Kindern nicht schon wieder elementares Recht auf Bildung verwehren

kind vor schule
Kinder und Eltern dürfen nicht wieder zu Corona-Verlierern werden.
13.10.2020

Weil die Infektionsgefahr im Winter und bei Familienfeiern besonders hoch ist, sollen Kinder um zwei bis vier Wochen länger in die Weihnachtsferien. Der Vorschlag aus den Reihen der Union stößt nicht nur bei den Freien Demokraten auf heftige Ablehnung. FDP-Fraktionsvize Christian Dürr bezeichnete den Vorschlag als Unsinn: "Eine kurzfristige Verlängerung der Winterferien würde die Planung von Millionen Familien kaputtmachen. In diesem Jahr gab es genug Schulausfall. Die Kinder müssen die Inhalte nachholen und das dürfen wir nicht immer weiter nach hinten verschieben." In Wahrheit wolle die Union nur davon ablenken, dass sie seit einem halben Jahr kein Konzept für die Schulen in der Corona-Krise habe. "Statt solch absurder Ideen sollten CDU und CSU lieber daran arbeiten, die digitale Bildung zu verbessern."

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Für die Freien Demokraten ist klar: Auf die lange Zeit des Homeschoolings, die in manchen Bundesländern erst vor wenigen Wochen beendet wurde, darf nicht schon wieder die nächste Heimphase folgen. "In der Corona-Krise hat der schulpolitische Flickenteppich die Belastungen für Kinder, Eltern und Lehrkräfte erheblich verschärft", sagt FDP-Vize Katja Suding. Über Wochen und Monate wurde Kindern "ihr elementares Recht auf Bildung verwehrt. Eltern gelangten an ihre Belastungsgrenzen und darüber hinaus. Es wurden Zukunftschancen zerstört. Das darf nie wieder geschehen!"

Der Vorschlag der Union die Winterferien jetzt zu verlängern, "damit Schüler und Lehrkräfte nicht mit Jacke und Schal im Unterricht sitzen müssen" sei absurd. Sie wies darauf hin, dass Schulen momentan gar keine besonderen Corona-Schwerpunkte seien. Somit sei mit einer Verlängerung der Winterferien schlichtweg niemandem geholfen, so Suding.

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Auch Thomas Sattelberger, bildungspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, kritisiert den Vorschlag: "Jeder medizinische und bildungspolitische Laie im Bundestag fühlt sich jetzt offenbar zu Ratschlägen von der Seitenlinie berufen. An Schulferien herumzudoktern löst das Problem nicht!" Denn viel wichtiger sei es jetzt, "mit aller Kraft unsere Schulen fit machen für digitalen Unterricht im Winter!"

Auch FDP-Fraktionsvize Christian Dürr hält diesen Vorschlag "ausdrücklich für falsch“. Denn das würde fortsetzen, was wir im Frühjahr erlebt haben: Schulschließungen. Das "Chaos“ von Homeoffice und Homeschooling zur gleichen Zeit dürfe sich nicht wiederholen. Derzeit gebe es keine richtigen Konzepte für digitalen Unterricht. Das Geld aus dem "DigitalPakt“ sei derzeit für die Schulen kaum abrufbar. Das müsse sich schnellsten ändern. Der Vorschlag bleibe ein "Notnagel“. "Wir wissen zurzeit, dass Schulen gar kein Hotspot sind“, sagt Dürr. Der Vorschlag treffe die falsche Einrichtung und verunsichere die Familien. Es fehle ein Konzept. "Wir wissen seit Monaten, dass der Winter kommt.“

Für Andrew Ullmann, FDP-Gesundheitsexperte im Bundestag und Professor für Infektiologie an der Universität Würzburg, hat der Vorschlag populistische Züge und ist nicht durchdacht: "Die Schulkinder würden im Januar zwei zusätzliche Wochen zu Hause bleiben. Reisen mit der Familie werden aufgrund eines erhöhten Infektionsgeschehens im Januar eher nicht möglich sein. Daher werden die Kinder diese zwei Wochen vollständig zu Hause verbringen. Die Betreuung der Schulkinder wird in dieser Zeit von den Eltern übernommen. Berufdeutschklandfunkstätige Eltern werden wieder gezwungen, Homeoffice und Kinderbetreuung zu verbinden, wenn dies überhaupt möglich ist. Die Verantwortung wird somit wieder auf die Eltern abgewälzt. Das ist unfair und deshalb nicht hinnehmbar."

Auch NRW-Bildungsministerin Yvonne Gebauer stellt sich gegen den Vorstoß der CDU-Politiker: "Der Vorschlag ist untauglich und unnötig. Er ist kurzfristig weder schulorganisatorisch noch praktisch umzusetzen.“

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"Wir wollen weltbeste Bildung vom Watzmann bis nach Westerland. Dafür wollen wir das Kooperationsverbot zwischen Bund und Ländern in der Bildung abschaffen. Es braucht ein Kooperationsgebot. Dann können Bund und Länder in zentralen Fragen zusammenarbeiten. Mit hochwertigen Bildungsstandards und bundesweiten Abschlussprüfungen sorgen wir für mehr Qualität im Bildungssystem insgesamt", so der Anspruch der Freien Demokraten.

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