Es wird Zeit, dagegen zu halten
Beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos ging es wieder um Donald Trumps Forderung, Grönland zu kaufen. Er hat inzwischen eingelenkt. FDP-Verteidigungsexpertin Marie-Agnes Strack-Zimmermann ist sicher: Die klare Haltung der Europäer, an der Seite der Dänen und Grönländer zu sein, ist angekommen.
Im Schweizer Bergdorf Davos treffen sich ein Mal im Jahr Entscheidungsträger aus Wirtschaft und Politik. US-Präsident Donald Trump will diese Bühne nutzen, um seine Forderung, dass Grönland aus sicherheitspolitischen Erwägungen zu Amerika gehören muss, unterstreichen. Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Europaparlaments, sagt im Gespräch mit dem „ZDF-Morgenmagazin“: „Das ist ja nur eine große Trump-Show.“ Der amerikanische Präsident trete aus sämtlichen internationalen Verträgen aus und es sei an der Zeit, „dass wir dagegenhalten“.
Dass US-Präsident Donald Trump in der Grönlandfrage eingelenkt habe, sei auf die Einigkeit der Europäer zurückzuführen, sagte Strack-Zimmermann am Donnerstag im rbb24 Inforadio. „Die klare Haltung der Europäer, an der Seite der Dänen und Grönländer zu sein, ist mit Sicherheit in Washington angekommen“, so Strack-Zimmermann. Das gelte auch für die Drohung der Europäischen Union, ebenfalls „Zölle aus der Tasche zu ziehen“ und für die Tatsache, dass die Börse reagiert habe.
Niemand will einen Handelskrieg
Von Seiten der EU werde alles unternommen, um die Grönland-Frage friedlich zu regeln und „Trump klarzumachen, dass wer Zölle erhebt, der beschädigt letztlich nicht nur den Handel, sondern das zahlen die Konsumenten und das werden auch die amerikanischen Bürgerinnen und Bürger letztlich zu spüren bekommen“, so Strack-Zimmermann. Für sie steht fest, sollte Trump weiter an der Zollschraube drehen, muss Europa „die Bazooka herausholen“, so Strack-Zimmermann im Gespräch mit „phoenix“. Gemeint ist die sogenannte Handels-Bazooka, ein Paket von Maßnahmen, die bei wirtschaftlicher Nötigung ergriffen werden können.
“Die klare Haltung der Europäer, an der Seite der Dänen und der Grönländer zu sein und auch die Drohung, dass wir wiederum Zölle aus der Tasche ziehen, dieses ‚Bazooka-Abkommen‘, das ist mit Sicherheit in Washington angekommen.“ Auch der Umstand, dass die Börse reagiert habe, habe ihren Teil zu Trumps Rückzieher beigetragen, sagt Strack-Zimmermann: „Man darf ja nicht vergessen, dass auch die Händler in den USA keine Lust auf einen Handelskrieg haben – und natürlich reagieren dann die Märkte. Und auch das wird ihm klar gewesen sein.“
Sie wirft Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) vor, in dieser Debatte bisher „erschreckend still“ gewesen zu sein. „Aber man kann hier nichts mehr Aussitzen, sondern Trump ist aggressiv und ich finde, wir sollten reagieren.“ Es sei keine leichtfertige Entscheidung, doch ihrer Ansicht nach ist es an der, dass Europa gemeinsam Gegenzölle auf den Weg bringt. Nichts zu machen und „einem Rowdy den Schulhof zu überlassen, hat noch nie zu etwas Gutem geführt“.
Eskalation ist kaum zu vermeiden
Die Verteidigungspolitikerin geht davon aus, dass Trump in seiner Rede den amerikanischen Besitzanspruch auf Grönland unterstreichen werde. „Ich könnte Ihnen die Rede aufmalen, was da kommt, und es wird eine Eskalation geben müssen“, sagt sie dem „ZDF-Morgenmagazin“. Das sei nicht schön, aber es sei klar, dass Grönland unabhängig sei und letztlich ein Teil des Königreichs Dänemark.
Es sei nötig, dem amerikanischen Präsidenten Grenzen aufzuzeigen: „Denn was wissen wir denn, was morgen ist?“ Als nächstes werde Trump die Hand aus vorgeschobenen sicherheitspolitischen Bedenken nach Irland oder Island ausstrecken. „Und wenn Trump so aufschlägt, dann wird das ein ausgesprochen munterer Nachmittag. Davon gehe ich aus.“
Die Zeiten sind rau
Sie macht klar, dass Europa sich nicht von den USA erpressen lassen dürfe. Mit Blick auf den Krieg in der Ukraine hebt sie hervor, dass glücklicherweise neue Mittel für die Unterstützung aus Europa bereitgestellt worden seien, leider nicht aus eingefrorenen russischem Vermögen. „Wir werden alles tun müssen, um die Ukraine zu unterstützen“, so Strack-Zimmermann. Die Zeiten seien rau, es werde auch nicht einfacher. Sie wandte sich direkt an die Zuschauer: „Da gehen wir jetzt gemeinsam durch. Alles andere ist eine brutale Abpressung, der wir auseinander ausgesetzt sind. Das dürfen wir nicht zulassen.“
Auch interessant:
- Marie-Agnes Strack-Zimmermann im „ZDF-Morgenmagazin“
- Marie-Agnes Strack-Zimmermann bei „phoenix“
- Die EU darf sich weder einschüchtern noch erpressen lassen
- Freie Demokraten unterstützen Petition zu Iran-Protesten
- Wir stehen an der Seite Grönlands
- Mercosur stärkt Europas wirtschaftliche Souveränität
- Europa darf sich nicht fressen lassen
- Warum Europa die russischen Milliarden freigeben muss