punkte und in den Naturwissenschaften 486 Punkte. Damit liegen die Ergebnisse in allen drei Bereichen auf dem niedrigsten Niveau seit Deutschlands erster Teilnahme an PISA im Jahr 2000. International bewegt sich Deutschland damit nur noch ungefähr auf dem Durchschnittsniveau der OECD-Staaten. Der seit etwa 2015 erkennbare Abwärtstrend setzt sich damit fort.
FDP-Präsidiumsmitglied und bildungspolitische Sprecherin Nadin Zaya fordert daraus klare politische Konsequenzen: „Die Ergebnisse der Pisa-Studie sind aus deutscher Sicht verheerend. Unsere Schülerinnen und Schüler schneiden in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften so schlecht ab wie noch nie. Das muss ein Alarmsignal für die deutsche Politik sein.“ Auch FDP-Chef Wolfgang Kubicki mahnt: „Vor unseren Augen zerbröseln Lebenschancen.“
Jeder dritte Jugendliche hat Probleme beim Lesen und Rechnen
Besonders alarmierend ist nicht allein der Rückgang der Durchschnittswerte: Immer mehr Jugendliche erreichen bei PISA nicht einmal das grundlegende Kompetenzniveau. In Mathematik betrifft das 34 Prozent der 15-Jährigen, beim Lesen 32 Prozent und in den Naturwissenschaften 27 Prozent.
Für die Freien Demokraten ist deshalb klar: Bildungspolitik muss sich wieder stärker auf das konzentrieren, was am Anfang jeder Bildungskarriere steht – Lesen, Schreiben, Rechnen und eine sichere Beherrschung der deutschen Sprache. Dabei braucht es auch mehr Transparenz darüber, wo Schülerinnen und Schüler tatsächlich stehen. Zaya fordert deshalb: „Aus meiner Sicht wären auch regelmäßige bundesweite Vergleichstests notwendig.“
Sprachliche Defizite dürfen zudem nicht erst auffallen, wenn Kinder bereits in der Schule zurückfallen. Zaya stellt klar: „Darüber hinaus fordern wir Freie Demokraten beispielsweise eine verbindliche Sprachstandsfeststellung für alle Kinder ab vier Jahren – inklusive klarer Anschlussförderung vor Ort. Bei festgestellten Sprachdefiziten muss eine Deutschförderpflicht im letzten Jahr vor der Grundschule erfolgen.“ Auf die Diagnose muss damit konkrete Förderung folgen. Ziel ist, dass möglichst jedes Kind mit ausreichenden Deutschkenntnissen und den notwendigen Voraussetzungen in die Grundschule startet.
Ein Basisjahr für einen besseren Start in die Schule
Nicht jedes Kind bringt zum Zeitpunkt der Einschulung bereits dieselben Voraussetzungen mit. Fehlende Sprachkenntnisse, Entwicklungsrückstände oder mangelnde Schulreife können sich jedoch durch die gesamte weitere Bildungslaufbahn ziehen, wenn sie nicht frühzeitig aufgefangen werden.
Die Freien Demokraten wollen deshalb zusätzlich ein Basisjahr an Grundschulen schaffen. Zaya erklärt: „Wir wollen außerdem ein Basisjahr an Grundschulen für Kinder etablieren, die bei Schulstart noch nicht schulreif sind.“ Damit soll Kindern zusätzliche Zeit und gezielte Unterstützung gegeben werden, bevor sich bestehende Defizite verfestigen. Entscheidend ist dabei, Förderung nicht erst dann zu organisieren, wenn Schülerinnen und Schüler bereits den Anschluss verloren haben.
Soziale Herkunft darf nicht über Bildungserfolg entscheiden
Die PISA-Ergebnisse legen außerdem offen, dass Deutschland sein Aufstiegsversprechen weiterhin nicht einlöst. Der Bildungserfolg hängt noch immer stark davon ab, aus welchem Elternhaus ein Kind kommt. Genau hier setzt liberale Bildungspolitik an: Der Staat muss dort besonders stark sein, wo Kinder Unterstützung nicht selbstverständlich von zu Hause erhalten.
Schulen mit besonders großen sozialen und pädagogischen Herausforderungen brauchen deshalb zusätzliche Unterstützung. Das Prinzip des Startchancen-Programms – Ressourcen gezielt dort einzusetzen, wo sie am dringendsten gebraucht werden – bleibt richtig. Entscheidend ist aber, dass zusätzliche Mittel mit klaren Bildungszielen, überprüfbaren Fortschritten und einer Konzentration auf die Grundkompetenzen verbunden werden.
Aus dem neuen PISA-Schock müssen konkrete Reformen folgen
Die Zahlen zeigen: Einzelne Programme reichen nicht aus. Deutschland braucht eine Bildungspolitik, die früher ansetzt, Defizite systematisch erkennt und Probleme nicht jahrelang mitlaufen lässt.
Für die Freien Demokraten gehören dazu vor allem:
- verbindliche Sprachstandsfeststellungen für alle Kinder ab vier Jahren,
- eine verpflichtende Deutschförderung bei festgestellten Sprachdefiziten,
- ein Basisjahr für Kinder, die beim Schulstart noch nicht schulreif sind,
- ein klarer Vorrang für Lesen, Schreiben und Rechnen in der Grundschule,
- regelmäßige bundesweite und vergleichbare Lernstandserhebungen,
- gezielte zusätzliche Unterstützung für Schulen mit besonders großen Herausforderungen,
- mehr Eigenverantwortung der Schulen bei gleichzeitig klaren und überprüfbaren Bildungsstandards.
Dabei braucht es auch eine andere bildungspolitische Prioritätensetzung. „Es muss gezielt in den Ganztagesausbau von Schulen, Sprachförderung und das Basisjahr und die digitale Ausstattung von Schulen investiert werden“, fordert Zaya. Perspektivisch wollen die Freien Demokraten die Grundschulen finanziell deutlich stärker in den Mittelpunkt rücken. Zaya fordert, „die Ausgaben für Grundschulen in Deutschland zu verdoppeln – von 0,75 hin zu 1,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts“. Ihr Fazit: „Nur so wird die Bildungswende gelingen.“
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