Der geopolitische Faktor ist riesig
Beim Gipfel in Neu-Delhi wurden nach über zwei Jahrzehnten die Verhandlungen zum EU-Indien-Freihandelsabkommen abgeschlossen. FDP-Europaabgeordnete Svenja Hahn betont: „Der geopolitische Faktor ist riesig.“ Das Abkommen müsse nun schnell ratifiziert werden.
Nach dem Mercosur-Fiasko gibt es endlich auch positive Nachrichten. Nach über zwei Jahrzehnten Verhandlungen wurde beim Gipfel in Neu-Delhi ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien entscheidend vorangebracht. Am Dienstag wurde bekannt gegeben, dass die Verhandlungen beendet sind. Das Handelsabkommen ebnet den Weg für eine stärkere Öffnung des bislang stark abgeschotteten indischen Marktes für Unternehmen aus der Europäischen Union.
Die stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende und Abgeordnete im Handelsausschuss des Europäischen Parlaments, Svenja Hahn, hat am Abkommen mitgearbeitet. Sie betont: „Der geopolitische Faktor ist riesig.“ Wenn Indien und die EU enger zusammenarbeiten, eröffne das ein enormes wirtschaftliches Potenzial und stärke die geopolitische Rolle der EU.
Das Abkommen muss schnellstmöglich ratifiziert werden
In einer immer polarisierteren Welt sei es besonders wichtig, dass die Zusammenarbeit mit einem geopolitisch wichtigen Land wie Indien verstärket werde. Das Land sei nicht nur die größte Demokratie der Welt, sondern auch ein riesiger Markt mit großem Potenzial. Die EU ist Indiens größter Handelspartner. Der Handel mit Indien macht bislang etwa 2,2 Prozent des EU-Handelsvolumens aus. „Und da ist noch wahnsinnig viel Wachstumspotenzial drin“, so Hahn.
Sie plädiert dafür, das Abkommen nun schnell auf den Weg zu bringen: „Die EU-Kommission muss nun einen schnellen Ratifizierungsprozess sicherstellen, damit dieses Momentum für mehr internationale Zusammenarbeit und Freihandel nicht verloren geht.“ Die EU brauche mehr Handel mit mehr Partnern, um die Lieferketten zu diversifizieren und weniger abhängig von China oder den USA zu werden.
Europa braucht neue Handelspartner
Die FDP-Europaabgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann unterstreicht die strategische Bedeutung: „Europa blickt in diesen Tagen verunsichert auf die Welt. Wir sind auf der Suche nach Gleichgesinnten und Partnern, die unsere Vorstellung, wie wir zusammenleben und Konflikte lösen wollen, teilen.“ Weil die USA als verlässlicher Handelspartner wegfalle und zugleich Russland, China und die Vereinigten Staaten die Welt unter sich aufteilten, sei ein starkes Europa überlebenswichtig. Dazu gehöre eine starke Wirtschaft. Nur dann könne man mit „den Großen“ am Tisch sitzen und nicht auf ihrer „Speisekarte“ landen.
Strack-Zimmermann wirbt für Partnerschaft auf Augenhöhe
Entscheidend sei jetzt auch, Indien besser zu verstehen, sagt Strack-Zimmermann. Nur so entstehe eine strategische Partnerschaft, von der beide Seiten profitieren: „Wenn Europa in einer Welt zunehmender Machtpolitik bestehen will, muss es Indien als das behandeln, was es ist: ein selbstbewusster Akteur mit eigenen Interessen. Das bedeutet mehr Mut zu wirtschaftlicher Zusammenarbeit, technologische Partnerschaften auf Augenhöhe und Offenheit für indische Talente.“
Eine neue Umfrage der Friedrich-Naumann-Stiftung zeigt, wie Indien auf Europa blickt. Indische Entscheiderinnen und Entscheider aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft sehen Europa als wichtigsten Wertepartner und als wirtschaftliches Gegengewicht zu den USA im Zuge globaler Handelsspannungen. 75 Prozent bewerten ein EU-Indien-Freihandelsabkommen als richtige Antwort auf US-Zölle. Besonders Deutschland sei gefragt. Erwartet werden mehr außenpolitische Eigenständigkeit, Offenheit für Fachkräfte und Unterstützung für Indiens Anspruch auf einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat.
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